Parkhaus in der Jahnstraße soll schöner werden

Die Erweiterung des Parkhauses Jahnstraße ist vor allem für Pendler und Dauerparker interessant. Noch gibt es Diskussionsbedarf mit der IHK, denn die errichtet direkt nebenan ihren repräsentativen Neubau. Mit Kommentar

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Das Parkhaus in der Jahnstraße (links) soll erweitert werden. Die IHK befürchtet Beeinträchtigungen für ihren geplanten Neubau (rechts).  Foto: 

Der Bau von 680 neuen Stellplätzen in einem System-Parkhaus zwischen der Jahnstraße und dem Asylheim in der Pappelallee sorgt in der Stadt Göppingen weiter für eine Kontroverse. Dabei haben die meisten Stadträte gegen den Bau von neuen Parkplätzen jenseits der Fils offenbar nichts einzuwenden: Für Berufspendler, die mit dem Zug weiter fahren, für Mitarbeiter umliegender Firmen oder für die Fachhochschule soll das Parkhaus Jahnstraße großzügig nach Süden erweitert werden - an Stelle der einstigen Eissporthalle. Doch als es jetzt darum ging, den Bebauungsplan festzuzurren, zeigten die Wortbeiträge in der vorberatenden Ausschusssitzung erneut: Große Vorbehalte gibt es vor allem bei der Gestaltung des Bauwerks.

14 Meter hoch soll das "Parkhaus von der Stange" sein, und damit das geplante, unmittelbar angrenzende IHK-Gebäude um drei Meter überragen. Zur Erinnerung: Für fünf Millionen Euro errichtet die IHK-Bezirkskammer an der Jahnstraße ab Februar einen Neubau, der im Frühsommer 2017 bezugsfertig sein soll. Neben Büros für 20 Mitarbeiter sollen am IHK-Sitz auch Tagungs- und Prüfungsräume angesiedelt werden, die am bisherigen Standort fehlen. Das Parkhaus wird nur etwa acht Meter Abstand vom Neubau halten.

Deshalb hatte die IHK Einwände erhoben: Das Parkhaus werde das Nachbargebäude "erdrücken", Die Büro- und Veranstaltungsräume würden durch die Abschattung beeinträchtigt, hieß es unter anderem. In der öffentlichen Beratungsunterlage wurden die Stellungnahmen weggelassen. Christoph Weber (Grüne) kritisierte in der Ausschusssitzung, dass die Verwaltung den Konflikt mit der IHK nicht thematisiere. Er forderte, die Stadt müsse stets auf ästhetische und qualitätvolle Bauweise setzen - auch auf der anderen Seite der Fils. Die Grünen wollen deshalb beantragen, das Parkhaus in Richtung zum IHK-Bau um zwei Geschosse zu verringern. Außerdem soll ein Architektenwettbewerb veranstaltet werden. In die selbe Kerbe hieben andere Stadträte. Christian Stähle (Linke) schimpfte, es könne nicht sein, "dass die Stadt einen Klotz hinstellt, der nicht mehr zeitgemäß ist".

IHK-Geschäftsführer Dr. Peter Saile bestätigt, dass die IHK als Nachbar des Parkhauses noch Gespräche mit der Stadt führe. Themen seien der Lärm, die Wandhöhen und die Abschattung. "Zentrales Thema ist jedoch die Fassadengestaltung", so Saile. Eine Stahlskelettfassade sei nicht besonders attraktiv. Er gehe davon aus, dass die Stadt die Bedenken ernst nimmt.

Rudolf Hollnaicher, Kämmerer der Stadt und Geschäftsführer der städtischen Parkierungsanlagen Gesellschaft (PAG), betonte im Ausschuss, ein Parkhaus in System-Bauweise müsse "nicht immer gestalterisch anspruchslos" sein.

Peter Saile unterstrich, die IHK habe neben den Bedenken als Nachbar eine zweite Stellungsnahme als Vertreter der Wirtschaftsunternehmen abgegeben. Und die fällt positiver aus: Der Ersatz für wegfallende Parkplätze in der Bahnhofsgegend werde gebraucht und komme der Wirtschaft zugute.

Die Gestaltung war im Ausschuss nicht der einzige kritische Punkt. Mehrere Stadträte hinterfragten auch die Rentabilität des Projekts Parkhauserweiterung, denn das Parkhaus in der Jahnstraße habe in den vergangenen Jahrzehnten Millionenverluste eingefahren. Rudolf Hollnaicher konterte jedoch, inzwischen sei das Parkhaus gut ausgelastet und schreibe nur noch geringe Verluste. Er räumte aber ein, dass Kurzparker, die die Innenstadt besuchen, das Parkhaus nicht gut annehmen. Dauerparker umso mehr.

In der kommenden Woche wird die Parkhauserweiterung noch einmal Thema sein, wenn der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan fassen soll.

Ein Kommentar von Joa Schmid:Mehr architektonischer Schick

Dass Parkhäusern wenig prestigeträchtig sind, ist klar. Dennoch sollte die Stadt bei der Erweiterung des Parkhauses Jahnstraße nicht nur auf Stangenware setzen. So lobenswert es ist ist, die in der Bahnhofsgegend weg fallenden Parkplätze großzügig zu ersetzen, so falsch wäre es, das mit einem gestalterisch anspruchslosen Gebäude zu tun. Da haben die Kritiker der Planung schon recht.

Nicht nur, dass die IHK für immerhin fünf Millionen Euro gleich daneben einen repräsentativen Dienstsitz bauen will, der durch einen reinen Funktionsbau samt wenig ansprechender Stahlskelettfassade konterkariert würde. Auch die Attraktivität des Parkhauses für Berufspendler, Mitarbeiter der umliegenden Betriebe und die Besucher der Hochschule könnte darunter leiden. Die Millionenverluste des Parkhauses Jahnstraße kommen nicht von ungefähr und können kaum mit der auch für Innenstadbesucher optimalen Lage jenseits der Fils begründet werden. An den vergleichweise moderaten Preisen dürfte es auch nicht liegen. Womöglich käme ein wenig architektonischer Schick nicht nur dem Stadtbild, sondern auch der Rentabilität des Parkhauses zu gute. Die höheren Kosten, die der Kämmerer und Chef der städtischen Parkierungsanlagengesellschaft fürchtet, wären vielleicht schnell wieder eingefahren.

All das sollten die Göppinger Stadträte bedenken, bevor endgültig über den Erweiterungsbau in der Göppinger Jahnstraße entschieden wird.

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