Otto Waalkes ist dem Zeitgeist auf der Spur

Er ist „geboren, um zu blödeln“. Am 9. Oktober darf Otto Waalkes in der EWS-Arena seiner Berufung nachgehen. Dabei hatte er eigentlich ein Auge aufs Göppinger Metal-Festival „Doom Shall Rise“ geworfen.

|
Das hohe Lied auf den Hohenstaufen kann er schon singen, und mit seinen Friesenjungs wäre er beinahe beim »Doom Shall Rise« in Göppingen gelandet. Otto-Fans können sich dennoch freuen: Am 9. Oktober gastiert der Blödelbarde in der Göppinger EWS-Arena.  Foto: 

In den 70er Jahren waren Sie mit Ihrer Art von Komik einzigartig. Die frühen Otto-Shows und Platten sind legendär. Die musste man damals gesehen und gehört haben.

OTTO WAALKES: Ja, das ist überraschend, auch junge Leute sprechen mich darauf an. Einer sagte mir: „Mein Opa hat ne Platte von dir, so rund und schwarz und in der Mitte ein Loch.“ Ich fragte: Ja, und was macht man damit? „Weiß ich nicht.“

Die Jugendlichen kennen Sie aber schon – nur nicht von diesen großen schwarzen Dingern.

WAALKES: Nee, die kennen mich aus den Zwergen-Filmen und aus Ice Age. Mich fragen manchmal Kollegen: „Wie machst du das bloß, dass so viele Jugendliche zu dir kommen?“ Da sag ich immer: „Du musst nur den richtigen Film machen. . .“

. . . und dann noch erfolgreich sein.

WAALKES: . . . und dann noch erfolgreich sein, genau.

Heute schießen ja Musikcomedians wie Pilze aus dem Boden – für Sie ein Ansporn, es den Jungen zu zeigen?

WAALKES: Konkurrenz belebt das Geschäft. Man lernt dazu und es gibt immer neue Songs, neues parodierfähiges Material. Zum Glück! Denn parodieren kann man nur, was originell und bekannt ist.

Lacht das Publikum im Südwesten der Republik über andere Gags als das im Norden?

WAALKES: Eigentlich nicht.

Also ist Humor universell?

WAALKES: Es gibt keinen speziell süddeutschen Humor. Ebensowenig wie es einen süddeutschen Orgasmus gibt. Der gute Witz funktioniert überall.

Wer in Ihrem Showprogramm in der ersten Reihe sitzt, muss damit rechnen, auf die Bühne geholt oder nassgespritzt zu werden.

WAALKES: Wer in der ersten Reihe sitzt, macht das auf eigene Gefahr. Er kann ja gewisse Schutzmaßnahmen treffen.

Vielleicht sollten sie Schilder anbringen . . . War denn schon mal ein Besucher ernstlich verärgert?

WAALKES: Wir warnen ausdrücklich! Doch einmal saß einer mit Smoking in der ersten Reihe, und ich wollte Salz streuen, hab aber aus Versehen Mehl genommen und Wasser hinterher gespritzt. Die Rechnung für die Reinigung hat er mir trotzdem geschickt: 700 Euro. Das kann schon passieren.

Sie sind Komiker, Comiczeichner, Musiker, Schauspieler, Regisseur und Synchronsprecher. Was würde Ihnen am meisten fehlen?

WAALKES: Schwierige Frage, das ist so unterschiedlich. Wenn du einen Film produzierst, arbeitest du lange am Konzept, drehst zehn Stunden am Tag, und dann sind nur anderthalb Minuten davon brauchbar. Und aus diesen Schnipseln musst du mühselig das zurechtschustern, was in die Kinos kommt. Ob es den Leuten gefällt, stellt sich erst dann heraus – ändern kannst du nichts mehr. Aber das ist alles toll und vergessen, wenn das Projekt dann ankommt. Während man auf der Bühne immer noch die Möglichkeit hat, Stücke zu verbessern oder zu verwerfen, Gags zu vergessen. Der direkte Kontakt zum Stimmungsbarometer Publikum ist unbezahlbar.

Was ist anstrengender: ein Tag das Faultier Sid aus Ice Age synchronisieren oder ein Tag das neue Bühnenprogramm einüben?

WAALKES: Sich zweieinhalb Stunden Monolog auszudenken und zu behalten ist anstrengender. Bei Sid wird einem ja was vorgegeben. Da sitzt man in einem dunklen Studio vor einer Großleinwand zwischen Manni und Diego und wartet auf seinen Einsatz. Das ist manchmal ermüdend, doch es gibt Schlimmeres.

Planen Sie einen neuen Film?

WAALKES: Ja, die Zwergentrilogie muss doch komplett sein. Ich möchte eine Art Prequel drehen. Die Legende lebt: Bubi – ein Männlein steht im Walde.

Und in den Hauptrollen zu sehen sind neben dem Wald . . .?

WAALKES: Ich spiele drei Generationen – eigentlich alles . . .

Gut fürs Gagen-Budget.

WAALKES: Genau.

Wann sind Sie als nächstes im Fernsehen zu sehen?

WAALKES: Vielleicht wird’s nächstes Jahr einen Live-Mitschnitt geben: die Highlights der Tour.

Ihr Gesicht ist bekannter als das des Bundespräsidenten . . .

WAALKES: (lacht) Im Augenblick noch.

Wenn’s mal wieder einer auf fünf oder mehr Jahre schafft, wird's eng.

WAALKES: Und wenn er dann auch noch komisch ist, ja.

Jedenfalls sind Sie ziemlich prominent. Wohin geht ein Otto Waalkes, wenn er in Ruhe Urlaub machen möchte?

WAALKES: Überall Bekanntschaften zu schließen, das ist ja mein Urlaub, Urlaubsbekanntschaften. Man plaudert, probiert Gags aus, macht sich Notizen. Diese ständigen Kontakte helfen mir, dem Zeitgeist auf der Spur zu bleiben. Ich bin ständig unterwegs.

Also brauchen Sie gar keinen Urlaub?

WAALKES: Wovon denn? Ich genieße das Leben.

Und auch keine Sehnsucht, dem Hamburger Schmuddelwetter zu entkommen?

WAALKES: Im Winter gehe ich ja nach Florida, wenn es hier nasskalt wird. Da schreibe ich dann in Ruhe meine Stücke.

Das haben Sie aber geschickt arrangiert.

WAALKES: Ja, das ist ganz angenehm. Da kennt mich keiner. Wenn man über die Straße läuft, wird man nicht gleich angesprochen. Ich arbeite daran, das zu ändern, indem ich Leute anspreche.

Sie sind nicht zum ersten Mal in Göppingen. Gab es etwas, was Ihnen bei bisherigen Auftritten hier besonders gefallen oder missfallen hat?

WAALKES: Göppingen? Das ist schwäbisch, gell?

Richtig.

WAALKES: Wo gosch no? Nach Göppingen.

Das war schon recht gut.

Waalkes: Beeindruckend ist da natürlich die Handballmannschaft Frisch Auf.

WAALKES: Genau, Frisch Auf, die waren ja schon oft Deutscher Meister. Ja, und dann hab’ ich von diesem Metal-Festival gehört: „Doom Shall Rise“. Da wollt ich mit meiner Band mal hin, du. Zum Abrocken.

Da sind Sie leider zu spät, vor ein paar Wochen war das letzte Festival.

WAALKES: Schade. Früher sind wir mal auf so einem Metal-Festival in Österreich aufgetreten, vor 50.000 Besuchern. Da hab ich erst gedacht, die pfeifen dich aus, aber die haben mitgepfiffen. Das war schon cool!

Machen Sie noch Musik mit Ihrer Band, den Friesenjungs?

WAALKES: Ja ja, Ende Mai haben wir zum Beispiel beim Wolkenkratzer-Festival in Frankfurt gespielt.

Was kann das Publikum vom neuen Programm erwarten? Gibt es Überraschungen?

WAALKES: Es wird wie immer viele aktuelle Bezüge geben. Zum Beispiel führe ich den Otto Gangnam Style ein. Es gibt neue Parodien – von Cindy aus Marzahn bis zu den Toten Hosen. Es wird alles parodiert, was mir gefällt.

Und es macht immer noch saumäßig Spaß?!

WAALKES: Wenn es ankommt, macht es Spaß, ja. Und von Wäschenbeuren bis Hohenstaufen – ich hab mir die Namen nicht ausgedacht! – sollte es doch genügend Stoff geben für lokales Liedgut.

Ja, das kommt immer gut an.

WAALKES: Das kommt gut, ne! (singt, immer schriller werdend) Wäschenbeuren . . .Hohenstaufen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Frischzellenkur für Notare

Am 1. Januar tritt die Notariatsreform in Kraft: Für Bürger ändert sich einiges. Die Grundbücher werden nun zentral in Ulm verwaltet. weiter lesen