Oskar Schlemmer rückt bundesweit in den Fokus

Der Maler Oskar Schlemmer rückt in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Staatsgalerie Stuttgart wird dem Maler eine Ausstellung widmen. Ein Fresko nach seinem Entwurf in Göppingen stößt auf großes Interesse.

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  • Morbider Charme: Das ehemalige Badehaus im alten Park der Villa Märklin in Göppingens Norden. 1/4
    Morbider Charme: Das ehemalige Badehaus im alten Park der Villa Märklin in Göppingens Norden. Foto: 
  • In typischer Schlemmerscher Formensprache ist das Fresko in der Villa Märklin gehalten. Die Bilder zeigen drei der fünf Personen einer Badeszene nach Schlemmers Entwurf. Über dem Fresko steht eine Gedichtzeile von Gottfried Keller: "Taucht Euch ins Bad der Lust, ins Klare, das Euch die kurze Stunde gönnt." 2/4
    In typischer Schlemmerscher Formensprache ist das Fresko in der Villa Märklin gehalten. Die Bilder zeigen drei der fünf Personen einer Badeszene nach Schlemmers Entwurf. Über dem Fresko steht eine Gedichtzeile von Gottfried Keller: "Taucht Euch ins Bad der Lust, ins Klare, das Euch die kurze Stunde gönnt." Foto: 
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Nur wenige wissen, dass die Künstlerlaufbahn von Oskar Schlemmer eng mit Göppingen verbunden ist. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass sein Werk mehr als 30 Jahre lang nicht mehr öffentlich gezeigt worden ist. Ein Streit der Erben war Ursache dafür. Museen scheuten komplizierte rechtliche Auseinandersetzungen. 2013 jährte sich der Todestag des Stuttgarter Künstlers zum 70. Mal, und damit sind die Reproduktions- und Nutzungsrechte abgelaufen. Oskar Schlemmer wird also in die Museen und Galerien zurückkehren.

Im Herbst wird ihm die Staatsgalerie, die auch das Schlemmer-Archiv betreut, eine Ausstellung widmen. Vielleicht wird dann auch die früheste erhaltene Arbeit des gebürtigen Stuttgarters gezeigt werden. Er hatte im Sommer 1900 den Brand der Knabenschule (heute Uhland-Realschule) beobachtet und in einem Brief an die Eltern aquarelliert. Schlemmer hatte ab 1899 drei Jahre lang die Schulbank in Göppingen gedrückt - in der Realschule, dem heutigen Freihof-Gymnasium.

Bei seiner Schwester Wilma Morgenstern in der Marstallstraße lebte er und war in der Schule auf die Kunsterzieher und Künstler Carl Gmelich und Gustav Kolb getroffen, die sein Talent erkannten und ihn ermunterten, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. "Auf Anraten seiner Lehrer besorgte sich Schlemmer einen Malkasten und legte ein Herbarium an, dessen Pflanzen er aquarellierte", erzählt die Schlemmerexpertin Karin von Maur. Im April 1902 berichtete Schlemmer, dass er im "Gedächtnis- und Freihandzeichnen" bereits viermal den ersten Preis erhalten habe und dass seine Zeichnungen auf einer Schülerausstellung in Stuttgart gezeigt werden sollen,

Nach dem Tode seines Vaters musste Schlemmer die Schule verlassen. Er zog 1903 nach Stuttgart, trat in die Kunstanstalt für Intarsien von Wölffel & Kiessling ein. Es folgte ein Studium an der Kunstgewerbeschule und der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, der Umzug nach Berlin und die jahrelange Tätigkeit am Bauhaus in Weimar und Dessau, nachdem er mit der Uraufführung seines "Triadischen Balletts" 1922 in Stuttgart auch international auf sich aufmerksam gemacht hatte. 1933 wurde Oskar Schlemmer von den Nazis die Lehrerlaubnis entzogen worden. Er galt als entartet. Mit Malerarbeiten - unter anderem versah er Kasernen mit Tarnanstrichen - hielt er sich über Wasser. 1943, mit nicht mal 55 Jahren, erlag er einer Herzlähmung.

Mit ihm starb einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts, der sich intensiv mit dem Problem der Figur im Raum auseinander gesetzt hatte. "Oskar Schlemmer war neben Willi Baumeister und noch einigen anderen einer der wichtigen Bauhausmeister", betont Werner Meyer, Leiter der Kunsthalle Göppingen. Und weiter: "Zumeist geht es in seiner Kunst um die Figur im Raum. Das Bild ist verstanden als Bühne. Beides sind grundlegende Fragen der figurativen Kunst überhaupt und wesentlich seit der Antike bis zur Gegenwart. Wesentlich ist die Form, die Schlemmer dafür gefunden hat."

In typischer Schlemmerscher Formensprache zeigt sich auch ein Fresko im ehemaligen Badehaus der Villa Märklin im Göppinger Norden, das ebenfalls wieder in den Blick der Öffentlichkeit gerät und zahlreiche Kunstfreunde nach Göppingen zieht. Schlemmer hat es nicht selbst gemalt - wie ein Schriftzug aber belegt, stammt der Entwurf von ihm, den dann sein Bruder Karl ausführte. Der lebte in den 1920er Jahren in Göppingen und war mit den Märklins, aber auch mit Helmut Baumann befreundet. "Karl war viele Jahre lang die rechte Hand seines Bruders im Atelier", so Meyer. Dass "nur er" es gemalt habe, schmälere keinesfalls den Wert des Kunstwerkes. Es zeigt eine Badeszene mit fünf Personen. Darüber steht eine Zeile eines Gedichtes von Gottfried Keller: "Taucht Euch ins Bad der Lust, ins Klare, das Euch die kurze Stunde gönnt."

Die Einrichtung des Badehäuschens bildet mit dem Fresko eine Einheit. Badehaus, die besondere Atmosphäre des Parks der Villa und der morbide Charme des längst aufgegebenen Freibades bilden bis heute eine faszinierende Einheit.


Oskar Schlemmer in Göppingen und Stuttgart

Termine Führungen zu Oskar Schlemmers Malerei im Badhaus der ehemaligen Märklin-Villa in der Olgastraße in Göppingen können über den i-Punkt der Stadt gebucht werden,

Telefon: (07161) 650-292, oder ipunkt@goeppingen.de.

Staatsgalerie Vom 21. November 2014 bis 6. April 2015 wird die Staatsgalerie Stuttgart dem Künstler Oskar Schlemmer eine Einzelausstellung unter dem Titel "Visionen einer neuen Welt" widmen.

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