Orgelkonzert: Bach und die Folgen

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Der Stuttgarter Organist Andreas Willberg überzeugte mit Bach, Schumann, Mendelssohn und Liszt.  Foto: 

Wer hätte gedacht, dass die beiden ersten Konzerte mit Martin Böhm und Christoph Schoener noch zu toppen wären – Andreas Willberg, seit 2015 Kantor in Lauffen am Neckar und wohnhaft in Stuttgart, hat es auf seine Weise geschafft. In einem Programm mit Johann Sebastian Bach, Robert Schumann, Felix Mendelssohn und Franz Liszt zeigte der 30-Jährige nochmals das Faszinosum Orgel oder, wie er es nannte: Bach und die Folgen. Mit technischen und interpretatorischen Fähigkeiten erwies er sich als ein Registrier-Genie an der 1981 von Richard Rensch (Lauffen am Neckar) erbauten Stadtkirchen-Orgel.

Willberg, der ein Jahr lang sein kirchenmusikalisches Praktikum beim Göppinger Bezirkskantor Klaus Rothaupt absolviert hatte, entlockte der Königin der Instrumente neue und andere Klänge, weil er die Orgel offenbar bis in den letzten Winkel kennt. In der wiederum gut besuchten Stadtkirche – in Göppingen hat sich in den letzten Jahren ein fachkundiges Stammpublikum gebildet – begann Willberg mit dem „Praeludium Es-Dur, BW 552/1“ des Thomaskantors, an dem sich alle nachfolgende Orgelkunst messen lassen muss.

In vier ganz unterschiedlichen „Skizzen für Pedalflügel, opus 58“ von 1846 zeichnete Andreas Willberg, der eine reiche Konzerttätigkeit ausübt und bei Rundfunk- und Fernsehproduktionen mitwirkt, die überall eingebauten Kanons von Schumann in ganz verschiedenen Registern nach. Die Anspielung auf Bach in diesen Charakter­stücken mit Melancholischem, Dunklem, Heiterem und zuweilen auch Widerborstigem bildete ­einen Kontrast zum vorherigen Bach und zum nachfolgenden Mendelssohn. In der dreisätzigen „5. Orgelsonate in D-Dur, opus 65,5“ aus dem Jahr 1845 brachte Willberg reine und gemischte Klänge bei den kanonischen ­Einsätzen und polyphonen ­Strukturen dieses „klassischsten Bach-Nachfolgers“ aufs Tablett.

Liszts eher kontemplative „Sinfonische Dichtung Nr.4 – Orpheus“, vom Komponisten selbst transkribiert, sowie das gigantische „Präludium und die Fuge B-A-C-H“ von 1870 folgten. Den Ideenreichtum Liszts in Harmonik und motivischen Einfällen ergänzte Willberg mit einem ganz eigenen Klangreichtum durch Registrierung und Dynamik. Mächtige Jubelschreie, so als ob der Komponist vom Namen Bach nicht genug bekommen könnte, und ein Schluss ganz in originaler Bach-Manier, bevor nach dem Titan ein kurzes galantes Schumann-Stück als Zugabe den Abend beschloss. Der Wunsch von vielen im Publikum – auch im nächsten Jahr wieder ein Göppinger Orgelsommer.

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