Orgelklang wird wandelbarer

Sie ist fast fertig: Die Oesterle Orgel in der Geislinger Stadtkirche ist in den vergangenen Monaten saniert und modernisiert worden. In den nächsten Wochen werden nun die Pfeifen ausgereinigt und gestimmt.

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Es ist rutschig auf der Empore der Geislinger Stadtkirche. Der Boden ist bedeckt mit Schleifstaub auf den Tischen liegen ausgebreitet die Pfeifen der großen Stadtkirchenorgel. Der Schleifstaub ist ein Überbleibsel der Arbeiten am neu gebauten Schwellkasten, in dessen Bauch man über eine Leiter hineinsteigen kann. In ihm sitzt Orgelbaumeister Gilbert Scharfe, bläst in eine der über 1000 Pfeifen, die allein im Schwellwerk untergebracht sind, kontrolliert den Ton mit Hilfe seines Keyboards, korrigiert ihn, indem er mit einem Werkzeug in den Spalt der Pfeifen fährt.

Die großen Arbeiten an der Oesterle Orgel der Geislinger Stadtkirche sind abgeschlossen. Was in den nächsten Wochen - bis zum Einweihungskonzert am 1. Juni - passiert, ist das zeitaufwendige Ausreinigen, Intonieren und Stimmen des 36 Jahre alten Instruments und seiner insgesamt 4117 Pfeifen.

Seit Oktober arbeiten Gilbert Scharfe und sein Team an der Stadtkirchenorgel, so pünktlich im Zeitplan, dass das Instrument zu Weihnachten bereits wieder gespielt werden konnte.

Drei große Veränderungen gab es: Zum einen ist das Gehirn der Orgel - der nun computergesteuerte Spieltisch - modernisiert, optisch neu und insgesamt spielerfreundlich gestaltet worden. Gab es zuvor vier Speichermöglichkeiten, sind es nun 26 000, erläutert Bezirkskantor Thomas Rapp. Zum Zweiten sind das Orgelwerk aus dem ehemaligen Martin-Luther-Haus, ein zweites Manual und ein Pedalwerk in die Stadtkirchenorgel integriert worden. Es ist sowohl zusammen mit den anderen Werken als auch solistisch spielbar.

Das Instrument hat überdies ein besonderes neues Register erhalten: Die Gambe 8, die die Klangfarbe des Streichinstruments nachahmt. "Eine Bereicherung der großen Orgel", sagt Thomas Rapp: "Aber auch ein wunderbares Soloregister." 16 Register des dritten Manuals sind nun in dem neu gebauten, mit Jalousien ausgestatteten Schwellkasten untergebracht. Das Öffnen und Schließen der Jalousien sorge dafür, dass der Orgelklang dynamisch wandelbar wird, sagt Rapp. Ebenso die mit Sand gefüllten Wände des Kastens. Gab es zuvor nur 30 solcher Jalousien, sind es nun 73.

Von den 157 000 Euro Sanierungskosten trägt die Stadtkirchengemeinde 63 000. An Spenden - auch aus der GZ-Aktion - sind bislang 39 000 Euro geflossen. "Wir schulden den Geislingern großen Dank", sagt Thomas Rapp. Um den Rest der Kosten aufzubringen, wird es weitere Spendenaktionen geben - und Benefizkonzerte.

Am Samstag, 1. Juni, wird die Orgel mit einem Konzert offiziell eingeweiht. Vielseitige weitere Konzerte - mit Orchester, Chor oder Violine - sind fest eingeplant. Und: Die Menschen sollen die Orgel auch sehen und Fragen stellen können, etwa bei Führungen nach dem Gottesdienst. "Ich möchte kein Hexenmeister sein, der in der Orgelküche sein Süppchen braut", sagt Rapp.

Info Bilder unseres Fotografen Markus Sontheimer zur sanierten Orgel sind zu sehen unter www.swp.de/geislingen/bilder/

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