Ohne Schokolade gehts nicht

Radeln und Stempel sammeln: Christian Van Limbergen ist seit 23 Jahren unterwegs durch Europa. Er übernachtet draußen und isst, was er bekommt. Jetzt kam er nach Göppingen.

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Volles Stempelbuch: Christian Van Limbergen radelt seit 23 Jahren durch Europa. Foto: Staufenpress

Sein Gesicht und seine Hände sind braungebrannt und vom Wetter gegerbt, die grauen Haare trägt Christian Van Limbergen zu einem Zopf zusammengebunden. Genau so stellt man sich wohl einen Weltenbummler vor. Der 62-Jährige Belgier, der jetzt schon seit 1989 ununterbrochen durch Europa reist, kam in der vergangenen Woche in der Redaktion der NWZ vorbei. Natürlich erst, nachdem er sich von der Göppinger Stadtverwaltung einen Stempel geholt hatte.

"Ich sehe viel. Das ist das schönste", erzählt der 61-Jährige. Was man so zum Leben auf der Straße braucht, weiß er genau: "Nicht viel, aber ohne Schokolade gehe es nicht." Geradelt ist Van Limbergen von Belgien aus über Deutschland und Tschechien nach Österreich, Frankreich, Spanien, Portugal, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, die Türkei, Griechenland und Italien. Von dort aus kehrte er zurück nach Deutschland, um sich nach Bayern auch die Region rund um Stuttgart anzuschauen.

Stolz präsentiert der Belgier sein Stempelbuch. Es ist nur eines von zehn, die er nach und nach - also Kilometer um Kilometer - mit Stempeln von Städten und Gemeinden gefüllt hat. Inzwischen kam einiges zusammen: "Ich bin 800 000 Kilometer gefahren und habe rund 38 200 Stempel gesammelt."

Ein Zuhause hat er nicht mehr, aber daran hängt sein Herz nicht, erzählt er. Warum er sich für dieses Leben entschieden hat? Van Limbergen hatte 15 Jahre lang im Bergbau gearbeitet. Als er seine Stelle verlor und keine neue fand, verwirklichte er einen Traum: Er zog los und erkundete Europa. Der 61-Jährige spricht viele Sprachen, unter anderem auch Deutsch und Griechisch. "Das lernt man auf der Straße", sagt der Belgier.

Draußen zu übernachten macht Van Limbergen auch im Winter nichts aus. "Kalt ist es zwar, aber das ist nicht schlimm." Er erzählt, dass er alles höre, was um ihn herum passiert. Sein Stempelbuch legt er sich immer unter seinen Kopf - aus Angst, dass es ihm gestohlen werden könnte. "Ich rate keinem, so etwas zu machen."

Mit Menschen spricht er gerne und freut sich, wenn sie ihn herzlich aufnehmen. Es kommt vor, dass er von neuen Bekannten zum Übernachten oder zu einer Mahlzeit eingeladen wird, denn Geld verdient er keins. Bis zum September soll es so weiter gehen, dann kehrt er nach Belgien zurück.

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