OB Amann kritisiert Plan für Klinikneubau

Der ins Auge gefasste Klinikneubau am Eichert für 300 bis 350 Millionen Euro lässt bei Geislingens Oberbürgermeister die Alarmglocken schrillen.

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Geislingens Oberbürgermeister Wolfgang Amann glaubt sich im falschen Film: Er verkämpfte sich bekanntlich für die Geburtshilfe an der Helfenstein-Klinik - vergebens, der Landkreis schloss die Entbindungsstation vor rund eineinhalb Jahren. Aus Kostengründen im Rahmen eines Konsolidierungskonzepts. Durch das Maßnahmenbündel würden die Kliniken spätestens ab 2014 eine schwarze Null schreiben, versprach Klinikchef Professor Dr. Jörg Martin damals. Ein weiterer Eckpunkt war die Sanierung der Klinik am Eichert über Jahre hinweg, mit der auch sogleich begonnen wurde. Dem Vorschlag von Bernhard Wehde, dem Geschäftsführer des Christophsbads, bei dieser Privatklinik eine neue Allgemeinmedizinische Klinik zu bauen, hielt Martin eine in Auftrag gegebene Studie der Beratungsgesellschaft HWP entgegen: Sie komme zum "eindeutigen Ergebnis", so Martin damals, dass die Sanierung der Klinik am Eichert 60 bis 80 Millionen Euro koste - ein Neubau hingegen 350 Millionen. Weshalb Martin das Ansinnen des Christophsbads von sich wies. Eineinhalb Jahre später beziffert dieselbe HWP die Sanierung mit 420 Millionen Euro - womit ein Neubau plötzlich billiger käme.

"Wie hoch ist der Wahrheitsgehalt all dieser Zahlen", fragt nun Amann. Würde er dem Geislinger Gemeinderat solch konträre Gutachten vorlegen, "würden mich die Stadträte an die Wand tackern." Er wundert sich, dass im Kreistag kritische Stimmen ausbleiben. Offenbar forderten sie nicht einmal ein, dass man ihnen das neue Gutachten auch aushändigt. Der OB gibt zu bedenken, dass eine erst 33 Jahre alte Klinik noch nicht abgeschrieben sei, also ihr ansehnlicher Restbuchwert bei einem Abriss Sonderabschreibungen erforderlich mache. Amann befürchtet, dass für den Klinikneubau "in letzter Konsequenz die Städte und Gemeinden bezahlen." Martin hält die Finanzierung der gigantischen Investition für möglich, ohne Kreisumlagen-Erhöhung. Dazu Amann: "Wers glaubt, wird selig." Ein Neubau verändert nach Einschätzung des Geislinger OB alle bisherigen Geschäftsgrundlagen. Wenn ein auf Betriebsabläufe optimal abgestimmter Neubau geplant wird, stelle sich wahrscheinlich erneut die Frage: Wird dann daneben noch eine zweite Klinik in Geislingen toleriert? Im Ärztehaus, das derzeit bei der Helfenstein-Klinik entsteht, sieht Amann keinen Beweis für die Zukunftssicherung. Ein Ärztehaus funktioniere auch eigenständig. Amann: "Ich setze dahinter ein großes Fragezeichen. Ist die Zukunft der Helfenstein-Klinik tatsächlich gesichert?"

Außerdem kritisert Amann, dass die Kommunen im oberen Filstal und Geislingen für die Integration in den VVS mitbezahlen sollen. Einmal mehr bezieht Amann damit Gegenpositionen zum Kreis. "Wahrscheinlich werde ich jetzt wieder als ,Stammesfürst aus dem Oberen Filstal gescholten". Er gibt aber zu bedenken: "Die Vorlage für meine Kritik habe schließlich nicht ich geliefert."

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