Noch sind viele Fragen offen

Freude und Interesse, aber auch viele Fragen und Bedenken: Der geplante Baumwipfelpfad in Wiesensteig ruft bei den Kreisräten gemischte Gefühle hervor. Das Projekt soll aber weiter verfolgt werden.

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Entdeckung in luftiger Höhe: Ein Baumwipfelpfad eröffnet den Besuchern eine ganz neue Perspektive. Die Kreisräte haben gestern Abend grünes Licht gegeben, das Projekt in Wiesensteig weiterzuverfolgen. Foto: Archiv

Es kommt nicht oft vor, dass rund 30 Zuhörer interessiert eine Diskussion im Ausschuss für Umwelt und Verkehr verfolgen. Gestern am späten Nachmittag platzte der Helfenstein-Saal im Göppinger Landratsamt aber aus allen Nähten. Der Grund: Die Kreisräte packten mit dem geplanten Baumwipfelpfad in Wiesensteig ein heißes Eisen an. Am Abend dann gaben die Bürgervertreter der Landkreisverwaltung mit einer Enthaltung grünes Licht, das Projekt weiter zu verfolgen. Sie drängten aber auch darauf, Antworten auf viele Fragen zu bekommen, was Landrat Edgar Wolff zusicherte. Schließlich stehe man erst am Anfang, "es gibt noch einige Hürden, die zu überwinden sind", betonte Wolff.

Der Landrat rührte zunächst kräftig die Werbetrommel für den Baumwipfelpfad, der den oft beklagten Strukturproblemen und mangelnden touristischen Angeboten im Landkreis etwas entgegensetzen könnte. Wolff sprach von einer "einmaligen Chance" - zumal der Investor, die Erlebnis-Akademie aus dem bayerischen Bad Kötzting - "auch von anderen Landkreisen umworben wurde". Der Landrat versprach, die Bedenken ernst zu nehmen: "Wir möchten Akzeptanz schaffen."

Der Wiesensteiger Bürgermeister Gebhard Tritschler stieß in das gleiche Horn: "Wir erhoffen uns einen Schub für den Tourismus und sehen die Chance, eine positive Marke zu erhalten." Der Gemeinderat habe sich bereits einstimmig für das Projekt ausgesprochen. Ein neu gegründetes Aktionsbündnis, bestehend aus sieben Personen, so Tritschler, könne dem Baumwipfelpfad jedoch nichts Positives abgewinnen und kämpfe gegen den Bau am Bronnen. Die Gegner befürchten unter anderem Auswirkungen auf die Natur und zu viel Verkehr.

Gespannt verfolgten die Zuhörer den Vortrag von Bernd Bayerköhler, Vorstandssprecher der Erlebnis-Akademie. Er zeigte die Vorteile des Standorts (Einzugsgebiet, Topographie, Landschaftsbild) auf, präsentierte seine Ideen ("Von fertigen Plänen kann keine Rede sein") und erklärte, dass "naturschonend" gebaut werde. Bayerköhler rechnet mit 250 000 Besuchern im Jahr, an Spitzentagen kämen 3500 bis 4000 Gäste. Ziel sei es, dauerhaft 20 Arbeitsplätze zu schaffen. Geplant sei zudem ein Wald- und Erlebniszentrum - in welcher Form, sei aber noch unklar. Die Erlebnis-Akademie hofft, hier die Forstverwaltung Baden-Württemberg ins Boot zu bekommen - "darüber wird jetzt verhandelt".

Bayerköhler machte kein Hehl daraus, dass die Themen Erschließung, Verkehr und Parkplätze durchaus eine Herausforderung darstellten - was Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke unterstrich.

Die Aussagen der Kreistagsfraktionen fielen sehr unterschiedlich aus. Einig waren sie sich, die Bedenken und Ängste der Betroffenen ernst zu nehmen. Martin Joos (Freie Wähler) sprach der Verwaltung "ein Lob für die Initiative" aus. Er plädierte dafür - wie der Landrat - den Baumwipfelpfad "als Chance zu begreifen". Die FDP bewertete dies genauso: "Wir sehen es positiv, dass ein Investor kommt, der Erfahrung hat", meinte Tobias Hösch. Arnulf Wein (SPD) räumte zwar dem Aspekt Tourismus einen Stellenwert ein, pochte aber darauf, die Themen Landschaftsschutz- und Pflege, Bürgerbeteiligung und Transparenz nicht außer Acht zu lassen. Martina Zeller-Mühleis (Grüne) sah diese Gratwanderung ebenfalls und wollte sich gestern noch nicht festlegen: "Für uns ist das noch ein offener Prozess." Nicht einig ist sich offenbar die CDU-Fraktion: Der gebürtige Wiesensteiger Dieter Braun sieht das geplante Projekt in der Nähe des Reußensteins äußerst skeptisch, Fraktionschef Wolfgang Rapp hingegen "freut sich auf den Baumwipfelpfad", hat aber auch viele Fragen. Eines stellte Landrat Wolff schon gestern klar: "Es geht nicht um einen Rummelplatz und nicht um Halligalli, sondern um ein touristisches Angebot."

Info Mit dem geplanten Baumwipfelpfad beschäftigt sich am kommenden Montag auch der Arbeitskreis Göppingen des Landesnaturschutzverbands (LNV). Die öffentliche

Sitzung im Gasthaus "Lamm" in Schlat beginnt um 19.30 Uhr.

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