Nicht nur Bananen und Schokolade

Produkte mit Fair-Trade-Siegel gibt es nicht mehr nur im Weltladen. Man kann sie längst in zahlreichen Lebensmittelmärkten kaufen. Doch es gibt Unterschiede. Siegel ist nicht gleich Siegel.

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Im Göppinger Weltladen gibt es mehr als nur fair gehandelte Bananen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter wissen genau, woher die verschiedensten Produkte kommen und wie sie hergestellt wurden. Foto: Constantin Fetzer

Eigentlich freut es Eckhardt Stübler, den Vorsitzenden der Initiative Eine Welt, dass immer mehr Lebensmittelmärkte Waren mit einem Fair-Trade-Siegel anbieten - und diese nicht mehr nur im Weltladen, den der Verein betreibt, erhältlich sind . Diese Siegel zeigen, dass das Produkt fair gehandelt wurde - also dass zum Beispiel Kaffee- oder Kakaobohnenbauern faire Preise für ihre Produkte bekommen. Und es gibt weitere Kriterien, wie beispielsweise Arbeitsbedingungen, die Unternehmen einhalten müssen, um als "fair gehandelt" eingestuft zu werden. Und genau da steckt das Problem, bei dem Eckhardt Stübler durchaus auch ein weinendes Auge hat: "Die Produkte mancher Discounter tragen zwar ein Fair-Trade-Siegel, sind aber nur zu 20 Prozent tatsächlich aus fair gehandelten Rohstoffen erstellt." Das sei nach dem Verständnis der engagierten Mitarbeiter des Göppinger Weltladens nicht wirklich fair gehandelte Ware. "Einen komplett fair gehandelten Kaffee gibt es nicht", meint Stübler, dennoch sei die Messlatte im Weltladen eine andere.

Hier seien die Produkte jeweils zum überwiegenden Teil aus fair gehandelten Rohstoffen hergestellt. "Der Weltladen-Bundesverband hat hier entsprechende Kriterien aufgestellt", berichtet Stübler. Auch die Erzeugerbetriebe auf der ganzen Welt, die Händler und Unternehmer werden regelmäßig von den Weltladen-Experten kontrolliert und überwacht. "Es gibt zu vielen Erzeugern eine sehr enge Beziehung", sagt Eckhardt Stübler. Der Kunde, der im Weltladen einkauft, könne sich sicher sein, dass er ein wirklich fair gehandeltes Produkt erhält. Bananen seien so ein Beispiel, die neben Kaffee und Schokolade zu den beliebtesten Artikeln im Sortiment gehören. "Wir haben viele Kunden, die holen sich regelmäßig unsere Fair-Banana-Bananen", berichtet Stübler. Einmal in der Woche kommt eine Lieferung im Weltladen an.

Der Weltladen wird von einem Team mit rund 35 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betrieben. Anders wäre es wirtschaftlich nicht möglich, sagt Eckhardt Stübler. Der Verein habe nicht das Ziel, Gewinne zu erwirtschaften - der laufende Betrieb muss die Kosten decken, die zum Beispiel auch für das benachbarte "Globale Klassenzimmer" entstehen. Hier sind mindestens zweimal in der Woche Schulklassen zu Gast, die sich über die Arbeit des Weltladens und die Situation der Kaffeebauern in der Welt informieren. "Wir wollen hier den Kindern zeigen, wie die Situation in anderen Ländern ist", sagt Stübler. Man wolle den Kindern zeigen, wo die Produkte des täglichen Lebens herkommen und unter welchen widrigen Bedingungen diese oft in der konventionellen Produktion hergestellt werden. Mit viel Chemie, oftmals Kinderarbeit und Familien, die an Überlebensgrenzen arbeiten müssen. "Wir wollen genau diese Probleme aufzeigen und den Kinden so darstellen, dass manche Produkte ihren Preis haben müssen, bis sie bei uns in Deutschland verkauft werden können."

Der rührige Vereinsvorsitzende weiß, wovon er spricht. Als er noch im Berufsleben stand, habe er viel mit Einkäufern in der Lebensmittelbranche zu tun gehabt, die nicht danach geschaut haben, wo die Produkte herkommen oder wie sie hergestellt wurden. Der Preisdruck für die Hersteller sei enorm - darum seien die Fair-Trade-Siegel gerade bei Discountern für ihn sehr umstritten. "Ich möchte das alles nicht verurteilen - auch Discounter haben ihre Berechtigung, schließlich kann sich nicht jeder die etwas höheren, fair gehandelten Preise leisten", weiß auch Eckhard Stübler. Die Kunden, die im Weltladen kaufen, machen dies bewusst, weil sie die fair gehandelten Produkte unterstützen wollen.

Im Göppinger Weltladen gibt es aber mehr als Schokolade, Bananen und Kaffee. Auch Kleidung, Taschen und andere Accessoires, die ebenfalls aus Fair-Trade-Programmen stammen, sind hier erhältlich. "Wir haben eine sehr unterschiedliche Käuferschicht", sagt Stübler - alle Generationen sind dabei und auch Kunden aus jeder Einkommensschicht. Und die informieren sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Weltladen durchaus genau, woher die einzelnen Produkte stammen. "Unser Team schult sich regelmäßig - jeder soll zu den Produkten Informationen geben können", sagt Stübler. Denn die Fair-Trade-Artikel seien oft erklärungsbedürftig, wenn Kunden zum Beispiel nachfragen, woher Taschen, Lebensmittel, Kunst und Co. kommen.

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