Neuer Streit über Fällaktionen

Die Entscheidung über Grünflächen und Parkplätze bei der Göppinger Stadthalle geriet zur Grundsatzdebatte über Stadtbäume. Der Baubürgermeister widersprach dem Vorwurf, es werde unnötig viel abgeholzt.

|
Die Bäume an der Lutherstraße bei der Göppinger Stadthalle haben wenig Platz und sind zum Teil angegriffen. Deshalb sollen die Baumquartiere vergrößert - und zwei Bäume entfernt werden. Das führte im Gemeinderat zu einer kontroversen Diskssionen über Fällaktionen.  Foto: 

Einige der Vorschläge der Göppinger Stadtverwaltung zur Aufwertung des Stadthallenparks waren bei den Stadträten in der jüngsten Sitzung völlig unstrittig. Andere provozierten Widerspruch. Die Neuordnung der Baumallee in der Lutherstraße geriet so zum Zankapfel. Umstritten war das Entfernen von vier Parkplätzen zugunsten größerer Baumquartiere, wie es die Stadt vorgeschlagen hatte. Richtig kontrovers wurde das Fällen von zwei ohnehin angeschlagenen Bäumen diskutiert.

Die Debatte wuchs sich zur einstündigen Grundsatzdiskussion über Fällaktionen an anderen Stellen in der Stadt aus. Schließlich soll auch vor der Kunsthalle (vier Bäume) und auf dem Bahnhofsvorplatz (acht Bäume) die Kettensäge zum Einsatz kommen. Christian Stähle (Linke) witterte eine "Göppinger Krankheit" und beantragte, eine "Baum-Troika" ins Leben zu rufen: ein dreiköpfiges Expertengremium, das sich die Bäume vor dem Fällen anschauen soll.

Baubürgermeister Helmut Renftle erwiderte die verbale Attacke mit Zahlen und Fakten: Es gebe in Göppingen 11 880 Bäume entlang von Straßen, auf öffentlichen Plätzen und in den Grünanlagen der Stadt. Jährlich kommen 70 bis 100 Bäume hinzu, sagte Renftle. Es sei zwar "zweifelsohne um jeden gefällten Baum schade", die Stadt mache es sich aber nicht leicht und fälle nur dann, wenn es die Verkehrssicherheit erfordere oder wenn anschließend für die Bürger ein Mehrwert entstehe - wie am Bahnhof und bei der Kunsthalle. Am Schlossplatz beispielsweise seien drei Kastanien abgesägt worden, die laut Gutachten völlig morsch waren und die Umgestaltung ohnehin nicht überlebt hätten. Der stattliche Baum am Pfarrgärtle bleibe stehen, vier neue Bäume kommen auf dem Platz hinzu, erklärte Renftle.

In der Neuen Mitte seien zwar acht Kastanien gefällt, im Gegenzug aber 63 neue Bäume gesetzt worden, rechnete Renftle vor, und wehrte sich dagegen, dass in der Stadt leichtfertig abgeholzt werde. Rückendeckung bekam der Baubürgermeister von anderen Fraktionen. Felix Gerber (CDU) verwies darauf, der Marktplatz wäre als kulturelles Zentrum, das er heute ist, nicht denkbar, wenn damals nicht die Kastanien gefällt worden wären. Klaus Wiesenborn (SPD) vertraute auf den Sachverstand im Amt für Grünordnung. Mit dem Vorschlag für eine Baum-Troika fand die Lipi-Fraktion kaum Mitstreiter.

Schließlich schloss sich die überwiegende Mehrheit auch dem Argument an, dass die Baume in der Lutherstraße nur gerettet werden könnten, wenn sie größere Standflächen und mehr Platz bekommen.

Den weiteren Vorschlag, auf der Parkwiese ein Spielgerät und Sitzsteine für Kinder zu platzieren, fand unter anderem Dr. Klaus Fischer (CDU) gar nicht gut. Jede Möblierung entwerte den Stadthallenpark, fand er. Andere Lokalpolitiker wie Stefan Horn (FWG) waren hingegen "froh um jedes neue Spielgerät". Deutliche Mehrheiten gab es am Ende für die neuen Spielgeräte, eine barrierefreie Treppenanlage und für das Absenken der Wassertiefe in einem der großen Springbrunnenbecken im Stadthallenpark.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ärger über wildes Parken in der Hauptstraße

In Göppingen wächst der Unmut über das Parkchaos in der Hauptstraße. Der Ruf nach einem härteren Durchgreifen gegen Parksünder wird lauter. weiter lesen