Neue Station im Christophsbad bietet nicht nur Eltern Hilfe

Im Göppinger Christophsbad werden in einer neuen Eltern-Kind-Station psychisch kranke Familien umfassend betreut. Denn Kinder leiden unter der Krankheit der Eltern.

|
Arbeiten mit den psychisch Kranken auf der Eltern-Kind-Station: Professorin Isa Sammet und Dr. Markus Löble.  Foto: 

Seit dem 3. Juli gibt es im neuen Gebäude der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Göppinger Christophsbads (CB) eine von ganz wenigen Eltern-Kind-Stationen im Land Baden-Württemberg. Bis zu acht Eltern-Kind-Paare können auf einem Stockwerk, auf dem sich die kinderpsychiatrische Tagesklinik und die psychosomatische Station für Erwachsene befindet, aufgenommen und gemeinsam behandelt werden. Zur Konzeption dieser neuen Einrichtung befragte Annerose Fischer-Bucher die beiden verantwortlichen Chefärzte, Professorin Dr. Isa Sammet (für Erwachsene) und Dr. med. Markus Löble (für Kinder).

Warum haben Sie im Christophsbad (CB) eine neue Eltern-Kind-Station eingerichtet?

Isa Sammet: Wenn ein erwachsener Elternteil psychisch erkrankt, ist immer das ganze Familiensystem davon betroffen, also auch die Kinder. Auf unserer neuen Station können beide gleichzeitig behandelt werden und werden nicht auseinandergerissen.

Was ist das Besondere an dieser Station?

Markus Löble: Tagsüber wird von Fachkräften die Mutter oder der Vater auf einer Station getrennt behandelt und auf einer anderen Station auf demselben Stockwerk das betroffene Kind. Abends kann dann gemeinsam von beiden unter Betreuung durch den Pflege- und Erziehungsdienst das Erreichte eingeübt werden. Es gibt zudem gemeinsame Therapieeinheiten sowie regelmäßig Paar- und Familiengespräche.

Welche Konzeption steckt dahinter?

Sammet: Wenn Eltern psychisch krank werden, können sie nicht mehr für das Kind sorgen, obwohl sie das wollen. Dann werden auch die Kinder krank. Die Verzweiflung der Eltern, die sich deswegen Vorwürfe machen, wird dadurch verstärkt. Wir wissen heute, dass bei einer ganz frühzeitigen Prävention dieser ungünstige Teufelskreis verhindert werden kann. Deswegen nehmen wir beide Teile auf, den Erwachsenen und das Kind im Alter zwischen vier und zehn Jahren, was es sonst nirgends im Land gibt.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Löble: Wir können durch Diagnostik, Therapie und sofortiges tägliches Einüben des Erreichten Bedingungen schaffen, dass die Menschen ihr Leben selbst in die Hand nehmen können. Es ist eine Hilfe zur Selbsthilfe. In einem umfassenden ganzheitlichen Ansatz bieten wir maximale Kompetenz durch einen Kinderarzt, eine Psychiaterin und eine Fachärztin für Psychosomatik.

Wovon profitieren die Patienten hier am meisten?

Sammet/Löble: Der Charme besteht in einem extrem flexiblen und individuellen Setting. Wir ­haben alles in einem Haus, die Kinderstation und die Jugend- und Krisenstation. Und wir schaffen ein gesundheitsförderndes Milieu zum Beispiel durch erlebnispädagogische Angebote für Kinder oder durch die Orientierung an Naturheilverfahren. Im Erwachsenenbereich steht die Entstehung der psychischen Erkrankung und die Auswirkung auf das Familiensystem im Vordergrund.

Worin besteht die Einmaligkeit Ihres Angebots?

Löble: Wir nehmen immer beide auf, einen Elternteil und das Kind, wenn beide psychisch krank sind – das ist einmalig. Kein Elternteil muss sich schämen, psychisch krank zu sein, und auch das Kind muss sich nicht schämen und darf lernen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Isa Sammet ist Chefärztin für Psychosomatische Medizin und Fachpsychotherapie sowie Fachärztin für Psychiatrie im Göppinger Christophsbad. Sie hat außerdem eine Professur für Psychotherapieforschung an der Universität Salzburg.

Markus Löble ist Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie sowie Facharzt für Naturheilverfahren und Suchtmedizin am Christophsbad.

Termine gibt’s auf der Homepage www.christophsbad.de sowie bei Prof. Sammet, Tel. (07161) 601-9468, e-mail: bettina.clement@christophsbad.de, pia-kjpp@christophsbad.de

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ära Herwig endet, Osiander beginnt

Im April gab Till Herwig bekannt, seine gleichnamige Buchhandlung an Osiander aus Tübingen verkaufen zu wollen. Nun ist es soweit: Morgen hat Herwig zum letzten Mal geöffnet. weiter lesen