Nervenkitzel in der Tiefe

Mit " Nachthall" hat Udo Wieczorek seinen ersten Krimi veröffentlicht. Der in Thalfingen lebende Autor dringt in die Tiefen der Karsthöhlen der Alb und der neueren deutschen Geschichte vor.

|

Blaubeuren, Ende der 70er Jahre. Die Geologiestudentin Doris Ehrnsteiner träumt mit ihren Kollegen von der "Interessengemeinschaft Karst und Höhle" davon, das Höhlensystem, das den Blautopf speist, für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie haben vom Blaubeurer Bürgermeister auch die Genehmigung für eine Erkundungsgrabung bekommen. Doch plötzlich wird alles von höherer Stelle verboten.

Was die Hobby-Forscher nicht ahnen: Der Blaubeurer Zementmagnat Maximilian Ströttner hat seine Beziehungen zur Landespolitik spielen lassen. Denn in der Nachbarschaft dieser Probegrabung wurden im April 1945 in der Tiefe Dinge deponiert, die nie wieder das Tageslicht erblicken dürfen. Was Ströttner und seine Nazi-Kumpane, der Ortspolizist Krübe und der SS-Offizier Gramer, der es unter seinem neuen Namen Grameiser bis zum baden-württembergischen Wirtschaftsminister gebracht hat, aber nicht wissen: Sie wurden damals beobachtet. Als einer dieser Zeugen versucht, Ströttner zu erpressen, tötet der ihn, lässt den Mord wie einen Herzinfarkt aussehen.

Nur: Es gibt noch einen weiteren Zeugen. Und die Höhlenforscher finden ein Grundstück, auf dem sie, von der Öffentlichkeit unbemerkt, ihre Probegrabungen vorantreiben können. . . Das ist die Ausgangslage von Udo Wieczoreks Krimi-Debüt "Nachthall", das im Meßkircher Gmeiner-Verlag erschienen ist, wo auch Manfred Bomm seine Häberle-Krimis veröffentlicht.

Natürlich ist die Geschichte reine Fiktion, trotzdem gebe es reale Elemente in seinem Roman, wie der 44-jährige Autor erklärt. Denn im Buch wird auch beschrieben, wie Doris Ehrensteiners Vater, der Schüler in einer Napola, einer Nationalpolitischen Lehranstalt, gewesen war, in den letzten Kriegswochen ins heimische Blaubeuren zurückkehrt. "Mein Onkel war tatsächlich in einer solchen Napola und erzählte mir immer, wie es war, wieder nach Hause zu kommen. Das wollte ich mal aufschreiben."

Wieczorek recherchierte über die letzten Wochen des Krieges, stieß dabei auf Geheimaktionen, in denen die Nazis chemische Kampfstoffe, Waffen und Edelmetalle auf die Seite schafften. Das verband der Autor mit der Erzählung seines Onkels. Etwas später stieg Wieczorek in die Höhlenforschung ein, wurde Mitglied der Arge Grabenstetten - auch deshalb, weil er mit seinem Opa in seiner Kindheit viele Streifzüge durch Blaubeuren gemacht hatte, dabei die Höhlen und die Bahntunnel des dortigen Steinbruchs kennenlernte. Als im Steinbruch ein Bagger in einen bislang unbekannten Tunnel einbrach, kam eines zum anderen. Unbekannte Tunnel? Die könnten auch als Verstecke dienen. Wieczorek bastelte sich daraus seinen spannenden Krimiplot.

Damit haben sich die realen Bezüge aber auch schon weitgehend erschöpft. Denn Wieczorek hat die Geografie Blaubeurens höchst freihändig verändert, etwa den Steinbruch aus Gerhausen einfach in die Nähe des Blautopfs gerückt.

Zwei Personen der Romanhandlung haben freilich reale Vorbilder: Fritz Cruner, einer der Höhlenforscher, heißt im richtigen Leben Christoph Gruner und war Vorsitzender der Arge Grabenstetten. Und einen Kommissar Markus Ruckgaber gibt es tatsächlich in Ulm, allerdings schreibt sich der echte etwas anders als Wieczoreks Roman-Held.

Und wie geht's nach dem Debüt weiter? Eigentlich gar nicht. Zwar hat Wieczorek schon einen zweiten Krimi im Auge, der soll die Geschichte mit dem in den letzten Wochen des Krieges verschwundenen Güterwaggon aber nicht fortschreiben. Der Thalfinger Autor schildert darin vielmehr, wie es zu den mysteriösen Vorgängen im Jahr 1945 kam, die dann in "Nachthall" aufgeklärt werden - analog zur Episode eins der Star-Wars-Reihe. Klingt auch spannend.

Der Autor und sein erster Krimi

Autor Udo Wieczorek (44) wurde in Ulm geboren, wuchs in Thalfingen auf, kennt Blaubeuren von seinen Spaziergängen, die er als Bub mit seinem Großvater dort unternahm. Der Vater zweier Kinder ist im Brotberuf Wirtschaftsprüfer beim Finanzamt Neu-Ulm. In seiner Freizeit ist er auch als Höhlenforscher bei der Arge Grabenstetten aktiv.

Buch "Nachthall" ist als Paperback im Februar im Gmeiner Verlag erschienen; 501 Seiten, 12,99 Euro.

ISBN 978-3-8392-1702-3

SWP

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Volksbank Göppingen steht vor Fusion

Die Göppinger Volksbank steht vor der Fusion mit der Volksbank Stuttgart. Die Mitarbeiter beider Geldinstitute wurden bereits informiert. weiter lesen