Nazi-Demo: Harsche Kritik an Äußerungen der CDU

Harsche Reaktionen hat eine Pressemitteilung der CDU-Landtagsabgeordneten Nicole Razavi hervorgerufen. Sie hatte linke Demonstranten kritisiert.

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In einer Pressemitteilung hatte sich CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi kritisch zu den Vorfällen bei der Gegendemonstrationen gegen den Naziaufmarsch am 6. Oktober in Göppingen geäußert. Prompt gab es Reaktionen. "Frau Razavi schießt ohne Faktenkenntnis auf falsche Ziele", meint Roland Sauter, Vorsitzender der Jungsozialisten (Jusos) im Kreis Göppingen in einer Pressemitteilung. Die genehmigte Demonstration vom Bündnis "Kreis Göppingen Nazifrei" sei vollkommen friedlich verlaufen. Ausschreitungen und Gewalt an anderer Stelle seien von allen Beteiligten des Bündnisses scharf verurteilt worden.

"Das spricht Bände über Frau Razavis Kenntnisse zu den Hintergründen, was den Naziaufmarsch und die Gegendemonstrationen betrifft", teilt auch der stellvertretende Juso-Kreisvorsitzende Lukas Kurz mit. "Frau Razavi kann offenbar friedliche Demonstranten nicht von Krawallmachern unterscheiden. Das wundert nicht, wenn man weiß, dass sich die Volksvertreter der CDU nie persönlich bei den Aktionen des Bündnisses gegen Nazis haben blicken lassen. Frau Razavi muss ihre ideologischen Schützengräben verlassen und darf mit ihren Aussagen keine demokratischen, friedlichen und legitimen Aktionen, die von weiten Teilen der Bevölkerung und sogar kirchlichen Vertretern wie Dekan Rolf Ulmer mitgetragen werden, verleumden."

Zudem meldet sich SPD-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Sascha Binder zu Wort: "Die Kreis-CDU versucht auf dem Rücken der Polizei gegen ihre politischen Gegner zu polemisieren und lässt sich dabei auch nicht von den tatsächlichen Vorgängen vor Ort beirren." Und Susanne Brecht, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Göppingen, ergänzt in einer Pressemitteilung: "Eine Partei, die erst nach Wochen die in rechtsnationalen Kreisen hoch gelobte ,Eislinger Erklärung zurückzieht, sollte mit ideologischen Vorwürfen an den politischen Gegner ohnehin vorsichtiger sein." Ein Blick auf die Presseberichte direkt nach der besagten Demo liefere ein etwas anderes Bild, als das, welches die CDU nun fast einen Monat nach den Ereignissen zeichnen wolle.

Auch die Linken gaben am Mittwoch eine Pressemitteilung zu den Äußerungen der Kreis-CDU ab. Darin heißt es unter anderem: "Frau Razavi und ihre Kreis-CDU handeln mit ungerechtfertigter, peinlicher ,Kraftmeierei." Die Linke sei empört und zugleich bestürzt über die Presseerklärung der CDU. Dort werde in unverantwortlicher Weise das Lager der Demokraten gespalten und demokratischer Anstand mit Füßen getreten. Das sei Wasser auf die Mühlen der Nazis.

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Kommentare

03.11.2012 16:59 Uhr

Warum nicht schon lange?

So, so, die Göppinger schaffen es auch alleine?
Schade dass die "christlich demokratischen Rechten" Göppinger so lange gebraucht haben, ihren Arsch vom Ratstisch wegzuheben, so dass die Rechten vom Extremen Flügel die Veranstaltung in Göppingen schon als Tradition betrachten konnten.
Traurig auch, dass selbst heute noch keine Einsicht bei der Till'schen Stadtverwaltung und der Union herrscht, dass anstatt der Kriminalisierung der Antifa und der Gruppen des ganz linken Spektrums, eine frühzeitige Zusammenarbeit der verschiedenen Bündnisse für ein gemeinsames Ziel fruchtbarer für unsere Demokratie gewessen wäre.
Doch ein bisschen Mut zu zivilem Ungehorsam ( Keine Steine und Flaschen, sondern gutorganisierte Blockaden der Demoroute ohne körperliche Gewalt gegenüber den Polizeibeamten, die nun einmal berufsbedingt das Gewaltmonopol haben) ist von den konservativen Kräften in GP anscheinend zuviel verlangt.
Persönliches Engagement und Zivilcourage passt halt besser in Sonntagsreden.

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02.11.2012 16:58 Uhr

Hat schon jemand bemerkt

das die Linken und Sozen auch mal gegen "Ihre" linken Störer, oder besser gesagt Krawallmacher, vorgehen?

Sich hinterher im klimatisierten Büro vom Schreibtisch aus zu "empören" und "scharf verurteilen" ist eine Sache. WÄHREND der Demo sich auch den Linken Sachbeschädigern und Körperverletzern entgegen zu stellen und zu zeigen so nicht, ist eine andere Sache.

Aber man wird den Gedanken nicht los, das die vermummten Linken gar nicht so unwillkommen sind, egal ob in Berlin Hamburg Göppingen oder wo auch immer die Linken und Sozen was zu Demonstrieren haben. Ich hab noch keinen außer der Polizei gesehen, der sich denen in den Weg stellt.

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02.11.2012 11:41 Uhr

Naziaufmarsch am 6.10.2012

Es ist schon stellenweise richtig dass Kaoten und Linke für völlig unnötigen Streß bei der Polizei sorgten. Diese Polizeikräfte wären bei ernsthaften Auseinandersetzungen mit Rechtsradikalen und friedlichen Gegnern verloren gewesen.
Es ist auch kein Forum für Suffköpfe, um sich im Rausch morgens um 11.30 wichtig zu machen.
Ich war auf den Kundgebungen dabei und kann das beurteilen. Das nächste Mal muß man sich als nfriedliche Gegner auch um die " Linken " kümmern, damit das alles friedlich abläuft.
Für friedlich hielt ich das Ganze nicht, aber nicht wegen den Neonazies sondern wegen den Idioten aus der linken Szene. Die Neonazies hatten doch die Hosen gestrichen voll, und das ist gut so in Göppingen.
Die Bürger schaffen das auch ohne angereiste Kaoten und Wichtigmacher.

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