Nachvermittlung: Viele Lehrstellen sind frei geblieben

Das Ausbildungsjahr ist im Landkreis unter so guten Vorzeichen gestartet wie lange nicht. Noch sind 150 Ausbildungsstellen unbesetzt. Eine Aktion in der Agentur für Arbeit richtete sich an jugendliche Nachzügler.

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Auch einige Wochen nach Beginn des Ausbildungsjahres beraten Kerstin Krüger (links) von der Arbeitsagentur und Daniela Sommer von der IHK noch Jugendliche. Die Chancen auf eine Last-Minute-Ausbildung stehen in diesem Jahr gut.  Foto: 

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist vorzüglich - zumindest für die jungen Menschen, die jetzt noch immer eine Lehrstelle suchen. Obwohl das Ausbildungsjahr bereits begonnen hat, verzeichnen die Agentur für Arbeit und IHK noch 150 freie Ausbildungsstellen im Landkreis - in der ganzen Region sind es noch bis zu 1800. Dem stehen im Kreis Göppingen nur etwa 60 junge Leute gegenüber, die noch keinen Platz haben. Für sie haben die Arbeitsagentur und die IHK jetzt eine "Nachvermittlungsaktion" organisiert. Die Jugendlichen wurden angeschrieben und zu Beratungsgesprächen eingeladen. Zwölf Berufsberater der Agentur und drei Experten der IHK waren im Einsatz.

Noch ist es nicht zu spät. "So gut wie dieses Jahr war der Ausbildungsmarkt schon sehr lange nicht mehr", bestätigt Volker Seitz, Teamleiter Berufsberatung bei der Arbeitsagentur. Vor allem im Hotel- und Gaststättenbereich, bei Bäckern und Metzgern und im Einzelhandel, aber auch in Handwerksbetrieben und sozialen Berufen sind viele Lehrstellen frei geblieben. "Das Spektrum ist aber breiter als in den vergangenen Jahren", sagt Volker Seitz.

Berater müssen Überzeugungsarbeit leisten

Dennoch müssen die Berater immer noch in vielen Fällen Überzeugungsarbeit leisten. Viele Jugendliche wollen partout nicht von ihrem Traumberuf lassen - obwohl sie die Voraussetzungen nicht erfüllen und in anderen Branchen die Chancen viel größer sind. Außerdem können sich viele junge Menschen nicht für einen Beruf entscheiden - und besuchen erst einmal eine weiterführende Schule, obwohl das ihre Chancen oft nicht erhöht.

Diese Beobachtung bestätigt auch Hanspeter Erne, Leiter der Berufsbildung bei der Göppinger IHK. Aus seiner Sicht, drängen zu viele junge Menschen an weiterführende Schulen, obwohl sie eine vielversprechende Ausbildungsstelle an der Hand haben. Das kann Erne nicht recht verstehen. "Wer weiß, ob man in den kommenden Jahren so leicht einen attraktiven Ausbildungsplatz findet wie jetzt."

Eine weitere Gruppe, an die sich die Nachvermittlung richtete, sind Jugendliche, die eine Ausbildung bisher ganz abgelehnt hatten und lieber als Ungelernte jobben gegangen sind. Sie können auf den letzten Drücker auf den Ausbildungszug aufspringen, bevor sie in der Berufschule viel versäumt haben.

Aus der Sicht der IHK ist die Situation für die Betriebe eher unbefriedigend. In manchen Branchen kann die Azubi-Knappheit zu einem echten Problem werden, glaubt Hanspeter Erne. Die Zahl der Schulabgänger geht in Baden-Württemberg bis 2030 um ein Viertel zurück, bei den Absolventen von Haupt- und Realschulen - die also für eine Ausbildung im dualen System in Frage kommen - beträgt der Rückgang voraussichtlich sogar ein Drittel. IHK und Arbeitsagentur ziehen an einem Strang, um das Problem zu lösen. Erste Erfolge gibt es auch. Noch in den Kinderschuhen stecken aber die Bemühungen, aus strukturschwachen Gebieten in Deutschland Azubis anzuwerben. Sprachprobleme verhindern meist, dass Lehrlinge aus Nachbarländern kommen können - obwohl beispielsweise in Frankreich und Spanien zum Teil horrende Quoten von Jugendarbeitslosigkeit herrschen.

Die Service-Nummer der Arbeitsagentur: 01801 555 111

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