Nach ADAC-Krise verzeichnet ACE große Nachfrage

Nachdem der ADAC stark in Kritik geraten ist, häufen sich die Nachfragen bei der kleineren Konkurrenz, dem Autoclub Europa. Der Landesvorsitzende Harald Kraus beschreibt die Unterschiede beider Clubs.

|
"Eine Mitgliedersperre haben wir nicht" - Von der Krise des ADAC profitiert der Automobilclub Europa, berichtet der Vorsitzende Harald Kraus.  Foto: 

Herr Kraus, der ADAC ist in Schwierigkeiten geraten. Fast täglich werden neue Ungereimtheiten bekannt. Profitiert der Autoclub Europa von den Problemen des Konkurrenten?

HARALD KRAUS: Das Interesse an einer Mitgliedschaft am ACE ist gestiegen. Die Leute, die beim ADAC gekündigt haben oder es noch wollen, haben sich zum Teil bei uns gemeldet und wollten sich informieren.

Somit steigt die Zahl der ACE-Mitglieder stark?

KRAUS: So schnell geht das nicht. Beim ADAC kann man nur mit einer Frist kündigen. So dass es keine Schnellwechsler gibt. Das ist nur mittelfristig wirksam. Es gibt aber viele Anfragen.

Haben Sie da einen direkten Überblick?

KRAUS: Als ACE-Vorsitzender bin ich nicht direkt beteiligt. Die Leute wenden sich an die Zentrale in Stuttgart. Von dort weiß ich, dass die Zahl der Anrufe an den Info-Service ein Stück weit explodiert ist.

Haben Sie auch konkrete Zahlen?

KRAUS: Normalerweise haben wir eine Quote von 70 Prozent aller Anrufe, die direkt durchkommen. In den vergangenen Wochen ist die Quote vorübergehend auf elf Prozent gesunken. Der Berg an Anfragen wurde aber inzwischen abgearbeitet. Wie viele neue Mitglieder daraus erwachsen werden, lässt sich noch nicht sagen.

Freut sich der ACE über die Probleme des großen Konkurrenten ADAC?

KRAUS: Der ACE sieht das sportlich und will die Malaise des ADAC nicht schamlos ausnutzen. Doch eine Mitgliedersperre haben wir nicht, wer sich bei uns besser aufgehoben fühlt, ist herzlich willkommen. Es gibt keine Häme oder Schadenfreude. Meine große Sorge war, dass wir mit in Sippenhaft genommen werden. Ich befürchtete, dass die Leute denken, alle Automobilclubs seien gleich.

Was unterscheidet den ACE vom ADAC?

KRAUS: Wir sind viel kleiner, haben etwa 580.000 Mitglieder. Bei uns ist die Mitgliederbeteiligung ganz anders als beim ADAC. Der ACE ist sehr mitgliederfreundlich gegliedert: Kreisclub, Region, Bundesebene. Und alles demokratisch legitimiert. In unserem Kreis-Club kann im Übrigen jeder direkt mitwirken. Das ehrenamtliche Engagement ist auch bei uns noch entwicklungsbedürftig. Wir freuen uns über jeden, der mitmacht.

Hat der ADAC abgehoben?

KRAUS: Aufgrund seiner schieren Größe hat der ADAC in den letzten Jahren eine Selbstgefälligkeit entwickelt. Auch eine gewisse Arroganz der Macht. Der ADAC ist jetzt mehr Konzern als Autoclub.

Und das kann dem ACE nicht passieren?

KRAUS: Wir sehen uns davor gefeit. Das ist schon ein Größenproblem. Bei uns ist alles relativ transparent.

Haben Sie bei Ihren Aktionen gegen Schlaglöcher und hohe Benzinpreise auch schon mal Zahlen frisiert?

KRAUS: Nein, die Schlaglochzentrale, die ich ehrenamtlich betreue, ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Ich kann anhand der Rückmeldungen nachweisen, dass rund 70 Prozent aller gemeldeten Schäden aufgrund unserer Initiative behoben worden sind. Das ist einer unserer wirksamen Beiträge zur Verkehrssicherheit. Allerdings besteht auf Deutschlands Straßen nach wie vor ein erheblicher Sanierungsbedarf.

Und die Preisvergleiche?

KRAUS: Den Preisvergleich haben wir eingestellt, seit es die Meldestelle für die Spritpreise am Bundeskartellamt gibt. Da kann jetzt jeder übers Internet die Preise abfragen. Aber auch da haben wir immer sauber gearbeitet. Da gabs nichts zu manipulieren.

Zur Person vom 5. Februar 2014
Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Mauscheleien beim Gelben Engel

Der Skandal um die Wahl des "Lieblingsauto der Deutschen" hat den ADAC in eine schwere Krise gebracht. Immer neue Mauscheleien werden öffentlich.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Prozess: IS-Sympathisant will Kalaschnikow kaufen

24-Jähriger will Sturmgewehr im Darknet kaufen und gerät an einen BKA-Beamten. Er hat Sympathien für Reichsbürger, den IS und die Black Jackets. weiter lesen