Nabu-Vorsitzender Wolfgang Rapp ist mit 70 noch aktiv

Wolfgang Rapp ist 70 Jahre alt geworden und immer noch aktiv. Er schreibt Bücher, organisiert Seminare und wünscht sich urteilsfähige Bürger, die sich fürs Gemeinwohl verantwortlich fühlen.

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Konnte jetzt seinen 70. Geburtstag feiern: Wolfgang Rapp, der im Göppinger Stadtteil Hohenstaufen wohnt.  Foto: 

Im Dorfgemeinschaftshaus in Maitis hat Wolfgang Rapp, der in Hohenstaufen wohnt, mit seiner Frau, den vier Kindern, Enkeln und Freunden unlängst seinen 70. Geburtstag mit vielen Liedern gefeiert, die die Gäste zuvor zugeschickt bekommen hatten und singen mussten. "Ich erwarte Textsicherheit und eingesungene Sänger", soll der Jubilar zu den Gästen gesagt haben. Der sechsjährige Enkel hat ein Quiz über den Opa gemacht und durfte den Gabentisch verwalten: "Aber Opa, da muss mir noch jemand assistieren."

Geboren wurde Rapp in Nürtingen, in Oberensingen ist er aufgewachsen. Diesem Ort fühlt er sich heute noch verbunden - er hat über das Dorf eine Heimatgeschichte geschrieben, ebenso wie über Hohenstaufen. Im Kreis Göppingen ist Dr. Wolfgang Rapp durch seine Tätigkeit von 1978 bis 2008 als Leiter der Göppinger Volkshochschule und als Vorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) Göppingen angesehen. Als Vorsitzender des Freundeskreises des ehemaligen Bundesministers Erhard Eppler und durch seine 50-jährige Mitgliedschaft und sein Engagement für die SPD ist er zudem über die Kreisgrenzen hinaus bekannt.

Rapp sagt, er sei über Fritz Erler im Alter von 20 Jahren zur SPD gekommen - mit dem er sich als Studentenvertreter und CVJM-Mitglied gestritten habe. Erler und Eppler hätten ihn durch ihre Glaubwürdigkeit, aber auch durch die Themen beeindruckt. So sei es damals darum gegangen, mit Osteuropa ins Gespräch zu kommen und Wege für einen Abbau der Konfrontation zu suchen. "Als Sprecher der Studentengemeinde habe ich Eppler in der Entwicklungspolitik stark angegriffen und er hat sich damals über uns mächtig aufgeregt", sagt Rapp. Auch aus dem gemeinsamen Interesse für den Naturschutz sei es nur folgerichtig, dass die Verbindung zu Eppler bis heute nicht nur in persönlicher, sondern auch in politischer Weise bestehe. "Ich bin mit ihm einig, dass das Wachstum im Grunde unsere Lebensbasis zerstört und wir uns fragen müssen, was soll wachsen und was soll nicht wachsen."

Wolfgang Rapp hat nach Volksschule und einer Schlosserlehre am Aufbau-Gymnasium Michelbach sein Abitur gemacht, dann an der PH Reutlingen studiert und später in Sozialwissenschaften promoviert. Über verschiedene Stationen wie Tübingen und Sulz am Neckar kam er dann nach Göppingen, wo er sich erfolgreich um die Stelle des VHS-Leiters bewarb. "Ich habe als Schüler in Michelbach immer mit dem Gönne (gemeint ist der ehemalige Staatsrat Wolfgang Gönnenwein) rumgehändelt, der als Musikstar aus Stuttgart bei uns immer hat unangesagte Klassenarbeiten schreiben lassen. Wir haben uns aber geweigert, was damals ungewöhnlich war."

Für die VHS, die damals noch relativ klein war, hat er die Chance genutzt, neue Fachbereiche zu entwickeln und sie mit Reihen über Politik, Gesundheit und Allgemeinbildung mit namhaften Referenten wie Eschenburg, Hamm-Brücher, Gerstenmaier oder den ehemaligen bayrischen Kultusminister Hans Maier, mit dem er heute noch Kontakt hat, über die Kreisgrenzen hinaus bekannt zu machen. Zukunftsmodelle seien vorgestellt worden, beispielsweise mit Spitzenvertretern der Wirtschaft, die meistens sogar aufs Honorar verzichtet hätten.

Rapp wandert gerne, und so lädt er immer wieder zu seinen Geburtstagen Freunde und Weggefährten zu politischen Wanderungen ein. Er organisiert Tagungen zu Fragen der demokratischen Kultur, Ökologie und zur Entwicklungspolitik, denn diese Themen sind ihm sehr wichtig. Und er engagiert sich für den Naturschutz. Schon als achtjähriger Junge hat er einen kleinen Waldkauz mit dem Namen Arco, den er mit seinen Freunden im Wald gefunden hatte, aufgepäppelt.

Zuhause in Hohenstaufen züchtet er seit seiner Kindheit immer noch Hasen: "Vier Häsinnen und zwei Rammler. Wenn die Junge bekommen, behalte ich immer ein bis zwei, die anderen verschenke ich", sagt er stolz.

Fragt man ihn, was er sich wünsche, antwortet Rapp: "Demokratie ist angewiesen auf den urteilsfähigen Bürger, der sich auch weiterbildet, ein fundiertes Urteil erarbeitet und sich fürs Gemeinwohl verantwortlich fühlt. Das möchte ich befördern. Und ich möchte die heimische Natur schützen und bewahren, wo es noch geht."

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