Musikalischer Sommernachtstraum

Nicht wenige wunderten sich, doch nach der Festival-Eröffnung in der Bürenhalle spielte der Veranstalter am Sonntag wettertechnisch auf Risiko – und gewann.

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Für die Zuhörer beim Open-Air-Konzert auf Schloss Filseck war der Auftritt des Gesangsquartetts „Les Brünettes“ mit Juliette Brousset, Filippa Gojo, Julia Pellegrini und Julia Herbolzheimer ein Traum. Für viele ehrenamtliche Mitarbeiter wurde es nach der letzten Note fast zum Albtraum, denn da fing der Regen an, aber wie . . .

Doch das Risiko hat sich gelohnt! Wie im Traum mischten sich die Farben der heraufziehenden Dämmerung über dem Innenhof des Schlosses: Mehr und mehr setzte sich die schwarze Nacht durch, dann übernahmen die Bühnenscheinwerfer die Initiative. Diese eigenartige Atmosphäre nahmen die Künstlerinnen auf und brachten den offenen Raum zum Klingen. Dabei gingen sie stets aufs Ganze: Sie warfen alles an stimmlichem Potenzial in die Waagschale – sie „soulten, scatteten und beschworen“, wie es im Programmheft angekündigt war. Sie reagierten auf Ort, Menschen, das Wetter, einmal sogar mit drohendem Finger zu einem „frechen“ Flugzeug hinauf.

So brachten sie jeden ihrer Songs überzeugend über die Bühnenkante und bezauberten ihr Publikum. „A Women Thing“ lautete das Motto: „Frauensache“, auch etwas für Männer, die „Frauen-Power-Stimmen schätzen. Im Programm fanden sich originelle Bearbeitungen von Joni Mitchell, Nina Simone, Nena, Edith Piaf, Lizz Wright sowie Eigenkompositionen. Sie sangen nicht nur mit Leib und Seele, sie waren auch gleichzeitig ihre eigene Rhythmusgruppe, indem sie mit der Zunge schnalzten, aber auch klatschten und zischten, oder sogar zu einem (schwäbischen?) Besenstil griffen oder die Kochlöffel schwangen.

Den vieren machte es sichtlich Freude, Ungewöhnliches hörbar und genießbar zu machen. Juliette Brousset sang mit feinem Spott vom wilden, ruppigen Motorradfahrer im Chanson von Edith Piaf, begleitet von selbst produzierten Motorengeräuschen und überaus lässigen Lenkbewegungen an fiktiven Rennmaschinen. Dann jedoch setzte sie ein  zartes Lied dagegen, das umso schöner zu leuchten anfing. Solche Wechsel konnte man noch ein paar Mal genießen, etwa den schlichten Goodbye-Song neben den frisch aufgeblasenen „99 Luftballons“. Der volle Sound in Mitchells „A case of you“ mündete in ein seelenvolles Solo von Filippa Golo, die für Stephanie Neigel eingesprungen war.

Kraftvolle, körperbetonte Rhythmen wechselten mit zarten und nicht weniger intensiven Emotionen. Dies begeisterte das Publikum bis in die zweite Zugabe hinein, dem Lied aus dem Kampf der deutschen Liberalen um die Freiheit des Geistes: „Die Gedanken sind frei“. Da passte die verblüffend aktuelle Message, auch wenn die jazzigen Auffrischungsversuche ein wenig aufgesetzt wirkten. Ein eindrucksvoller Abend.

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