Musikalisch komplett neu erzählt

Die Stuttgarter Saloniker führten ihr Publikum im Alten E-Werk in Göppingen mit einem vielseitigen Programm virtuos und launig ins neue Jahr. Beliebte Melodien wechselten mit ausgefallenen Raritäten.

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Bei den Salonikern spielt der Kontrabassist auch mal ein Fagottsolo. Foto: sgk

Allein gepflegte Salonmusik mit den schon hundert Mal gehörten Klassikern ist nicht Sache der Stuttgarter Saloniker. Sie bieten ihrem Publikum zudem die raren musikalischen Kostbarkeiten und kredenzen sie virtuos mit guter Laune und der höchst vergnüglichen Anmoderation von Kapellmeister Patrick Siben.

Und so bekam das Publikum beim Neujahrskonzert im Alten E-Werk immer wieder gern Gehörtes von Strauß, Offenbach, Sousa und Waldteufel serviert. Da wogte es anregend pulsierend im herrlich ausmusizierten Dreivierteltakt des Straußwalzers "Wiener Blut", und kaum sind die Walzerwellen verebbt, kommt eine weiteres Straußwerk daher, dieses jedoch in neuem Arrangement umgekrempelt, auf den Kopf gestellt, musikalisch komplett neu erzählt: "Wenn Sie das Gefühl haben, Sie sind falsch, dann sind Sie richtig", sagte Siben eingangs. "Die Fledermaus returns", basiert auf der Straußoperette und hat beim Arrangeur Oskar Aichinger Fantasien ausgelöst, die zwischen Jazz und neuer Musik angesiedelt sind.

"Jetzt müssen Sie auch einmal etwas tun", kündigte der Kapellmeister später an und verteilte Schlittenglocken im Publikum - zur klingenden Begleitung der "Petersburger Schlittenfahrt". "Wir spielen so lange, bis alle einmal dran waren", versprach Siben. Mit Begeisterung gaben die Gäste die Schellen durch die Reihen, bimmelten im mitreißenden Trab der Musiker. Doch letztlich galoppierten die Saloniker den "Bimmlern" in der rasant-musikalischen Fahrt davon.

Schräg, im synkopierten Ragtime-Rhythmus, mutet das Werk Debussys "Golliwoggs Cakewalk" aus seinem Werk Childrens Corner auch heute noch sehr modern an und als Kontrastprogramm durfte der gute "Alte Brummbär" von Julius Fucik noch einmal herhalten. Doch es wären nicht die Stuttgarter Saloniker, wenn sie sich diese Komposition nicht ebenfalls für ihre heiteren Zwecke nutzbar gemacht hätten. Und so spielte am Dreikönigstag der Kontrabassist ausgelassen dieses beliebte Fagottsolo.

Im "Champagnergalopp" von Hans Christian Lumbye schickten die Musiker ihre Gäste in die Pause, um sie mit Sousas Marsch "Stars and Stripes forever" wieder auf die Plätze zu locken. Das kurz zuvor genossene Bier schien dem Publikum wohl bekommen zu haben, denn der erfrischend spritzig dargebotene amerikanische Marsch wurde mit lauten Bravorufen bedacht.

Nun machte sich im Alten E-Werk das "String and Swing Orchester" breit: "That moaning trombone" von Thomas Bethel, auf Schwäbisch "Dr Posaunenbruddler", entführte die Zuhörer beschwingt in die beginnende Jazzära um 1920, Klarinette, Trompete, Posaune strahlten in virtuosen Soli in Philipp Brahams "Lime House Blues". Der "Schlittschuhläufer" von Emil Waldteufel war der schon traditionelle "Rausschmeißer" und entließ die Gäste mit galanten Schwüngen auf heißen Kufen - eh, Violinensaiten.

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