Mord bleibt ungesühnt

In einem sensationellen Indizienprozess wird ein 1960 in Schlierbach begangener Mord an einem 15-Jährigen neu aufgerollt. Der dringend Tatverdächtige wird durch ein neues Gutachten schwer belastet.

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Die Alte Schlierbachstraße aus Richtung Kirchheim: Im Wald ganz in der Nähe wurde 1960 ein Mord begangen.  Foto: 

Rund vier Jahre nach der grausamen Tat, dem Mord an einem 15-jährigen Schüler aus Schlierbach, kündigte die Staatsanwaltschaft Stuttgart an, in den folgenden Tagen Mord-Anklage zu erheben. Einem inzwischen 37 Jahre alten Metzgergesellen und Hilfsarbeiter aus Kirchheim/Teck sollte mit Hilfe eines Gutachtens und einer lückenlosen Indizienkette nun doch der Mord an dem Jugendlichen nachgewiesen werden, schrieb die NWZ am 17. Juli 1964.

Der Mann war seinerzeit als tatverdächtig gesucht und nach einem dramatischen Fluchtversuch gefasst worden. Etwa ein Jahr saß er in Untersuchungshaft, dann wurde er frei gelassen, da die Staatsanwaltschaft der Meinung war, die Indizien könnten zu einer Verurteilung durch das Schwurgericht nicht ausreichen. Nun wurde auf Grund von neuen Erkenntnissen bekannt gegeben, dass die Anklage gegen den Verdächtigen doch erhoben werde.

Verschiedene Hinweise deuteten damals auf den gelernten Metzger als Tatverdächtigen: Er wurde etwa zur Tatzeit am Tatort gesehen, dies hatte er aber geleugnet und durch falsche Alibis zu widerlegen versucht. Die Mordmerkmale deuteten auf die Fachkenntnisse und Vorgangsweise eines Metzgers hin. Weitere vier Jahre zuvor hatte der Angeklagte an derselben Stelle ein Mädchen ins Gebüsch gelockt und vergewaltigt. Diese hatte die Tat glücklicherweise überlebt.

In dem neu aufgerollten Prozess stützte sich die Anklage auf das Gutachten eines berühmten Schweizer Kriminologen, der mit Hilfe von Mikroskopie den am Tatort gefundenen Schuhabdruck mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit dem Schuh des Kirchheimers zuordnen konnte. Dieser saß derweil wegen anderer Vergehen bis mindestens 1966 auf dem Hohenasperg.

Anfang März 1965 fand der Prozess gegen den dringend Tatverdächtigen schließlich doch noch statt, aber die Beweislage war letzten Endes zu dünn: Der Mann wurde mangels Beweisen freigesprochen.

Was sonst noch geschah . . .

17. Juli 1964: Die Landkreisverwaltung wirft das Privatvermögen ihrer rund 2700 Amtsmündel auf einem Konto zusammen. Die etwa 1,3 Millionen D-Mark können nun in Wertpapieren mit bis zu 6 Prozent Verzinsung angelegt werden.

17. Juli 1964: Der aus dem Göppinger Amtsgerichtsgefängnis entflohene Einbrecher und Wiederholungstäter Douglas René Klatt sorgt für eine groß angelegte Suche. Trotzdem bleibt er bis auf weiteres verschwunden.

18. Juli 1964: Direkt vor der Eislinger Polizeiwache kippt ein mit 19 Tonnen Zellwolle beladener Lastwagen um. Ein Kombi, der ihm auf seiner Fahrspur entgegenkam, hatte den Fahrer zu einem Ausweichmanöver gezwungen.

SWP

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