Mitunter ganz hoch hinaus

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Manchmal führen die Rettungswege nur über das Dach.

Die Bergwacht Göppingen ist eine der vielfältigsten Rettungsorganisationen im Landkreis. Sie rettet aus ausweglosen Situationen in den Bergen und luftigen Höhen - und manchmal auch aus dem Wasser.

Januar 2012. Das Wetter ist ungemütlich im Stadtgebiet Göppingen, die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt. Die Schnee- und Regenfälle der letzten Tage lassen den Pegel der Fils ansteigen, der sonst so gemächliche Fluss führt Hochwasser. Während sich an diesem Tag nur wenige Passanten auf der Straße aufhalten, machen sich zwei Mitglieder der Bergwacht Göppingen daran, einem Rettungsfahrzeug des Deutschen Roten Kreuzes technische Hilfe zu leisten.

Da erreicht die beiden Bergwachtmitglieder eine Alarmierung der integrierten Leitstelle Göppingen: "Person im Wasser", lautet der Funkspruch. Unglücksstelle ist der Filssteg in der Göppinger Metzgerstraße, also nur wenige Minuten von den Helfern im Einsatzfahrzeug entfernt. "Die Meldung Person im Wasser bedeutet für die Bergwacht immer zwei Dinge: zum einen die Bergung der verunglückten Person, zum anderen aber auch die Sicherung der Helfer", erklärt Raimund Wimmer, Pressesprecher der Bergwacht Göppingen. "Und genau für solche Szenarien sind wir ausgebildet, wie beim Überwinden einer Schlucht in den Bergen auch. Trotzdem wussten unsere Helfer in dieser Situation letztendlich nicht, was sie vor Ort erwarten wird", erläutert der Pressesprecher, dessen Sohn an diesem konkreten Einsatz ebenfalls beteiligt war.

Und tatsächlich, als die Helfer der Bergwacht eintreffen, ist die Lage vor Ort angespannt, außer ihnen sind keine anderen Rettungskräfte anwesend. Mit dem Mut der Verzweiflung kämpft ein älterer Mann im Wasser ums Überleben. Am Ende seiner Kräfte klammert er sich an einen Ast, der aus dem Mauerwerk des Filsstegs herausschaut. "Die Zeit drängte, der Mann war sichtlich erschöpft und unterkühlt", erinnert sich Raimund Wimmer. Lange Zeit zum Überlegen bleibt den Helfern nicht, jeder Handgriff muss nun sitzen. Inzwischen ist ein drittes Bergwachtmitglied eingetroffen, gemeinsam wird sowohl für die Helfer als auch die verunglückte Person eine Sicherung aufgebaut. Und dann gibt es nur eine Möglichkeit: Zwei Retter müssen in die nur wenige Grad warme Fils steigen, um an den Mann im Wasser heranzukommen. "Die Strömung war stark und die Folgen der Kälte ließen auch bei den Helfern nicht lange auf sich warten", gibt Pressesprecher Wimmer rückblickend zu bedenken. Doch die Rettungskette funktioniert, neben Rettungswagen und Notarzt ist auch die Feuerwehr eingetroffen und zieht die Retter samt verletzter Person mit vereinten Kräften aus dem Wasser. Helfer wie auch vor allem der gerettete Mann sind stark unterkühlt. Schlimmeres konnte dank des beherzten Eingreifens der Bergwacht allerdings verhindert werden - auch wen das Rettungsszenario auf den ersten Blick untypisch für den Einsatz der Bergretter scheint. Doch für Raimund Wimmer ist die Antwort darauf einfach: "Wir werden immer dann gerufen, wenn die Rettung im unwegsamem Gelände stattfindet und die bodengebundenen Rettungskräfte nicht hinkommen. Und das müssen bei uns hier in der Gegend nicht nur die Berge der Schwäbischen Alb sein."

Über einen Mangel an Einsätzen kann sich die Organisation nicht beschweren. "Wir kommen im Jahr auf rund 20 bis 30 Einsätze", erklärt Uwe Strofus, Bereitschaftsleiter von Göppingen. "Das Spektrum reicht dabei von Flugunfällen und Bergung von gestürzten Wanderern oder Mountainbikern bis hin zur Rettung von verunglückten Waldarbeitern oder leider auch oftmals Menschen mit Suizidversuchen. Im Winter machen wir bei entsprechenden Schneeverhältnissen Dienst am Skilift Treffelhausen und haben es dort mit Skiunfällen aller Art zu tun."

Dabei sei vor allem die gute Zusammenarbeit mit den anderen Rettungsorganisationen wichtig. "Das ist ein sehr respektvoller Umgang miteinander, das Zusammenspiel funktioniert sehr gut", wie Wimmer betont. "Die Zeiten, in denen es hieß: Des isch mei Feuer sind zum Glück seit langem vorbei."

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