Mitarbeiter plagt Zukunftsangst

Nach der Einigung mit dem wichtigsten Gläubiger Markant sollen sich die Regale auch in den Schlecker-Märkten im Kreis wieder füllen - ein Hoffnungsschimmer für die Mitarbeiter, die um ihre Jobs fürchten.

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Schlecker-Märkte gehören in vielen Städten und Gemeinden des Landkreises zum gewohnten Straßenbild. Ob das so bleibt, ist seit dem Insolvenzantrag der Drogeriemarktkette ungewiss. Auch Im Landkreis müssen die Mitabeiter um ihre Jobs bangen. Fotos: Giacinto Carlucci/Montage: Staufenpress

Die Szenen in den Schlecker-Märkten im Landkreis ähnelten sich am vergangenen Dienstag. "Wir wissen noch nicht, ob Ware kommt", erklärt die Verkäuferin einer Filiale einem Mann, der nach Anzündern für seinen Ölofen fragt. In den Regalen klaffen Lücken, keine großen zwar, aber doch finden Kunden das eine oder andere nicht mehr, was sie vorher in den Drogeriemärkten bekommen haben. Die Verkäuferin wird nicht das erste Mal an diesem Tag gefragt, wie es weitergeht. "Wir wissen gar nichts und hängen völlig in der Luft", sagt die Frau und zuckt resigniert die Schultern. "Wir machen halt weiter und hoffen, dass es irgendwie weitergeht", erklärt sie. Tapfer gibt sich auch die Mitarbeiterin einer anderen Filiale: "Die werden nicht alle Läden schließen. Hoffen wir das beste." Auch bei ihr sind die Regale halb leer, es fehlen vor allem Lebensmittel.

Hilflos hatten die Mitarbeiter der gut ein Dutzend Schlecker-Märkte im Landkreis Göppingen mitansehen müssen, wie das Warenlager zur Neige ging. Die Einkaufsgemeinschaft Markant, einer der wichtigsten Gläubiger der insolventen Ehinger Drogeriekette, hatte ihre Lieferungen eingestellt. Nachdem sich der Insolvenzverwalter am Mittwochabend mit Markant geeinigt hatte, werden die Läden seit gestern wieder versorgt. Wie lange, weiß momentan keiner. Gestern hat auch die Schlecker-Tochter "Ihr Platz" Insolvenz angemeldet.

"Die Mitarbeiter wollen ihren Teil zur Schlecker-Rettung beitragen, dazu müssen sie Umsatz machen, ohne Ware geht das nicht", sagt Carola Gross. Die Geschäftsführerin der Verdi-Bezirksgruppe Fils-Neckar-Alb hat alle Hände zu tun, die Schlecker-Beschäftigten zu beraten. Allerdings weiß auch die Gewerkschafterin nicht, wie es weiter gehen soll. Anfang nächster Woche will sich der Gesamtbetriebsrat aller Filialen in Deutschland zusammensetzen. Verdi hofft, dass der Insolvenzverwalter dazu stoßen wird. Dann könne man vielleicht mehr sagen hofft Carola Groß. Bis dahin muss sie sich auf die wenigen guten Nachrichten beschränken, die sie zur Zeit vermelden kann. "Wir konnten die Mitarbeiter beruhigen, dass die Gehälter über das Insolvenzgeld die nächsten drei Monate gesichert sind, sie müssen vorerst keine Einbußen hinnehmen", berichtet sie aus einer Versammlung in der Verdi-Geschäftsstelle in Reutlingen, an der gestern rund 50 Schlecker-Mitarbeiter teilgenommen haben.

Der Insolvenzverwalter will sich an die geltenden Tarifverträge halten. Auch das eine Nachricht, die zuversichtlich stimmen soll. Wie aber geht es nach den drei Monaten weiter? Mit dieser Frage sehen sich die Schlecker-Mitarbeiter konfrontiert. Überwiegend handelt es sich um Frauen, die alles mögliche unternehmen, um den Betrieb ihrer Läden am Laufen zu halten, berichtet Carola Groß. "Da tun sich massive Probleme auf, über die wir mit dem Insolvenzverwalter reden müssen", erklärt die Gewerkschafterin. Weil der Krankenstand so hoch sei, müssten die verbliebenen Beschäftigten Überstunden machen. Ob diese bezahlt werden, sei noch nicht sicher. Die Mitarbeiter hoffen jetzt auf den Firmenpatriarchen Anton Schlecker. "Jetzt haben wir so viele Jahre für Schlecker rangeklotzt, jetzt erwarten wir, dass er auch etwas für uns tut", sagen viele. Das sieht man auch bei Verdi so. Die Dienstleistungsgewerkschaft fordert ein Bündnis zur Rettung der Arbeitsplätze. Lieferanten sollten die Märkte weiterhin mit Waren versorgen, aber auch die Kunden seien aufgefordert, wie bisher dort einzukaufen.

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Themenschwerpunkt

Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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