Mit Vertrauen und Zuversicht

Groß und Klein sind am Sonntagnachmittag zur Rätsche in den Geislinger Schlachthof geströmt. Das hiesige Puppentheater Firlefanz ließ in seinem neuen Stück einen kleinen Stern vom Himmel fallen.

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Eines Nachts fällt "Pollux der kleine Stern" vom Himmel und landet bei der Maus. Puppenspielerin Inge Bindert hat ihre Figuren fest im Griff. Foto: Rainer Lauschke

Auch Sterne können mal Pech haben. Der kleine, sympathische Pollux jedenfalls schaukelt so ausgelassen am Nachthimmel hin und her, dass er den Halt verliert und auf die Erde fällt - direkt auf eine Mäusewiese. Plumps, da liegt er, und schon sind die Zuschauer mittendrin im neuen Stück von Inge Bindert und ihrem Puppentheater Firlefanz. Schon in den ersten der insgesamt 45 Minuten variiert die Geislingerin, die auch das Bühnenbild und ihre Puppen selbst herstellt, souverän ihre Darstellungsmöglichkeiten.

Aufgeregt lässt Bindert die kleine Maus auf der Wiese und in ihrem Bau herumwuseln. Sie gibt ihr eine piepsige Stimme: "Ich muss sammeln, sammeln." Als es Nacht wird in der Geschichte, hängt Bindert mit langsamen Bewegungen große Sterne an den dunklen Vorhang hinter ihr. Vor diesem Vorhang ist auch Pollux Schaukel platziert. Alle Bewegungen der Figuren, die Bindert erstmals ganz allein führt, untermalt ihr Mann, Johannes Mühleisen, der neben der Bühne sitzt, dezent auf der Gitarre. Wenn zum Beispiel Pollux von seiner Schaukel stürzt, zupfen Mühleisens Finger geschwind die Tonleiter hinunter. Immer wieder sieht das Stück Mühleisens Einsätze vor, der situationsgenau reagiert. Dies macht das sehr ruhig erzählte Stück noch runder.

Nach einem von Bindert gesungenen Gute-Nacht-Lied für die Maus und den Stern hat der zottelige Bär seinen großen Auftritt. Ihn spricht die Puppenspielerin mit tiefer Stimme. Genüsslich sitzt der Bär in einem Badezuber und schrubbt sich mit einer Bürste. Obwohl er so groß ist, kann er dem kleinen Stern nicht helfen, wieder in den Himmel zu gelangen. Sein Tipp: die alte Gertrud fragen.

Auf dem Weg in den Wald gerät Pollux ins Netz der Spinne. Auch sie ist wie die anderen Figuren im Stück, eine Persönlichkeit für sich. Für sie ist Pollux eine Beute, und sie will ihn fressen. Allerdings kommt der Bär zur rechten Zeit, befreit den kleinen Stern und staucht die Spinne zurecht, indem er sich auf sie drauf setzt. Sehr zur Freude der kleinen Zuschauer kitzelt ihn die Spinne dafür ordentlich am Po.

Für die alte, einsame und arme Gertrud hat Bindert ein Papphäuschen mit Fenstern und Fensterläden geschaffen. Bevor Pollux bei ihr eintrifft, lässt Bindert mit Hilfe von zwei Stäben eine Raupe daherkriechen. Die herzhaft schmatzenden Geräusche machen klar, dass sie sich Gertruds Salat schmecken lässt.

Pollux hat es nicht leicht mit der abweisenden Gertrud. Selbst als er für das alte Weiblein Holz einsammelt und hackt - wieder eine der vielen netten Ideen Binderts - erntet er zunächst nur ein "Das hast du gut gemacht und nun verschwinde!" Doch schließlich gibt Gertrud dem Stern doch den entscheidenden Tipp, wie er wieder zurück nach Hause kommt: "Hab Vertrauen und Zuversicht, so findet du das Licht."

Den Mond hat Bindert als große Scheibe mit einer Stoffbahn daran gestaltet. Die Stoffbahn markiert den Sternenweg, auf dem Pollux endlich wieder auf seinen Platz am Himmel zurückfindet. Ein letztes Raunen geht durchs Publikum, als Mühleisen mithilfe seiner Technikausrüstung Lichtpunkte über die Bühne streichen lässt. Dann gibt es viel Applaus für die gelungene Premiere von "Pollux der kleine Stern".

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