Mit Stickern zur Meinungsbildung

Kindergeld, Fake-News, Cannabis: Die Landeszentrale für politische Bildung hat den „Wahl-O-Mat“ als interaktive Aktion ins Göppinger Haus der Jugend gebracht.

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Rot, grün oder doch neutral? Die Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse des Mörike Gymnasiums diskutierten rege über die Thesen des „Wahl-O-Mat“, bildeten sich eine Meinung und klebten ihre Sticker. Anschließend gab’s die Parteien-Auswertung .  Foto: 

Heute dürft ihr trotzdem wählen, und zwar mehrmals“, sagt Robby Geyer. Er ist von der Landeszentrale für politische Bildung, vor ihm sitzt die 11. Klasse des Mörike-Gymnasiums. Zwar ist noch keiner der Schüler bei der kommenden Bundestagswahl wahlberechtigt, Kreuzchen beziehungsweise rote und grüne Kleber setzen durften jetzt aber alle.

Der „Wahl-O-Mat“ – eigentlich als Online-Plattform zur politischen Meinungsfindung bekannt – machte als Mitmach-Aktion für Schüler Halt im Göppinger Haus der Jugend. „Wir wollen mithilfe des Wahl-O-Mat anregen, dass sich die Schüler mit der Bundestagswahl beschäftigen“, sagt Robby Geyer und betont: „Was am Ende für eine Partei rauskommt, ist für mich oder die politische Bildung eigentlich am unwichtigsten.“ Rebecca Zabel,  Jugendkoordinatorin der Stadt Göppingen, pflichtet ihm bei: „Wir eröffnen den Jugendlichen vor allem eine Möglichkeit ihre eigene Meinung zu bilden.“

Rege Diskussionen...

An drei großen Flip-Charts hängen die 38 Thesen, die denen des Wahl-O-Mat im Internet entsprechen. Jeder Schüler darf seine Klebepunkte verteilen. Grün für Zustimmung, rot für Ablehnung, wer beide aufklebt, ist in dieser Frage neutral. Eine klare Meinung haben Selam Kiflu, Anna-Maria Carle und Marlen Schüle. Die drei 16-Jährigen stehen vor These 27: „Für begangene Straftaten sollen auch Kinder unter 14 Jahren verurteilt werden können.“

„Die Frage ist doch, ob die Kinder überhaupt wissen, was sie getan haben“, sagt Selam. „Man sollte ihnen dann lieber helfen, zum Beispiel psychologisch, als sie zu verurteilen“, pflichtet ihr Marlen bei. Drei rote Sticker wandern auf die Tafel.

Rege diskutiert wird auch an anderer Stelle. Clara Christner, Masterstudentin der politischen Kommunikation in Landau, erklärt einer Gruppe, was es mit dem „Schuldenschnitt“ für Griechenland auf sich hat. Sie und andere Studenten, die für die Landeszentrale arbeiten, stehen den Jugendlichen beiseite, erklären Fachbegriffe, zeigen das Für und Wider zu den einzelnen Thesen auf.

... und klare Meinungen

„Hier kommen die Schüler untereinander viel intensiver ins Gespräch“, sagt Heiko Stobinski, Gemeinschaftskunde-Lehrer der Klasse vom Mörike-Gymnasium. „Und sie fragen zum Beispiel nach, was Bafög oder die Grunderwerbssteuer ist“. Er ist den Thesen-Parcours abgelaufen, hat ein wenig darauf geachtet wo seine Schüler welche Sticker setzen. Besonders positiv für ihn: Zu These 29 „Der Bund soll weiterhin Projekte gegen Rechtsextremismus fördern“ und These 5 „Der Bund soll mehr Mittel für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen“ gab’s mehrheitliche Zustimmung. Kindergeld, Fake-News, Cannabis   bei Themen, mit denen die Schüler womöglich selbst Berührungspunkte haben, sind sie überwiegend einer Meinung.

„Was ich auch sehr beachtlich finde ist, dass die Schüler sehr positiv zur EU stehen“, sagt Gemeinschaftskunde-Lehrer Stobinski. Wer alle seine Sticker verteilt und acht Parteien zum Vergleich ausgewählt hat, dem spuckt ein Wahl-Automat sein Ergebnis aus.

Anschließend dürfen die Jugendlichen selbst zur Wahl-Urne schreiten und ihr Kreuzchen für die  U 18-Bundestagswahl setzen. Diese hat der Kreisjugendring Göppingen stellvertretend für den Bundesjugendring im Landkreis organisiert.

Info Die Ergebnisse der U 18-Wahl
stehen seit gestern im Netz unter:
www.u18.org

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