Mit jeder Google-Suche ein Geheimnis weniger

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Digitales Leben" in Göppingen legte Referent Bernhard Peitz schonungslos offen: Ob Suchmaschinen, E-Mail, Handy oder Chipkarten - nichts von uns bleibt mehr geheim.

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Wir lassen tief blicken: Die im Internet vertretenen Firmen nützen unsere Daten für gezielte Werbung.  Foto: 

Nur rund 20 vorwiegend ältere Zuhörer waren zu dem kompakten Vortrag "Der gläserne Mensch. Von Datenkraken und Netzen" in die Göppinger Stadtbibliothek gekommen. Bernhard Peitz redete auch nicht lange um den heißen Brei herum, nannte gleich einen Anbieter, der Firmen- und Privatadressen nach Interessenschwerpunkten, Kaufverhalten oder demographischen Kriterien selektiert, frei nach dem Motto: "Jedes Produkt hat seine Zielgruppe." Das funktioniere noch effektiver, preiswerter und schneller bei SMS-, E-Mail- oder beim Telemarketing, meinte der Experte. Dann sortieren verschiedene Datenquellen nach Bewegung, Konsum, Interessen, Kommunikation, Bonität, Lebenssituation, Gesundheit und Arbeitsprofilen.

"Nur im Krimi ist der Profiler der Gute", sagte Peitz. Man staune Bauklötze über das Gedächtnis von ID-Management, elektronischem Zahlungsverkehr, Facebook, Twitter, Skype und von rund 600 Suchmaschinen. Beispiel: "Neulich befragte ich Google nach Hundefutter, habe mehrfach Reiserouten von meinem Wohnort ausarbeiten lassen, kürzlich nach einem Gebrauchtwagen geforscht, mich gestern über ein Baby-Reisebettchen informiert und die neuesten Nachrichten über die Rentenpolitik gelesen. Google weiß nun oder kann abschätzen, wie alt ich bin, vermutlich Enkel, Hund und einen älteren Mercedes habe und wo mein Wohnort ist. Das erlaubt Rückschlüsse auf meine Vermögensverhältnisse", erklärte Bernhard Peitz und betonte: "Mit jeder weiteren Google-Funktion wird das Profil verfeinert, der Marktwert erhöht und dadurch geht wieder ein kleines Stückchen Privatsphäre verloren."

Standortbezogene Dienste, abgekürzt LBS (Location Based Service), am Arbeitsplatz bedeuten: Das Diensthandy wird privat genutzt, Türöffner- und Videosysteme oder Arbeitszeitdokumentationen sind in Gebrauch. Durch die Vernetzung dieser Systeme seien detaillierte individuelle Leistungsprofile erstellbar. Oder Minichips erkennen Handelswaren, verfolgen Paketsendungen, eignen sich zum Diebstahlschutz und zur Entsorgungskontrolle oder optimieren Schließsysteme sowie Zugangskontrollen in Sicherheitsbereichen. Auch hier seien wieder alle denkbaren Zeit-, Ort- und Interessenprofile erstellbar, sagte Peitz und forderte von der Politik, solche Sensoren nach Gebrauch oder Kauf zu zerstören.

Dann gibt es noch das Mitmach-Web. Gemeint sind die sozialen Communitys wie Facebook oder Foren, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten, Handelsplätze wie Ebay oder Versandhäuser und Blogs, sogenannte Online-Tagebücher. "Früher hat man den Schlüssel seines Tagebuchs versteckt, heute teilt man persönliche Gefühlsgesinnungen, Reiseberichte oder Fotogalerien mit fremden Nutzern", erzählte Bernhard Peitz. Die Ohren rauchten förmlich von so viel Informationen. Doch ein Satz blieb besonders in Erinnerung: "Immer den Verstand einschalten und nur die unbedingt notwendigen Daten weitergeben, denn nicht nur Fische sollten sich im Netz schützen. Und denken Sie immer daran, wenn Sie für eine Dienstleistung nichts zahlen, dann sind Sie das Produkt, dass gerade verkauft wird."

Interessante Links zum Thema:

www.senioren-online-reichenbach-fils.de

www.netzwerk-sii-bw.de

www.vile-netzwerk.de/verein.html

www.seniorentreff.de

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