Mit Humor und Entspannung gegen Burnout

Burnout - also ausgebrannt sein - was ist das? Dr. Günther Bergmann, Chefarzt im Göppinger Christophsbad, stieg in einem Vortrag der Volkshochschule tief in die anspruchsvolle Thematik ein.

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Die Fragen der Besucher beantwortete Dr. Günther Bergmann mit Karin Hebel-Walther von der VHS (re.) auch nach dem Vortrag. Foto: Luthmer-Lechner

"Die Krankheit kann alle sozialen Gruppen treffen, häufig ereilt sie ehrgeizige, leistungsorientierte Menschen", sagte Chefarzt Günther Bergmann in seinem Vortrag und nannte betroffene Persönlichkeiten aus der Sport- und Showbranche.

Viele Menschen wissen nicht, dass ihr Feuer bereits brennt und sie dabei sind, ein Burnout zu erleiden. Der Zustand totaler körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung kann Energie, Gesundheit, Job und Freundschaften kosten. Aber die Erkrankung tritt nicht plötzlich auf, sie ist ein schleichender Prozess, basierend auf einem Ungleichgewicht zwischen Anforderung und Ressourcen.

Rund 100 Besucher lauschten den Informationen zu Ursachen, Symptomen und Vorbeugung der neuen "Volkskrankheit". Es gibt kein einheitliches Krankheitsbild, individuell verschieden werden die körperlichen Beschwerden, die durch psychische Probleme entstehen, empfunden. Statistischen Erhebungen der AOK zufolge sind steigende Fehlzeiten aufgrund eines Burnouts auffällig. "Seit 1995 verzeichnet die AOK einen Anstieg um achtzig Prozent", sagte Bergmann. Damit lägen die beruflichen Ausfalltage mit 8,4 Prozent an vierter Stelle. Burnout zwinge manchen Manager und Workaholic in die Knie. Beruflich engagiert stehen sie ständig unter Strom, Familie und Freizeit sind Nebensache. Das Aufladen der Akkus, um die Balance zwischen An- und Entspannung zu finden, funktioniert nicht mehr und greift körperliche, emotionale und mentale Reserven an.

Der Teufelskreis beginnt und dreht sich immer weitern in den Abgrund. "Schlafstörungen und Unruhe gelten als erste Anzeichen, Energielosigkeit und Unbeherrschtheit folgen", erklärte Bergmann. Die Abwärtsspirale von Hilfs- und Hoffnungslosigkeit könne, oft begleitet von vermehrtem Alkohol- oder Nikotinkonsum, bishin zu suizidalen Gedanken führen. "Burnout Patienten ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, eine innere Leere macht sich breit."

Nicht selten sei eine Überschneidung mit einer Depression feststellbar. Was tun, um das Feuer zu löschen? "Wir müssen mit uns selbst wieder gesprächsfähig werden", betonte Bergmann. "Gemeinsam Ziele setzen, familiär und am Arbeitsplatz, diese Transparenz über das wohin wir wollen ist Anti-Burnout." Zur Vorbeugung empfahl der Sprecher: "Lernen Sie sich selbst kennen." Was will ich? Was brauche ich? Wie wirke ich auf andere? Ein gesunder Rhythmus mit ausgewogener Ernährung, Bewegung an frischer Luft und Entspannungsphasen sei neben einer Portion Humor wichtig.

Der Experte streifte auch die Situation in Unternehmen - möglichst regelmäßig Mitarbeitergespräche führen - und die professionelle Hilfe durch einfühlsame Therapeuten. Höher, schneller, weiter, besser. Trägt der gesellschaftliche Druck aus der Werbung zur Erkrankung bei? Diese und andere Fragen stellte das Publikum in der abschließenden Diskussion.

Bergmann gab den Besuchern augenzwinkernd eine Indianer-Weisheit mit auf den Heimweg: "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab."

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