Mit Hindernissen zum Traumberuf

Kathrina Brinker, 24 Jahre jung und Auszubildende in der Wilhelmshilfe in Süßen. An sich nichts Ungewöhnliches. Wäre da nicht ihre Körperbehinderung, die ihr zunächst eine Ausbildung unmöglich machte.

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Kathrina Brinker (links) hat sich nicht unterkriegen lassen, obwohl das Arbeitsamt sie als "nicht ausbildungsfähig" eingestuft hatte. Foto: Beate Schnabl

Mit einer missgebildeten Halswirbelsäule kam Kathrina Brinker zur Welt und ist dadurch in ihrer körperlichen Bewegung eingeschränkt. Sie kann ihre Arme nicht in die Höhe strecken und darf nicht schwer tragen. Trotzdem lässt sich die junge Frau aus Salach nicht unterkriegen.

Seit September ist die 24-Jährige als Auszubildende zur Alltagsbetreuerin im Pflegeheim Wilhelmshilfe in Süßen angestellt. Zuvor hat sie im Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus in Stuttgart ihre Lehre zur Hauswirtschaftshelferin erfolgreich abgeschlossen. "Und dabei hat das Arbeitsamt Kathrina vor ein paar Jahren als nicht ausbildungsfähig eingestuft", erinnert sich ihre Mutter Sabine Brinker.

Doch der Reihe nach: Bis 2006 besuchte Kathrina Brinker die Förderschule in Eislingen. Danach absolvierte sie ein berufsvorbereitendes Jahr, das sie mit guten Noten abschloss. Jetzt sollte sich eine Berufsausbildung anschließen. Um jedoch beim Berufsausbildungszentrum für behinderte Menschen in Esslingen, das eng mit dem Arbeitsamt zusammenarbeitet, aufgenommen zu werden, war für die junge Frau ein Praktikum notwendig, das ihre Ausbildungsfähigkeit nachwies. "Kathrina kam für ein Praktikum nach Geislingen ins Samariterstift. Schon nach wenigen Tagen wurde sie nach Hause geschickt, mit der Bemerkung, sie sei nicht ausbildungsfähig", erzählt Sabine Brinker. Doch die Mutter blieb hartnäckig. Schließlich konnte die junge Frau an das Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus in Stuttgart vermittelt werden. Eine Einrichtung, die Seniorenzentrum, Kindertagesstätte und Bildungsstätte unter einem Dach vereint. Kathrina wurde in die Fördergruppe für hauswirtschaftliche Tätigkeiten aufgenommen. Schon nach einem Jahr begann sie die Ausbildung zur Hauswirtschaftshelferin. Obwohl das Arbeiten in der Küche oder in der Wäscheabteilung anstrengend für die eingeschränkt bewegungsfähige Frau war, hielt Kathrina Brinker die dreijährige Ausbildung durch und machte erfolgreich ihren Abschluss.

"Bei Deutschland sucht den Superstar hat ein Kandidat den Beruf des Alltagsbetreuers vorgestellt. Ich wusste sofort, das ist das Richtige für mich", erzählt die zierliche Frau. Diesen Pflegeberuf gibt es seit 2008. Alltagsbetreuer kümmern sich um pflegebedürftige Menschen und helfen bei Alltagsaktivitäten. Es stehen nicht pflegerische Arbeiten sondern Hilfstätigkeiten im Vordergrund. Ein mehrwöchiges Praktikum in der Wilhelmshilfe in Süßen war der erste Schritt für Kathrinas Zusatzausbildung.

Bernd Maser, Heimleiter im Pflegebereich, war schnell von den Fähigkeiten der jungen Frau überzeugt. "Kathrina Brinker ist sehr engagiert, fleißig und kann gut auf die Menschen zugehen. Die Bewohner akzeptieren sie", lobt er seine Auszubildende. Die Süßener Wilhelmshilfe bildet erstmals in diesem Beruf aus. "Ich lese vor, singe oder bete mit den Leuten, wir machen Spiele oder ich helfe ihnen beim Essen", beschreibt die 24-Jährige ihre Aufgaben. Kathrina Brinker ist glücklich. Sie hat ihren Traumberuf gefunden.

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