Keine Dusch-Eimer mehr: Maitiser Wiesenkicker haben jetzt ihr Vereinsheim

Die Maitiser Wiesenkicker haben  ein Vereinsheim – nach viel Hartnäckigkeit mit der Genehmigung und schweißtreibenden Arbeitsdiensten.

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Das Eckige hinterm Eckigen. Die Maitiser Wiesenkicker haben sich ein Clubhaus gebaut.  Foto: 

Wiesenkicker – klingt nach bayerischen Rekordmeistern auf dem Oktoberfest. Anders als beim FC Bayern spielt bei den Maitiser Wiesenkickern der Wettbewerbsgedanke jedoch keine Rolle; im Zentrum stehen der Spaß am Spiel sowie das Gemeinschaftserlebnis. Der seit dem Jahr 2000 bestehende, rund 250 Mitglieder zählende Fußballverein nimmt nicht einmal am offiziellen Spielbetrieb teil. Gekickt wird nach Feierabend auf einem städtischen Rasen am Ortsausgang Richtung Radelstetten.

Bei der Kameradschaft sind die Wiesenkicker aber erstklassig. Davon zeugt das nagelneue, eigene Vereinsheim neben dem Rasen, das nun offiziell in Betrieb genommen wurde. Darin waren sich bei der Einweihungsfeier alle einig, der Vereinsvorsitzende Christian Bayer, der von einem neuen „Schmuckstück“ schwärmte, genauso wie Göppingens Oberbürgermeister Guido Till, der das Vereinsheim als Symbol eines „kerngesunden Vereins“ sieht. Beachtliche 2500 Arbeitsstunden steckten 60 Mitglieder in den Bau des offiziell als Umkleidegebäude genehmigten und geförderten Vereinsheims. Neun Monate wurde gebaut, dabei wurden unter anderem 30 000 Schrauben eingedreht und drei Kilometer Kabel verlegt.

Die Bedeutung dieser Leistung unterstrich Till mit einem Vergleich: „Können Sie sich vorstellen, dass Tausende Münchner die Allianz-Arena gebaut hätten?“. Er sei stolz auf den Verein, seine Mitglieder und die Dorfgemeinschaft, betonte Till.

Alles konnte beim Bau allerdings nicht durch Eigenleistung erbracht werden. Und so wurde vom früheren Vorsitzenden und heutigen Kassier, Fritz Walker, ein tragfähiges Finanzierungskonzept für das 250 000-Euro-Projekt auf die Beine gestellt. Das Grundstück wird in Erbbaupacht vom Verein genutzt. Für das Gebäude, in dem sich neben Sanitär- und Umkleideräumen auch Küche, Versammlungs- und Freizeitraum befinden, steuerte die Stadt direkt 30 000 Euro sowie aus dem Ortsbudget 6000 Euro bei.

Besonders erfreut zeigte sich der langjährige Vorsitzende Fritz Walker, dass es nicht nur gelungen war, baurechtliche Hürden zu nehmen, sondern auch Kritiker in den eigenen Reihen zu begeisterten Befürwortern zu machen. Sei das eigene Vereinsheim neben der Wiese doch ein langgehegter Traum gewesen, seit man im Jahr 2000 mit einem Dutzend Kickern unter Regenschirmen, mit Dusch-Eimern und mitgebrachten Bierkästen mit dem Spielen begonnen habe.

Zahlreiche Vereine aus Maitis und Umgebung überbrachten  zur Einweihung Glückwünsche und Geschenke. Mitglieder, Maitiser, Förderer und Baubeteiligte bewiesen dann beim Häppchenbuffet, dass sich auf der Maitiser Wiese mindestens so gut feiern lässt wie auf der Wies‘n. Und das bei herrlicher Aussicht.

Ein KOMMENTAR von Arnd Woletz: Den Nerv getroffen

Sie sind die Trendsetter unterm Hohenstaufen. Ausgerechnet die Maitiser Wiesenkicker treffen offenbar den Nerv der Freizeit-Gesellschaft. Sporttreiben ja, aber bitte ohne starpaziösen Spielplan und Trainingspflicht. Das mag die Abteilungsleiter in den wettkampforientierten Clubs die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Die Tatsache jedoch, dass sich in wenigen Jahren 250 Mitglieder aus dem ganzen Kreisgebiet für Fußball in  dieser lockeren Organisationsform begeistern konnten, spricht für sich.

Bemerkenswert ist, dass der persönliche Einsatz der Maitiser Wiesenkicker beim Vereinsheimbau umso größer ausfiel. Es muss eben nicht immer der übliche Gasthof sein, wo sich das Dorfleben abspielt. Das ist ein weiteres Beispiel für neue Formen der Gemeinschaft. Für einen kleinen Stadtbezirk wie Maitis, der im Schatten der Kreisstadt und der Nachbarkommunen steht, ist so ein Phänomen unverzichtbar – und sehr zur Nachahmung empfohlen.

Klar, dass die Genehmigungsbehörden bei einem neuen Bauwerk in der freien Landschaft erst einmal vorsichtig waren. Das ist auch berechtigt. Letztlich muss man die Genehmigung aber gutheißen. Wenn man es mit den riesigen Ställen und Gerätehallen vergleicht, die so mancher Landwirt in die Natur setzt, ist das hölzerne Heim der Wiesenkicker ja fast filigran.

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