Mit Chagall die Massen locken

Mit einer großen Chagall-Ausstellung will die Kunsthalle Göppingen ihren 25. Geburtstag feiern und sich neue Besucherkreise erschließen. Die Schau im Dezember soll bis zu 15.000 Besucher locken.

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Raus aus der Nische, rein in die Herzen der Kunstfreunde - das ist schon seit langem Wunsch einiger Kommunalpolitiker, denen angesichts der dürren Besucherzahlen der Kunsthalle und der dagegenstehenden hohen Subventionen durch die Stadt das schlechte Gewissen plagt. Erleichterung deshalb über die Pläne von Kunsthallen-Chef Werner Meyer, der in diesem Jahr mit einer Chagall-Ausstellung die Massen locken will. Beim Namen Chagall werden selbst Kunstbanausen hellhörig, denn eine Ausstellung mit ausgewählten Lithografien des Künstlers ließ vor Jahren mehrere Zehntausend Menschen nach Rechberghausen in den Haug-Erkinger-Saal pilgern. Der Kunst-Tourismus in die Schurwaldgemeinde brachte Rechberghausen seinerzeit einen großen Kulturschub und letztlich auch die Gartenschau.

Meyer, der neben regionalem Publikum auch auf den bildungsorientierten Tagestourismus hofft, ist die Chagall-Ausstellung aber auch inhaltlich wichtig. Ziel sei es "einerseits die besondere Poesie in der Bilderwelt von Chagall zu zeigen, andererseits seine enge Verbundenheit mit Literatur von der Antike bis zur Gegenwart, wodurch die Blätter lesbar und deutbar werden", hatte Meyer bei der Vorstellung seiner Überlegungen einst angekündigt. Damit würde die Kunsthalle Göppingen ihrem Bildungsauftrag gerecht, so Meyer weiter, zumal dieser Zusammenhang "noch nicht so abgenudelt" sei wie andere Chagall-Themenausstellungen. Neben den Bildern sollen auch die Texte in der Ausstellung präsent sein.

Die Ausstellung vom 1. Dezember an läuft und heute in einem Jahr zu Ende gehen soll, zeigt laut Mitteilung der Kunsthalle alle wesentlichen originalgraphischen Zyklen von Marc Chagall. Zu den Werken der literarischen Graphik, die einen wichtigen Teil von Chagalls populärer Kunst darstellt, zählen die Radierungen, Lithographien und Gouachen u.a. zu: Nikolaj Gogol "Die toten Seelen" (1923-27/1948), Jean de la Fontaine "Fabeln" (1927-1930/1952), Die Bibel (1931/1956, 1960), "Arabische Nächte" (1948), Longus "Daphnis und Chloé" (1961), Homer "Die Odyssee" (1975), William Shakespeare "The Tempest" (1975), Louis Aragon "Celui qui dit les choses sans rien dire" (1975/76), André Malraux "Et sur la Terre" (1977) und zu Marc Chagalls eigenen Gedichten und Texten wie "Träume" (1981).

Bestechen Chagalls farbige Lithographien von intensivem, geradezu lyrisch-poetischem Ausdruck, überrascht die zeichnerische Expressivität, mit denen er die frühen Radierungen zu Gogols 1842 erschienenem Poem "Die toten Seelen" gestaltet. Selten waren Chagalls Arbeiten so textnah wie bei diesen Bildern, und doch schafft er mit ihnen anderes als Textillustrationen. Die Radierungen entfalten eine genuine poetische Kreativität. Chagall gibt den "toten Seelen" ein bildhaftes Eigenleben und zeichnet sich selbst mit diesen 96 Radierungen in die Avantgarde dieser Zeit. Die Ausstellung wird von einem umfassenden Rahmenprogramm mit Führungen, Seminaren und Ausstellungsgesprächen begleitet. Ferner werden Vorträge angeboten, die in literarische Motive oder graphische Techniken einführen.

Marc Chagall (1887-1985) gilt neben Pablo Picasso, Max Ernst oder Henri Matisse als eine herausragende Künstlerfigur des 20. Jahrhunderts. Er gehört zu den malenden Erzählern, die mit Bildern Fiktionen vor Augen führen. Die Folklore der jüdisch-weißrussischen Tradition und die Melancholie des Zirkus machte Chagalls Kunst weltweit bekannt.

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