Metallarbeiter streiken

Nachdem die Lohnverhandlungen seit Monaten auf der Stelle getreten waren, hatten sich am 11. Januar 1962 tausende Göppinger Metallarbeiter zu einer Protestkundgebung auf dem Schillerplatz versammelt.

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Der erste Bevollmächtigte der IG Metall im Verwaltungsbezirk Göppingen, der Landtagsabgeordnete Hans Mayr, erklärte in seiner Ansprache, durch die von den Metallarbeitern gewünschte zehnprozentige Lohnerhöhung gerate keineswegs die Währung in Gefahr. Es könnten allenfalls die Riesengewinne der Unternehmer geschmälert werden. Von einer noch höheren Forderung sah er ab, da zum 1. Januar 1962 bereits eine Arbeitszeitverkürzung von 44 auf 42,5 Stunden ohne Lohnkürzung in Kraft getreten sei. Mehrere Tausend Metallarbeiter aus dem Göppinger Bezirk hatten sich im Januar 1962 auf dem Schillerplatz eingefunden, um den Reden zu lauschen und ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, wie die NWZ berichtete. Angesichts ausgeschütteter Rekord-Dividenden, die sich im vergangenen Jahr 1961 um 22 Prozent erhöht hatten, forderten die Metaller ein gewisses Maßhalten von den Arbeitgebern.

Die Kündigung aller regionalen Tarifverträge in der Metallindustrie durch den Arbeitgeberverband am 30. November 1961 bezeichnete Redner Mayr als "Angriffshandlung" gegen die Arbeitnehmer in der Metallindustrie. Er erklärte ferner, die Arbeitgeber hätten kürzlich auf einer Tagung in Frankfurt unter anderem vereinbart, bei den sogenannten freiwilligen Sozialleistungen stärkste Zurückhaltung zu üben. Darüber werde in den Werkszeitungen aber nichts geschrieben, weil die Arbeitnehmer nicht merken sollten, was tatsächlich gespielt werde. Scharfe Kritik übte Mayr auch am Regierungspräsidenten, der den Einsatz von Lautsprecheranlagen bei den Gewerkschaftskundgebungen verboten und erklärt habe, die Lohnauseinandersetzung in der Metallindustrie sei keine Angelegenheit, die die gesamte Bevölkerung interessiere.

In zahlreichen anderen Berufszweigen habe es im abgelaufenen Jahr 1961 Lohnerhöhungen und Urlaubsverbesserungen gegeben. "Die Metallarbeiterinnen und Metallarbeiter aber werden ihren Kampf gewinnen", orakelte Mayr und schloss damit seine mehrfach von Beifall und Zustimmungsbekundungen unterbrochene Rede.

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