Mehr Ökologie für Landwirtschaft?

Realist trifft Optimist: In einem "schwarz-grünen" Streitgespräch diskutierten Kreisbauernchef Hermann Färber und der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner über Chancen und Risiken der Agrarreform.

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Diskutierten über die anstehende Agrarform: von links Kreisbauernverbandsvorsitzender Hermann Färber, Moderator Prof. Dennis De, Grünen-Abgeordneter Harald Ebner. Foto: Staufenpress

Obs eine echte Agrarreform wird oder nur ein Reförmchen, wie es Moderator Professor Dennis De, Bundestagskandidat der Grünen, in den Raum stellte: 50 Milliarden Euro können EU-weit neu ausgerichtet werden. Wen will man damit stärken?

Hermann Färber, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, ist schon zufrieden, wenn die verbliebenen bäuerlichen Familien ihr Auskommen haben und Zukunftssicherung betreiben können. Harald Ebner, Grünen-Abgeordneter und Agraringenieur aus dem Hohenlohischen, will mehr: Landwirte sollen auf den Bio-Regio-Trend setzen, den der Verbraucher honoriere, das Verbraucherinteresse an guten Standards der Tierhaltung nutzen und Flächen ökologischer bewirtschaften. Jetzt sei die Chance, EU-Gelder von Großbetrieben zu bäuerlichen Familienbetrieben umzulenken. Vorsicht, sagt Färber: Er habe im Osten und Norden der Republik Betriebe mit Tausenden von Hektar und Tieren gesehen, aber davon lebten dort auch je zwei Dutzend Familien.

Streitpunkt Ökoflächen: In der EU werde diskutiert, Zuschüsse teilweise von ökologischen Vorrangflächen abhängig zu machen, was in Deutschland fälschlicherweise als Flächenstilllegung interpretiert werde, sagt Ebner. Diese sieben Prozent Fläche könne der Landwirt für Eiweißpflanzen nutzen, für Energiepflanzen außer Mais oder auch als Wiese - jeweils ungedüngt -, um damit bestes Heu für eine weniger intensive Tierhaltung zu bekommen.

Färber kann damit wenig anfangen. Er habe auch schon Erbsen angebaut, also eine Eiweißpflanze, könne sie aber nur begrenzt verfüttern. Wenn man die sieben Prozent Fläche nutzen könne, sei es ihm recht - aber diskutiert würden 15 Prozent. "Wozu 15 Prozent Eiweißpflanzen?" fragt er. Der Bauernverband sei gegen jedwede Stilllegung, es gebe bundesweit schon 18 Prozent ungenutzte Flächen, auf denen Feldgehölze und ähnliches stehe.

Ebner blickt nach vorne: Man brauche Pflanzen-Züchtungen mit höherem Eiweißgehalt, das sei jahrzehntelang verschlafen worden. Eine Umstellung auf ökologische Vorrangflächen könne das anstoßen wie früher das EEG-Gesetz die Fotovoltaik-Entwicklung.

Streitpunkt Gentechnik: Die Landwirte seien nicht dafür, sagt Färber, sie fänden sich damit ab, dass zur konventionellen Tierhaltung genverändertes Soja nötig sei. Anderes sei entweder viel teurer, was der Verbraucher nicht bezahle, oder gar nicht mehr auf dem Markt. Er habe nichts gegen eine Kennzeichnung von gentechnikfreiem Fleisch, die Ebner fordert. Ein Teil der Verbraucher werde das kaufen. Nur: Die Kosten für zwei Vertriebsschienen, die jeweils ihre Logistik bräuchten, werde an den Landwirten hängenbleiben.

Einig waren sich Färber und Ebner, dass weltweit gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen müssten. Niemand habe während der BSE-Hysterie argentinische Rinder untersucht, zürnt Färber, und die deutschen Hühnerfarmen seien durch das Käfigverbot ins Hintertreffen geraten. Die Referenten forderten auch, dass Landwirtschaft wertgeschätzt werden müsse. Davon sei man weit entfernt, weiß Färber. Sie stehe mit der "Vermaisung" und Biogasproduktion völlig ungerechtfertigt in der Kritik.

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