Medienorgel: ausstellung in der Kunsthalle

Ihre Maschine transformiert Gedankengut und Bilder. Seit dem Wochenende zeigt die Kunsthalle Göppingen die 6. Episode einer Musikorgel der Künstler Bernhard Bretz und Matthias Holliger.

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Bernhard Bretz und Matthias Holliger gehen in ihrer Schau "Medienorgel_Episode 6" der Frage nach, wie Medien gemacht, wie Informationen wahrgenommen und verarbeitet werden.  Foto: 

Fragmente von Gebäuden sind zu sehen. Außenansichten vom Haus des Rundfunks in Berlin, die Häuser von ARD und ZDF, das Telekom-Gebäude, auch Bruchstücke vom Göppinger NWZ-Haus in der Rosenstraße - unter- und übereinandergereiht und mit Farbflächen versetzt auf einer Länge von zehn Metern. Eine Collage, die im angedeuteten Halbrund den großen Saal der Göppingen Kunsthalle teilt. Es ist die übergroße Partitur zur Installation der "Medienorgel_Episode 6" des Künstlerduos Bernhard Bretz (Eislingen/Berlin) und Matthias Holliger (Basel/München).

Nach Ausstellungen in Luzern, Wien, Tianjin (China), München und Karlsruhe spielt die Orgel seit dem Wochenende nun in Göppingen auf und transformiert die Kunsthalle in einen fiktiven Konzertsaal.

Die Begriffe "Transformation" und "Fiktion" sind wichtig. Denn die Orgel ist zwar real, dennoch versinnbildlicht sie eine komplexe, fiktive Maschinerie, die über Computerprogramme Bilder in Klänge transformiert, neue Bilder gestaltet und unmittelbar danach wieder auflöst. Ein imposantes Gebilde, eine Apparatur des Zufalls, die ständig neue sich überlagernde Wahrnehmungen produziert.

Bernhard Bretz und Matthias Holliger sind mit ihrer Apparatur der Frage nachgegangen, wie und wo Medien gemacht werden, wie Informationen wahrgenommen und verarbeitet werden. Was davon am Ende übrig bleibt ist eine individuell höchst unterschiedliche, augenblickliche, sich ständig verändernde Wahrnehmung einer (vermeintlich realen) Welt.

Die Orgel selbst ist ein roh zusammengezimmertes Gebilde mit einem Display. Dort erscheinen Bildsequenzen aus dem Inneren jener Mediengebäude von der Partitur. Aus Orgelpfeifen, die wie Säulen um sie herum aufgebaut sind, tönt die Transformation. Bretz/Holliger haben vor zehn Jahren mit der Entwicklung ihrer Medienorgel begonnen. Skizzen und Zeichnungen zur Entstehung und Ausarbeitung zeigt die Kunsthalle separat in einer Ausstellung im C1-Kabinett.

Ist die Medienlandschaft ein zweckorientiertes Spektakel? Zumindest konfrontiert die Medienorgel in ihrer 6. Episode den hörenden Zuschauer mit der Problematik, wie Informationen gewichtet, automatisiert und in die Welt gesetzt werden können.

Kunsthalle Göppingen. Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 13-19 Uhr, Sa., So. 11-19 Uhr. Ausstellungsdauer: bis 4. November 2012.

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