Marina singt sich einen Urwald in der Zeller Scheune

Was für eine witzig-spritzige Premiere: Erstmals gastierte das Folkjazz-Ensemble Kapelsky und Marina in der Region - genauer in der Zeller Scheune.

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Gibt es auf Kuba einen Dschungel? Marina lässt daran keinen Zweifel. In einem Lied singt sie sich in Buena-Vista-Stilistik einen Urwald mit seltsamen Vögeln, Affen und anderem Getier. Lautmalerisch geht sie im nächsten Song als Weltempfänger auf Sendersuche oder shoutet aus therapeutischen Gründen "Mothafucka"-Electropunk.

Keine Frage: Den Besuchern im heimeligen Ambiente der Zeller Scheune wird einiges geboten. Dabei wirkt die schmächtige Marina neben ihren drei Mitmusikern eher unscheinbar. Aber nur, bis sie anfängt zu singen: Da wird der Auftritt zur bizarren Dada-Show inklusive Grimassen, die Stimme zum Chamäleon: mal kratzig, mal kristallklar, mal röhrend, mal zart - und oft mit "russischem Tremolo", jenem speziellen metallenen Unterton, den man so nicht lernen kann, sondern einfach in sich hat oder eben nicht.

Dabei ist die Kapelle weit mehr als nur Tongeber. Kapelsky verbindet traditionelle osteuropäische Lieder mit Gypsy-Swing, Klezmer und Jazz. Gitarrist Gregor Hengesbach und Bassist Michael Ashauer arbeiten seit 1994 zusammen, Geiger Jani Weichsel ist seit zwölf Jahren dabei. So schaffen die drei spielerisch die rhythmisch-harmonische Basis, von der aus sie - allesamt glänzende Musiker - immer wieder zu virtuosen Soli aufbrechen.

Skrupellos werden Fundstücke aus der ganzen Welt ausgeschlachtet: Zarathustra lernt Polkatanzen, Miles Davis atmet den Balkan-Blues, und Britney Spears singt Gypsy-Pop. Eigentlich, weiß Kapelsky, heißt Britney ja Swetlana Sibiljanowitzki, aber berühmt wurde sie erst in USA, wo sie wasserstoffblondiert "Oops, I did it again" sang. (In der Scheune ist natürlich die russische Originalversion zu hören.)

Und wie steht's um die russische Folklore? Schlecht. Erst muss das Publikum den Part des im Schnee stecken gebliebenen Kosakenchors übernehmen ("Hej!"), dann zeigt Marina auf drastische Weise, welche verheerenden Folgen der übermäßige Genuss des Klassikers "Schwarze Augen" haben kann.

So spielen sie mit Klischees, geben augenzwinkernd slawischem Kulturgut die Sporen und starten zum nächsten Parforceritt durch die Wolgasteppe. Den Besuchern gefällt's prächtig. Spasibo Marina! Spasibo Kapelsky! Spasibo Swetlana!

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