Mainzelmänner am Neujahrsmorgen

Sie rücken aus, wenn andere noch in den Federn liegen: Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Naturschützer und ein Männerkreis sammelten am Neujahrsmorgen Böller, Raketen und Flaschen auf.

|

Eislingen, 5.30 Uhr: In der Alten Post beginnen Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Gemeinde ihre alljährliche Putzaktion mit Gebeten und einem Frühstück. Seit 20 Jahren putzen die zumeist aus Pakistan stammenden Ahmadiyya-Muslime des Kreises den Silvestermüll in Eislingen und seit einigen Jahren auch in Göppingen weg. So wie ihre Glaubensbrüder in den rund 250 anderen Ahmadiyya-Gemeinden in Deutschland unter dem Motto "Liebe für Alle, Has für keinen".

Ihre Motivation sei die im Koran geforderte Liebe zur Menschheit, erklärt Badar Kahloon. So ist die gelebte Nächstenliebe ein zentraler Bestandteil dieser muslimischen Glaubensgemeinschaft. Am christlichen Weihnachtsfest besuchten die reformorientierten Muslime Senioren in Altenheimen, die keine Angehörige haben. "Hier ist unsere Heimat. Deshalb nehmen wir uns selbst in die Pflicht. Wir wollen Deutschland etwas zurückgeben. Als Dank für die Geborgenheit, die wir hier gefunden haben, sagt Badar Kahloon.

Eislingen ist mittlerweile so etwas wie das Zentrum der Gemeinde im Landkreis geworden. Und das nicht nur wegen der alljährlichen Putzaktion. Auch die regelmäßigen Treffen sowie Informationsveranstaltungen finden meist in Eislingen statt. Hier erfährt die liberale Muslim-Gemeinde Unterstützung durch die Stadt: "Wir können unsere Treffen in der Alten Post abhalten, freut sich Badar Kahloon. Mit dem Integrationsbeauftragten der Stadt, Bernd Letzel, wurden bereits Gespräche geführt und auch die Aufnahme in das Forum für Integration ist geplant. Im Nachgang zum Opferfest fand am 3.12. eine Informationsveranstaltung der Reformbewegung innerhalb des Islam in der Alten Post statt. "Wichtig ist uns der interreligiöse Dialog, erklärt Badar Kahloon. Er ist Mitglied der Jugendgruppe der Gemeinde, die für die alljährliche Putzaktion verantwortlich ist. "Es machen aber auch Mitglieder der Gesamtgemeinde mit, betont Kahloon.

Besonders gefreut hat die Ahmadiyyaten, dass in den letzten Jahren auch Eislinger Bürger tatkräftig mitgeholfen haben, sagt Ahmed Ijaz, der die Putzete am Neujahrsmorgen leitete. Im letzten Jahr packte auch Bürgermeister Klaus Heininger mit an.

Die Zusammenarbeit auf dem kleinen Dienstweg hat sich in Eislingen bewährt. Müllsäcke, Besen, Schaufeln und was sonst noch benötigt wird stellt die Stadt Eislingen. Der Einsatz der Ahmadi-Muslime entlastet die Bauhof-Mannschaft.

Bereits nach der ersten halben Stunde konnte Ahmed Ijaz am Neujahrsmorgen die Bilanz ziehen, dass in diesem Jahr viel weniger Raketenmüll anfalle. Statt der üblichen rund 75 Säcke wird es wohl in diesem Jahr nur rund die Hälfte sein, überschlug Ijaz kurz nach 7 Uhr. Offen bleibt die Frage, ob die Bürger inzwischen eher ihren Müll wegräumen oder schlicht weniger geballert wurde. Um 9 Uhr zog die Putzkolonne dann nach Göppingen weiter um auch dort für saubere Straßen zu sorgen.

Einige Kilometer weiter säuberten rund 15 andere Freiwillige die Umgebung. Mitglieder des Naturschutzbunds (Nabu) lasen zusammen mit dem Männerkreis Hohenstaufen ab zehn Uhr abgebrannte Raketen, Silvesterkracher und leere Flaschen im Naturschutzgebiet Spielburg am Hohenstaufen auf. Auch sie hatten weniger Arbeit als im Vorjahr. Der Koordinator der Aktion, Wolfgang Rapp, schickte deshalb einige Helfer zum Aasrücken, um dort die Überreste der Silvesterschießerei zu beseitigen.

Kommentieren

Kommentare

04.01.2012 11:40 Uhr

RE: Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Naturschützer und ein Männerkreis sammelten am Neujahrsmorgen...

Vielen Dank!
Ich werde Ihren Vorschlag weiterreichen.

"Charity begins at home":
In Kooperation mit der Stadt Eislingen und Göppingen wird uns seitens dem jeweiligen Bauhof eine Art "Plan" aufgestellt, wonach wir uns richten.

Die Beseitigung in unmittelbarer Nachbarschaft, was der AMJ-Gemeindemitglieder betrifft, wird individuell gehandelt.

Antworten Kommentar melden

04.01.2012 02:26 Uhr

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Naturschützer und ein Männerkreis sammelten am Neujahrsmorgen Böller,...

Ich finde es sehr gut, dass die junge Mitglieder der Ahmadiyya alljählich den Silvestermüll beseitigen und nicht vergessen, die Medien zu deiser Wohltat einzuladen. Wie wäre es aber, wenn diese junge Männer dies anstatt an den zentralen Plätzen zu tun zunächst in ihren eigenen Straßen und Wohnanlagen den Silvestermüll besitigen, den sie vielleicht selbst oder ihre unmittelbare Nachbaren verursacht haben. Das wäre ein gutes Beispiel und Vorbild für die Nachbarschaft und mehr wirksam. ''Cahrity begins at home'' sagte der Volksmund.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo