Magische Wörter

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Liesel (Sophie Nélisse) ist "Die Bücherdiebin". Foto:Twentieth Century Fox

Die Suche nach Liesel war das Entscheidende. Wie sollte es sein, das Mädchen, das auf der Leinwand zur "Bücherdiebin" wird? Das die Titelheldin jenes Romans von Markus Zusak verkörpert, der zum internationalen Bestseller avancierte und inzwischen in zahlreichen Sprachen erschienen ist? Ein Kind, das neugierig, temperamentvoll, unschuldig und intelligent sein konnte - draufgängerisch und verwundbar zugleich, das suchten die Macher des Films, der nun in die Kinos kommt.

Im Jahr 2005 hatte der Australier Zusak "Die Bücherdiebin" ("The Book Thief") veröffentlicht - zunächst in seiner Heimat, drei Jahre später auch in deutscher Übersetzung. Der Roman eroberte die Bestsellerlisten und die Kritiker gleichermaßen. "Ein Buch auch, über das man beinahe so viel Gutes sagen möchte, wie es Seiten hat", schrieb etwa die "Jüdische Zeitung". Seiten hat es knapp 600. Eine "bewegende Geschichte über das ganz normale Alltagselend und das Überleben der Deutschen während des Dritten Reiches" ("Mail on Sunday").

Genau jenes Alltagselend und Überleben zeigt Brian Percivals ("Downtown Abbey") einfühlsame Verfilmung. Sie erzählt von der neun Jahre alten Liesel Meminger, die 1939 zu einer Pflegefamilie ins fiktive Molching bei München gebracht wird. Ihr kleiner Bruder stirbt auf der Fahrt dahin und wird beerdigt - und die Bücherdiebin schlägt zum ersten Mal zu: Sie, die noch nicht lesen kann, nimmt ein Buch an sich, das einem Totengräber aus der Tasche fällt - "Das Handbuch für Totengräber". Es ist auch jener Moment, in dem der Tod zum ersten Mal die Bücherdiebin sieht. Zusak, dessen aus München und Wien stammende Eltern die Bombennächte des Krieges miterlebten, wählte gerade ihn als Erzähler seiner Geschichte: "Der Tod war im Zweiten Weltkrieg allgegenwärtig, deshalb erschien es mir einleuchtend, dass er die Geschichte erzählt." Auch das Geschehen im Film kommentiert der Tod - in der deutschsprachigen Fassung mit der markanten Stimme von Schauspieler Ben Becker.

Doch es ist Liesels Sicht, aus der die Zuschauer das Nazi-Deutschland erleben: Wenn die wildfremden Hubermanns plötzlich zu ihren neuen Eltern werden, wenn der Jude Max im Kellerversteck Unterschlupf findet, und wenn sie mit ihrem Freund Rudi und den Bewohnern der Himmelstraße Tragisches, aber auch immer wieder Momente des Glücks und der Hoffnung erlebt. Erst stiehlt sie das Totengräber-Buch, dann eines aus den Flammen der Verbrennung - die Macht der Wörter und die Magie der Bücher helfen Liesel, dem Grauen zu entfliehen und sich ihm zu widersetzen.

Die aufwendige Hollywoodproduktion, die in den Babelsberger Studios entstand, besticht durch wunderbare Bilder gewissenhaft ausgestatteter Szenerien. Kameramann Florian Ballhaus führte schon bei Bestsellerverfilmungen wie "Der Teufel trägt Prada" oder "Die Frau des Zeitreisenden" die Kamera. Die Aufnahmen, in denen die ruhig erzählte, gelegentlich zu langatmig geratene Geschichte auf die Leinwand kommt, beeindrucken zur Musik von Altmeister John Williams, der damit gerade wieder für den Oscar nominiert war. Auf allzu schreckliche Darstellungen des Nazi-Terrors verzichtet der ab sechs Jahren freigegebene Film allerdings. Stars wie Emily Watson, zuletzt unter anderem in Spielbergs "Gefährten" zu sehen, sowie Geoffrey Rush, Oscarpreisträger ("Shine") und als Sprachtrainer in "The Kings Speech" gefeiert, überzeugen als Pflegeeltern Hubermann. Doch es ist Sophie Nélisse als Liesel, die "Die Bücherdiebin" auch auf der Leinwand zu etwas Besonderem macht.

Zusak selbst hatte in dem kanadischen Teenager seine Liesel erkannt, als er sie im Film "Monsieur Lazhar" sah. Obwohl die heute 13-Jährige auch schon auf der Liste der Filmemacher stand, blieb die Besetzung dennoch offen. Als Kunstturnerin träumte Sophie noch von einem Start bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016. Doch nach einer Verletzung las sie das Drehbuch - und entschied sich für Liesel.

Auf einen Blick vom 13. März 2014
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