Märklin-Übernahme eine "Riesenchance"

Die vierjährige Suche nach "dem Unternehmer mit Herzblut" ist abgeschlossen. Die Reaktionen auf die Übernahme von Märklin durch den Fürther Bobby-Car-Hersteller Simba Dickie sind überschwänglich .

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Einigung perfekt: Märklin-Treuhänder Michael Pluta, Simba-Chef Michael Sieber und der PR-Berater von Simba Dickie, Stephan Heller (v.l.). Foto: Daniel Karmann/dpa

Die Glückwünsche zur "Traumhochzeit der Spielwarenbranche" fielen am Donnerstag in Göppingen geradezu überschwänglich aus. Vor allem in der Führungsetage von Märklin herrschte eitel Sonnenschein, als Simba-Dickie-Chef Michael Sieber und Märklin-Treuhänder Michael Pluta gestern Nachmittag in Fürth ihre Unterschriften unter den Kaufvertrag gesetzt hatten. Pluta sieht sich in seinen Bemühungen um einen "Unternehmer mit Herzblut" bestätigt. "Die vollständige Bedienung ausstehender Forderungen und die Weiterführung der Geschäftstätigkeit wird garantiert - eine sehr positive Entwicklung", so der Ulmer Anwalt. In der Tat dürfen sich die 1350 Gläubiger, darunter die Göppinger Kreissparkasse, über eine Quote von 100 Prozent freuen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Einst hatte Pluta für Märklin 60 Millionen Euro gefordert.

Geschäftsführer Wolfrad Bächle sieht eine "Riesenchance für Märklin". Für den Modellbahnbauer sei das ein Glücksfall. Der Fürther Bobby-Car-Hersteller sei breit und vielschichtig aufgestellt und könne dem Göppinger Traditionsunternehmen gerade in der Spielzeugbranche Türen öffnen, so Bächle. "Die Stärken von Simba Dickie liegen im Einkauf und in der Distribution." Damit böten sich für Märklin ganz neue Möglichkeiten und Märkte. Der Zusammenarbeit mit Florian Sieber, der neben ihm und Stefan Löbich dritter gleichberechtigter Geschäftsführer wird, sieht Bächle positiv entgegen. Er habe Florian Sieber und seinen Vater Michael als bodenständige und vertrauenswürdige Unternehmer kennengelernt. Sie wollten die rund 1000 Arbeitsplätze in Göppingen und im ungarischen Györ erhalten.

Tatsächlich soll am Stammsitz in Göppingen auch zukünftig das Zentrum für Entwicklung und Fertigung von hochwertigen Artikeln bleiben. Im ungarischen Györ soll weiterhin das Herzstück der Kernproduktion sein.

Auch Betriebsratschef Georg Geiger ist zuversichtlich. "Die neuen Arbeitsverträge beinhalten eine Beschäftigungssicherung bis 2019. Für uns ist das ein gutes Signal." Mit der schriftlichen Zusage von 98 Prozent der 480 Mitarbeiter in Göppingen, Abstriche gegenüber dem gültigen Flächentarif um weitere fünf Jahre ab 2014 fortzuschreiben, hatten die Mitarbeiter eine wichtige Bedingung des Bobby-Car-Herstellers erfüllt. Betriebsratschef Geiger hofft auf die weltweiten Verkaufs- und Vertriebskanäle von Simba-Dickie. Tatsächlich will Michael Sieber den Exportanteil der Märklin-Gruppe deutlich erhöhen. "Hier kann die Simba Dickie Group mit ihrer Auslandserfahrung Märklin sicher tatkräftig unterstützen", sagte der neue Eigentümer gestern.

Auch die IG-Metall-Bevollmächtigte Renate Gmoser, die mir ihrer Forderung nach einer Rückkehr von Märklin in den Flächentarifvertrag gescheitert war, beurteilt die Märklin-Übernahme positiv. "Ich begrüße das, weil es sich um einen strategischen Investor handelt." Die Belegschaft habe sich entschieden, Simba entgegenzukommen. "Das haben wir zu respektieren."

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