Unübersichtliche Struktur der Parkhaus GmbH

Vor 50 Jahren fiel die Entscheidung, das Parkhaus Friedrichstraße zu bauen. Die Verwaltungs-GmbH blieb immer in Familienhand. Die gewinnbringenden Anteile zu kaufen, ist für Normalbürger nahezu unmöglich.

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    Vor 50 Jahren fiel die Entscheidung, das Parkhaus Friedrichstraße zu bauen. Foto: 
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    Die Struktur der Parkhausgesellschaft ist auf den ersten Blick unübersichtlich, weil es sich um zwei Firmen handelt. Foto: 
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Am Donnerstag war es auf den Tag genau 50 Jahre her, dass der Gemeinderat einen denkwürdigen Beschluss fasste: In Göppingen sollte als einer der ersten Mittelstädte in Deutschland ein Parkhaus gebaut werden, jenes an der Friedrichstraße, die Westseite begrenzt heute den Kornhausplatz. Zum Zuge kamen allerdings nicht jene Interessenten, die ein Angebot abgegeben hatten – sondern ein lokaler Bauunternehmer und ein Architekt, die den Gemeinderat für ihre Geschäftsidee begeistern konnten.

In der NWZ vom 14. April 1967 liest sich das so: „Unter der Federführung von Georg Meyer-Keller von der Firma Kellerbau KG in Süße trat nämlich noch während der Prüfung der Angebote der verbliebenen Interessenten eine Gruppe von Personen mit eigenen Vorschlägen an die Stadt heran. Deren Vorschläge und Vorstellungen wurden gestern vom Gemeinderat akzeptiert.“

Geplant wurde das Parkhaus Friedrichstraße vom Architekten Klaus Hirschmann. Zu den Initiatoren gehörten neben ihm und dem Bauunternehmer auch der damalige Vorsitzende des Gewerbe- und Handelsvereins, Willy Dreher, sowie dessen Vorgänger Karl Zizmann. „Mit ihnen ... stehen die Vollhafter der Parkhausgesellschaft bereits fest“, schrieb die NWZ am 3. Juni 1967 über die vier Männer. Schließlich stieß die Stadt Göppingen als fünfter Gesellschafter hinzu, jedes Mitglied des Quintetts hält 20 Prozent an der Verwaltungs-GmbH, umgerechnet sind das 8000 Euro.

Das Geschäftsmodell war ebenso einfach wie erfolgreich: Die Parkhaus Verwaltungs-GmbH tritt als Komplementär, also haftender Gesellschafter, der Parkhaus Göppingen GmbH auf. Diese Gesellschaft verkauft wiederum Anteile, mit denen Geschäftsleute ihrer Stellplatzverpflichtung nachkommen können. Der Vorteil dieses Modells lag auf der Hand, die NWZ beschrieb es so: „Während die bisher als Ablösung bezahlten Beträge in Höhe von 7000 Mark verloren waren, stellen sie jetzt als Gesellschaftsanteil einen Vermögenswert dar. Die Erwerber solcher Anteile haben dadurch nicht nur eine Geldanlage, sondern auch die Möglichkeit, jetzt oder auch in Zukunft Einstellplätze im baurechtlichen Verfahren nachzuweisen.“

Wer damals Anteile kaufte, hat einen guten Schnitt gemacht. Denn die wirtschaftliche Situation der Parkhaus-GmbH ist meistens sehr gut. So gab es im Jahr 2015 zehn  Prozent Dividende, in den beiden Vorjahren jeweils neun Prozent. Mittlerweile hat ein Anteil den Wert von 4000 Euro, das machte 2015 also einen Gewinn vor Steuern von 400 Euro. Für sogenannte „nicht gebundene Anteile“, die an keine Stellplätze gebunden sind, gibt es sogar immer noch etwas mehr. Kein Wunder, dass die Geschäftsanteile begehrt sind. Doch zu bekommen sind sie so gut wie gar nicht. Am 31. Dezember 2015 waren 1120 Anteile auf 191 Gesellschafter verteilt. Im Jahr 1990 waren es 1105 Anteile bei noch 213 Gesellschaftern gewesen.

Doch wer verkauft die lukrativen Papiere? Ein Anruf beim Geschäftsführer Hendrik Lang bringt Klarheit. „Da müssen andere Gesellschafter im Prinzip verkaufen“, erläutert er. „Da können Sie sich an Dr. Feil wenden, der entscheidet das.“ Dr. Dieter Feil ist der Geschäftsbesorger der Parkhaus-GmbH, er kümmert sich mindestens seit 1970 um die Geschäfte der Gesellschaft, war aber nie Geschäftsführer.

Der größte Anteilseigner ist die Stadt Göppingen, sie besaß am Stichtag 31. Dezember 2015 insgesamt 167 Anteile zu je 4000 Euro, der Gesamtwert betrug 668.000 Euro. Auf Platz zwei folgt noch vor der Kreissparkasse (46 Anteile) die Frau des Geschäftsbesorgers: Inge Feil hielt Ende 2015 exakt 88 Anteile  im Wert von 352.000 Euro. Im Vorjahr hatte sie 87 Anteile, 2013 waren es 84 gewesen. Anfang der 1990er-Jahre war das Unternehmen Coop noch Groß-Anteilseigner, hatte seine 71 Papiere aber 1992 an die Parkhaus-GmbH verkauft.

Die Liste der Kommanditisten liest sich wie das Who’s Who der Göppinger Geschäftswelt. Aber auch der insolvente Drogeriemarkt-König Anton Schlecker besitzt zwei Anteile. Die Idee hinter der Gesellschaft war ja auch gewesen, eine günstige und lukrative Möglichkeit zur Parkplatz-Ablöse zu schaffen. Die entscheidenden Positionen in dem Konstrukt sind über all die Jahrzehnte in Familienhand geblieben. So sind heute neben der Stadt Göppingen drei Söhne der ursprünglichen Gründerväter Gesellschafter der Verwaltungs-GmbH, darunter auch Geschäftsführer Rolf Dreher. Lediglich den Platz von Karl Zizmann hat kein Familienmitglied eingenommen. Er gehört heute Dieter Feil.

Zum Weiterlesen: Stadt Göppingen erhöht Druck auf Parkhaus GmbH

Geschäftsführung: Die Parkhaus Göppingen GmbH besaß am 31. Dezember 2015 190 Kommanditisten (Gesellschafter) und einen Komplementär (vollhaftenden Gesellschafter). Dies ist die Parkhaus Göppingen Verwaltungs-GmbH, ihr obliegt die Geschäftsführung.

Verwaltungsrat: Kontrolliert wird diese GmbH von einem neunköpfigen Verwaltungsrat. Ihm gehörten am 31. Dezember 2015 an: Jürgen Hilse (Vorsitzender), Dieter Meyer-Keller (stellvertretender Vorsitzender, gleichzeitig Gesellschafter), Peter Hasler, Till Herwig, Wolf Martin, Helmut Renftle (Vertreter der Stadt), Bernd Schlenker, Ursula Thomas-von der Heide, Helmut Wälde.

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