Lotsen im Pflege-Dschungel

Die Zahl der alten und hilfsbedürftigen Menschen steigt. Der Pflegestützpunkt im Landratsamt trägt diesem Trend Rechnung und bietet seit einem Jahr neutrale Beratung aus erster Hand - mit positiver Resonanz.

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Häufig trifft es die Familie aus heiterem Himmel: Der Vater oder der Opa erleidet einen Schlaganfall - und bleibt pflegebedürftig. Die Angehörigen sind hilflos und fragen sich: Was nun? "Oft kommt in so einem Fall nach dem Krankenhaus die Kurzzeitpflege. Und das ist richtig schade", meint Brigitte Krüger-Wiegmann, eine der beiden Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes im Landratsamt. Denn Prävention, das heißt eine frühzeitige Beratung, könne Möglichkeiten aufzeigen, wie der Betroffene mit einem passenden ambulanten Paket zu Hause gepflegt und betreut werden könnte. "Unser Ziel ist, die Leute zu sensibilisieren und sich frühzeitig mit dem Thema zu befassen, damit es eben nicht diese Fünf-vor-zwölf-Lösungen gibt", fügt die Krankenschwester, Fachkraft für Gerontopsychiatrie und Altentherapeutin hinzu.

Brigitte Krüger-Wiegmann und ihre Kollegin Heike Kuhn sitzen seit einem Jahr im ersten Stock des Landratsamts und beraten Betroffene von einem Träger unabhängig, umfassend, individuell und kostenlos. Der Pflegestützpunkt sei gut aus den Startlöchern gekommen, berichten die beiden 50-Prozent-Kräfte. 800 Kontakte habe es in den vergangenen zwölf Monaten gegeben - sei es telefonisch, persönlich oder per E-Mail, in besonderen Fällen werden auch Hausbesuche gemacht. Es geht um Fragen zu Angeboten im Pflege-Dschungel, Leistungen der Pflege- und Krankenkassen oder finanzielle Unterstützung. "Der Grundsatz lautet dabei: ambulant vor stationär", unterstreicht Rudolf Dangelmayr, Leiter des Kreissozialamts. Die Expertinnen vom Pflegestützpunkt haben die Erfahrung gemacht, dass viele Betroffene gar nicht wüssten, welche ambulanten Möglichkeiten, stundenweise Betreuungsformen oder Entlastungsangebote es für pflegende Angehörige gibt. "Daher ist es so wichtig, sich zu informieren, bevor der Pflegefall eintritt", betont Heike Kuhn.

Um die Menschen zu erreichen, rühren wiederum die beiden Frauen vom Pflegestützpunkt in eigener Sache die Werbetrommel. Sie halten Vorträge bei Volkshochschulen oder Krankenpflegevereinen und knüpfen Kontakte in den Pflegeheimes des Landkreises. "Es geht darum, Hemmschwellen abzubauen", fasst Brigitte Krüger-Wiegmann zusammen. Denn viele ältere Menschen täten sich schwer, sich die Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit einzugestehen. "Wir wollen den Leuten Mut machen, Rat und Hilfe anzunehmen", sagt Brigitte Krüger-Wiegmann. Dazu gehöre auch, ein offenen Ohr für Angehörige zu haben, die oftmals am Ende ihrer Kräfte und überfordert sind. "Da fließen auch mal Tränen", erzählt Heike Kuhn. Da sie und ihre Kollegin aus der Praxis kommen, merken sie schnell, wo der Schuh drückt. Die Erleichterung sei dann groß, wenn die Fachfrauen eine Perspektive aufzeigen können. Ein schönes Gefühl für die beiden Frauen, die ihre Arbeit mit Herzblut machen.

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