Liebe, Lust und Leidenschaft mit DTK in Göppingen

Das Phänomen Dieter Thomas Kuhn begeistert noch immer: Mehr als 2200 Retro-Fans feierten in der EWS-Arena mit ihrem DTK eine große Schlagerparty.

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Es war einmal ein blonder Sängerbarde, der ungeachtet seines Erfolgs gesangstechnisch nicht mehr "Über den Wolken" schweben wollte. So trug er fortan sein Haar wild und offen, sagte 1999 "Gute Nacht, Freunde" und hörte auf, als es am schönsten war. Doch der sympathische Schwabe hatte nicht mit der Hartnäckigkeit seiner Fans gerechnet, die sechs Jahre später wieder wissen wollten: "Willst du mit mir gehn?" Seit dieser Zeit ist Dieter Thomas Kuhn, kurz DTK genannt, wieder deutschlandweit unterwegs und begeistert sein altersmäßig bunt gemischtes Publikum.

Schon mit seinem Einstiegssong "Sag mir Quando, sag mir wann" hat der 47-Jährige am Freitag auch das Publikum in der Göppinger EWS-Arena für sich eingenommen. "Einen Abend voller Leidenschaft, voller Lust, voller Liebe", verspricht der Entertainer nach wie vor und enttäuscht keinesfalls, obwohl freilich auch er nicht jünger wird. Das Hemd etwas zugeknöpfter, die Brusthaare nicht mehr ganz so bauschig, die Bauchmuskeln sorgfältig hinter sichtbarem Eigendepot versteckt - doch das ondulierte Blondhaar sitzt noch immer.

Auf seine Weise versteht es DTK, den vielfach verschmähten Schlager salon- und bühnenfähig zu machen. Nicht deshalb, weil er bombe aussieht oder gar eine göttliche Stimme hat - nein, DTK ist schlichtweg Kult und bringt seiner Generation nebst nachwachsender Jugend, für die Bata Illic, Daliah Lavi oder Catarina Valente wohl eher böhmische Dörfer sind, den deutschen Schlager näher - "Volks"-Lieder im Partygewand.

Gekonnt zelebriert Kuhn, der Frauen wie Männer süchtig macht, seine Perlen aus den 70ern. Aufgepeppt mit Samba- oder PolkaElementen präsentiert er "Es war Sommer", "Liebe ohne Leiden", "Tränen lügen nicht" und "Anita". Dazu passt, wie sich rund ein Drittel der Anwesenden ausstaffiert hat: knallbunt, schräg, gewagt, retro, selbst genäht; Perücken, Hüte, Mützen, Schlaghosen, Minikleider und Sonnenbrillen mit Gläsern so groß wie Unterteller; obligatorisch: Sonnenblumen in allen Größen.

Auch Bandmitglieder haben kleidungs- wie frisurentechnisch ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Sieben bis acht Spielmänner unterstützen den Hauptakteur und offenbaren: Auch sie lieben und leben ihre Show. Die Symbiose zwischen DTK, der Band und dem Publikum passt und macht somit jedes Konzert, das irgendwie an Fasching, Kindergeburtstag und Flower-Power-Festival erinnert, zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Allerdings hielt sich in Göppingen für den gut frisierten Sonnyboy die Ausbeute von Damenunterwäsche eher in Grenzen, dafür entsorgte eine ganz Pfiffige ihren Still-BH auf der EWS-Arena-Bühne. Trotzdem erlauben es die Ordner einigen weiblichen Fans, zu ihrem Idol auf die Bühne zu steigen. Die Beglückten tänzeln dann hinter, vor oder neben dem Sänger, himmeln ihn an, überreichen Blümchen oder gar ein Bussi und bekommen manchmal auch Letzteres zurück.

Natürlich sind die Fans textsicher, singen für ihren Star als Massenchor, hüpfen und schunkeln mit. Musik ist Trumpf, die originale Erkennungsmelodie aus Peter Frankenfelds Sendung eröffnet und beendet die 70er-Schlagerfete, zu der man getrost sagen konnte: "Ach, so schön, schön war die Zeit".

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