LEITARTIKEL zum Göppinger Tierpark: Knüppel einpacken

Den vielen tausend Besuchern des Göppinger Tierparks – Familien, Opas, Enkeln und Kindergartengruppen – sind juristische Winkelzüge schnuppe. Sie wollen den Mini-Zoo erhalten. Hier können die Menschen seit Generationen Tiere hautnah erleben.

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Klar ist: Es kommt auf absehbare Zeit kaum in Frage, den Tierpark an einen anderen Ort zu verlegen. Wenn er am Storzenbach geschlossen werden müsste, wäre er für die Bevölkerung vorerst verloren. Deshalb hat die Stadtverwaltung gut daran getan, endlich einen Weg zu beschreiten, den Park aus der Grauzone zu holen. Jahrzehntelang bestand er ohne Rechtsgrundlage. Mit Schwarzbauten wuchs er von der Aquarienausstellung der Zwanzigerjahre zum Kleinzoo heran, ohne dass die Behörden nennenswert Einfluss nahmen. Zwangsläufig – und zu Recht – haben die Anwohner das immer wieder kritisiert.

Die Stadt hat nun keine andere Wahl, als den Dauer-Konflikt mit den Anwohnern ein für allemal zu lösen. Die Verwaltung müht sich nach Kräften, die Geruchs- und Lärmbelästigung zu reduzieren, für eine artgerechte Haltung der Tiere zu sorgen, Auswüchse zu korrigieren und letztlich einen rechtlich wasserdichten Kompromiss zu finden. Selbst die oft uneinsichtigen Betreiber haben inzwischen erkannt, dass sie auf die Anwohner Rücksicht nehmen müssen.

Die Stadt hat sich im Interesse der Tierparkbesucher auf einen steinigen Weg begeben. Es war von Anfang an klar, dass dabei einige Fallstricke warten. Niemand spricht den Anwohnern das Recht ab, juristisch gegen den neuen Bebaungsplan vorzugehen. Offenbar sind manche von ihnen an einem Kompromiss nicht interessiert. Es ist deshalb kein Wunder, dass die Tierparkgegner Munition auspacken, die sie genüsslich Richtung Rathaus abfeuern.

Der Oberbürgermeister sollte solche Scharmützel souverän parieren. Er dürfte in dieser Sache die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich haben. Und doch reagiert er unnötig gereizt. Ewige Wortklaubereien um ein vermeintlich kritisches Gutachten udn mangelnde Transparenz bringen nichts. Auch kein dünnhäutiges Zurückschlagen. Die Devise muss lauten: Alle Fakten auf den Tisch und weiterarbeiten. Mäßigen müssen sich aber auch diejenigen Lokalpolitiker, die jede Möglichkeit nutzen, den Rathauschef bloßzustellen. Dem Kampf um den Tierpark schaden sie damit nur. Man kann allen nur raten, die Knüppel einzupacken und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten – auch wenn der Tierpark dann nur noch ein Streichelzoo ist.

 

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