LEITARTIKEL FRISCH AUF: Über Verstärkung nachdenken

Eine einmal erbrachte gute Leistung zu wiederholen, ist meist schwieriger als der erste Erfolg. Beispiel gefällig: Die Wiederholung des EHF-Pokalsieges von Frisch Auf Göppingen im Jahr 2012 nach dem ersten Cup-Gewinn im Jahr zuvor nötigte der Konkurrenz mächtig Respekt ab.

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Jetzt stehen die Handballprofis des Traditionsvereins wieder im Fokus: Am Freitag beginnt die 50. Bundesliga-Saison und der elffache Deutsche Meister muss sich an seinem fünften Tabellenplatz der vergangenen Runde messen lassen. Nicht nur Trainer Magnus Andersson, in den letzten Monaten für seine gute Arbeit im ersten Jahr unterm Hohenstaufen viel gelobt, weiß, dass das zweite Jahr oft das schwierigere ist, zumal der Schwede mit einigen Problemen zum Punktspielstart kämpft.

Gleich drei Akteure aus seinem 15-köpfigen Kader stehen zu Saisonbeginn nicht zur Verfügung. Rechtsaußen Marco Rentschler wird nach seiner Kreuzband-Operation am Mittwoch erst im neuen Jahr wieder den Ball in die Hand nehmen, Kreisläufer Niclas Barud soll nach seinem Innenbandriss in wenigen Wochen ins Team zurückkehren. Völlig offen ist, wann der französische Weltmeister Kévynn Nyokas wieder ins grün-weiße Trikot schlüpft.

Der Paradiesvogel, der sich auch zu Beginn seiner zweiten Saison mit der Integration im Schwabenland noch schwer tut, arbeitet aktuell im Kraftraum an seiner Rückkehr aufs Spielfeld. Da Felix Lobedank als zweiter Mann im rechten Rückraum auch nicht schmerzfrei ist, weist Frisch Auf ein Defizit im Linkshänder-Bereich auf. Gut, dass der Klub den Spielermarkt beackert, schlecht, dass gute Linkshänder vor allem zu Saisonbeginn eher als Raritäten gehandelt werden. Dass bei Michael Kraus seit dem Einspruch der Nationalen Anti-Doping-Agentur im Oktober 2014 das Urteil durch ein dreiköpfiges Doping-Schiedsgericht weiterhin aussteht, ist eine weitere Unwägbarkeit und zugleich eine Blamage für die deutsche Sportgerichtsbarkeit.

Die Frisch-Auf-Führungsriege lässt sich dadurch so wenig aus der Ruhe bringen wie Göppingens Strafwurf-Spezialist Marcel Schiller an der Siebenmeterlinie. Der Etat wurde auf 5,0 Millionen erhöht, ein Dauerkartenrekord erzielt, neue Gesellschafter stießen hinzu. Langjährige Beobachter monieren allerdings zurecht, dass nach der Zusammenführung von Gesellschaftern und Aufsichtsrat ein siebenköpfiges, bis auf Manager Gerd Hofele sportbranchenfremdes Gremium laut Frisch Auf die zentralen strategischen Entscheidungen trifft – auch hier würde dem Verein noch eine Verstärkung gut tun.

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