LEITARTIKEL · VESPERKIRCHE: Gelebte Solidarität

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Die Göppinger Vesperkirche, die gestern begann, ist ein soziales Projekt der besonderen Art. Das Angebot umfasst weit mehr als ein warmes Essen für Bedürftige: Die Göppinger Stadtkirche wird für sechs Wochen zur täglichen Anlaufstelle und zu einem Ort des Zusammenhalts. Menschen finden Ansprache, erhalten kulturelle und christliche Anregungen und erleben eine Atmosphäre des Zuhörens.

Es ist von den Organisatoren, dem Haus Linde und der Stadtkirchengemeinde Oberhofen, dabei ausdrücklich erwünscht, dass nicht nur jene den Weg in die Kirche finden, die auf Hilfe angewiesen sind. Nein, es sind genauso jene willkommen, die nicht unter Geldsorgen leiden. Nur so kommt es zu wertvollen Begegnungen von Menschen, deren Wege sich im Alltag sonst eher nicht kreuzen, weil sie in unterschiedlichen sozialen Milieus leben.

Die Vesperkirche, das betonen die Initiatoren, ist keine "Armenspeisung", sondern ein Platz gelebter Solidarität. Das ist gut so, denn auf diese Weise finden auch Menschen ihre Würde wieder, die aufgrund ihrer sozialen Lage oft genug um gesellschaftliche Anerkennung kämpfen müssen.

Die Vesperkirche, die in diesem Jahr zum 17. Mal ihre Türen öffnet, ist ein Erfolgsmodell. Doch der Begriff sollte nicht den Blick darauf verstellen, dass das Angebot vor allem deshalb so gut angenommen wird, weil es immer mehr arme Menschen gibt. Das allerdings ist keine gute Nachricht und sollte von all denen als Arbeitsauftrag verstanden werden, die für die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Land verantwortlich sind.

Die Vesperkirche braucht auch Spenden. Wer in den kommenden Wochen die Stadtkirche besucht und nicht auf soziale Hilfe angewiesen ist, sollte daher nicht zögern und seinen Geldbeutel öffnen, um das Projekt zu fördern.

Den wertvollsten Beitrag leisten jedoch die Organisatoren der Einrichtung, an ihrer Spitze Pfarrer Andreas Weidle und der neue Leiter des Hauses Linde, Wolfgang Baumung, die Wilhelmshilfe sowie viele ehrenamtliche Helfer. Ihnen ist es zu verdanken, dass Bedürftige ein kostengünstiges und damit erschwingliches Essen bekommen und Wärme sowie Zuspruch erfahren.

Jeder Mensch sollte sich darüber im Klaren sein, dass Armut kein Stigma eines hermetisch geschlossenen Personenkreises ist. Das Erschütternde in einem reichen Land wie Deutschland ist: Die Zahl derer, die nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, weil ihnen das Geld dazu fehlt, wächst. Und es kann jeden treffen. HELGE THIELE

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