LEITARTIKEL · NAHVERSORGUNG: Letzter Weckruf

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Viel Lob und gute Wünsche hat der Genossenschaftsladen in Bartenbach seit jeher reichtlich geerntet - bis hinauf in die Rathausspitze. Der ehemalige Göppinger Bürgermeister Jürgen Lämmle, der in Bartenbach wohnt, hatte sich sogar mit einem eigenen Anteil an dem Genossenschaftsladen beteiligt. Die Euphorie war groß. Beim Umsatz sah es dagegen immer wieder düster aus. So ernst wie jetzt stand es wohl noch nie um das bürgerschaftliche Projekt.

Das jetzt frühzeitig eingeleitete Insolvenzverfahren ist aber offenbar nicht das Aus. Der Insolvenzverwalter ist zuversichtlich, dass der Laden schnell wieder aus der Insolvenz kommt und es mit einem Sanierungskonzept weiter gehen kann - dafür gibt es in viel größerem Maßstab gute Beispiele.

Das wäre zunächst einmal denjenigen Bartenbachern zu wünschen, die dem zentral gelegenen Geschäft seit sechseinhalb Jahren die Treue halten. Allerdings müssen auch die übrigen Bewohner die Insolvenz als allerletzten Weckruf verstehen. Sie selber haben es in der Hand, mit einem Einkauf dem innerörtlichen Handel auf die Sprünge zu helfen. Dann müssten die Anteilseigner nocheinmal die Finanzspritze zücken und schließlich die ehrenamtlichen Vorstände und Ausfsichtsräte, die in den vergangenen Jahren tausende Arbeitsstunden investierten, bei der Stange bleiben.

Das Auf und Ab des Genossenschaftsladens lässt letztlich die Erkenntnis reifen: Auch ein gutgemeintes soziales Projekt muss sich langfristig selber tragen.

Ein Schlaglicht wirft das alles auf das immer gleiche Dilemma: Alle fordern lebendige Innenstädte und Ortszentren, die zum Verweilen oder Bummeln einladen. Doch schießen immer neue Discounter und immer größere Einkaufstempel aus dem Boden. Viele liegen weit ab vom Schuss. Die gewachsenen Ortszentren bluten aus. Dennoch rollen hunderte Autos auf den überdimensionierten Parkplätzen an. Der Erfolg der großen Märkte gibt den Betreibern schließlich Recht.

Schon vor zehn Jahren kam eine Studie des Verbands Region Stuttgart mit dem Titel "Das Ende der Nahversorgung" zu dem Fazit: "Die Nahversorgung ist Sache der Privatwirtschaft, der Bürger und der öffentlichen Hand. Sie muss auf allen politischen Ebenen angegangen werden. Es geht dabei nicht um Nostalgie oder Rückfall in Provinzialität, sondern darum, neue, auch unter heutigen Bedingungen und angesichts neuer Bedürfnisse tragfähige Strukturen für ein lebenswichtiges Thema zu schaffen. Eine übergreifende Nahversorgungs-Offensive ist überfällig." Klingt gut.

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