LEITARTIKEL · FIRAT ARSLAN: Bewundernswerte Beharrlichkeit

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Seit wenigen Wochen ist Firat Arslan 42 Jahre alt, seit 24 Jahren lebt der Donzdorfer Berufsboxer nach eigenen Worten für seinen Sport. Diese bewundernswerte Beharrlichkeit offenbart der "Kampfmaschine", wie der Schwabe mit türkischen Wurzeln von seinem Kontrahenten bezeichnet wird, heute Nacht den größten Kampf seiner Karriere. In seinem 40. Profifight fordert er den in Bielefeld aufgewachsenen Wahl-Berliner Marco Huck in einem wahren Medienspektakel heraus - rund sechseinhalbtausend Fans des Faustkampfes werden im Gerry-Weber-Stadion im westfälischen Halle sitzen, Millionen vor den TV-Bildschirmen. Nicht zuletzt die ARD dürfte sich über das Zustandekommen des attraktiven Duells zweier Publikumslieblinge freuen, muss sich aber den Vorwurf gefallen lassen, das Spektakel erst zu unverschämt später Stunde zu inszenieren.

Firat Arslans Freude darüber, dass ihn der 27-jährige Huck für eine freiwillige Titelverteidigung auserwählt hat, kann dies nicht trüben. Arslan, zumal Rechtsausleger, ist ein gefürchteter Gegner, dem auch Huck in der Vergangenheit lieber aus dem Weg ging, auch wenn er dem Donzdorfer stets die beiderseitig vorhandene Wertschätzung aussprach. Dabei beeindruckt bei Arslan neben seiner körperlichen Präsenz immer wieder auch seine Qualität als Stehaufmännchen.

Schon im November 2007 belohnte sich der nahe Augsburg geborene Sohn türkischer Eltern nach schwierigen Jugendjahren mit dem Cruisergewichts-Weltmeistertitel des Verbandes WBA, sein enormer Ehrgeiz und sein unbezwingbarer Wille mündeten in der Disziplin, die ein Boxprofi auf dem Weg zum WM-Gürtel benötigt. Seitdem wird Arslan nicht müde, dies bei seinen sozialen Engagements an die nächste Generation weiter zu geben. Er selbst wurde auch in den vergangenen Jahren mehreren Prüfungen unterzogen, die nicht nur innerhalb der Ringseile stattfanden.

Nach dem Verlust des WM-Gürtels im September 2008 wurde der begeisterte Schachspieler unverschuldet Opfer eines schweren Verkehrsunfalls, an Boxen war viele Monate nicht zu denken. Sein Comeback im Juli 2010 endete nach einem Hitzekollaps in der Stuttgarter Porsche-Arena im Krankenhaus, zuletzt missbrauchte der Hamburger Universum-Boxstall Arslans Vertrauen. Aber auch all diese Rückschläge haben den sympathischen Vorzeigesportler nicht umgehauen, geduldig hat er auf das "größte Ereignis" seines Lebens gewartet. Es wäre dem Außenseiter zu gönnen, für die Sensation zu sorgen und Huck zu schlagen.

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Kommentare

04.11.2012 10:23 Uhr

Huck vs Arslan

Für mich hat Arslan klar gewonnen. Das Urteil der Jury ist ein Skandal! Ulli Wegeners Interview nach dem Kampf war entlarvend. Henry Maskes Versuch, den angeblichen Sieg Hucks schön zu reden (...war nur für den Fachmann zu erkennen...) war mehr als peinlich! Arslans Sieg passte wohl nicht ins Gesamtkonzept.

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