LEITARTIKEL · BAUBÜRGERMEISTER: Die Sehnsucht nach Frieden

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Neue Besen kehren gut, lautet ein bekanntes Sprichwort, das gerne auch in der Politik Anwendung findet. Zuweilen ist die Lage dort aber kompliziert: Zu einem neuen Besen gehören immer auch diejenigen, die mit ihm umgehen können. Genau da liegt in Göppingen der Hase im Pfeffer. Für das Amt des Baubürgermeisters haben sich 15 Interessenten gemeldet. Gewählt wird am 3. April, doch schon am kommenden Donnerstag soll der Gemeinderat hinter verschlossen Türen eine erste Vorauswahl treffen.

Die Fraktionen sind gut darauf vorbereitet. Sie haben sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Frage beschäftigt, wer Nachfolger von Olaf Brinker werden soll. Der Amtsinhaber kandidiert zwar wieder, hat aber so gut wie keine Chance auf eine Wiederwahl. Nun werden die Stadträte nach gängigem Prozedere mehrere Bewerber auswählen, die sich ab Mitte März persönlich im Gemeinderat vorstellen dürfen. Und doch pfeifen es die Spatzen seit längerem vom Rathausdach: Nach all den Querelen und Enttäuschungen der vergangenen Jahre ist die Sehnsucht nach Frieden so groß, dass man auf eine interne Lösung setzt.

Das seit Jahren zerrüttete Verhältnis zwischen Olaf Brinker und Oberbürgermeister Guido Till hat Spuren hinterlassen. Das hässliche Wechselspiel zwischen fehlender Wertschätzung auf der einen und Mobbing-Vorwürfen auf der anderen Seite hat viele Stadtpolitiker zur Einsicht geführt, dass der Posten des Baudezernenten nur mit einem Bewerber besetzt werden sollte, der ein Ende des peinlichen und belastenden Kleinkriegs garantieren kann. Viele Stadträte wollen deshalb einen Übergangskandidaten aus der eigenen Verwaltung unterstützen. Helmut Renftle heißt der Mann, der als langjähriger Fachbereichsleiter für Tiefbau, Umwelt und Verkehr Göppingen kennt wie kaum ein anderer und darüber hinaus mit dem Pfund wuchern kann, sowohl mit Till, als auch mit dem Gemeinderat zurechtzukommen.

Unter anderen, normalen Umständen würden und müssten andere Kriterien im Vordergrund stehen, aber dazu ist die Erde in Göppingen offenbar zu verbrannt. Falls der Gemeinderat den knapp 63-jährigen Renftle im April zum neuen Baubürgermeister wählt, hätte dieser bis zum Erreichen der beamtenrechtlich festgelegten Altersgrenze von 68 Jahren immerhin fünf Jahre Zeit, um zu beweisen, dass er mehr stadtplanerische Kompetenz besitzt, als ihm seine - wenigen - Kritiker zubilligen. Renftle fiele außerdem die Aufgabe zu, in der Göppinger Stadtverwaltung das Feld zu bereiten - für einen ganz neuen Besen.

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