Legionellen: 90 Häuser im Kreis betroffen

Auch im Landkreis Göppingen hält das Thema Legionellenbelastung das Gesundheitsamt, die Hausverwalter und Wohnungseigentümer auf Trab.

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Die Zahl der Fälle von meldepflichtigen Legionellenbelastungen in Warmwasser-Anlagen wächst auch im Landkreis Göppingen. Verzeichnete das Gesundheitsamt Mitte Februar noch 53 Objekte, in denen die Belastung als zu hoch gemeldet worden war, so waren es bis gestern schon 90 Gebäude, berichtet Amtsleiter Dr. Heinz Pöhler. In den betroffenen Häusern im Kreis seien zum Teil mehrere Proben auffällig gewesen, so dass sich die Zahl der kritischen Befunde auf 290 summiert. In 28 dieser Fälle war die Zahl der Legionellen so hoch, dass Sofortmaßnahmen eingeleitet werden mussten. Das kann bis zum Duschverbot gehen, wie der Ebersbacher Hausverwalter Günter Besta aus einem 19-Familienhaus berichtet.

Die neue Trinkwasserverordnung schreibt in Häusern mit großen Anlagen Kontrollen vor. Die sollten eigentlich bis Ende 2013 erstmals vorgenommen werden. Dennoch zeige sich, dass auch jetzt noch viele Meldungen eingehen, berichtet Pöhler. Meldepflichtig sind Proben, bei denen Zahl der sogenannten "koloniebildenden Einheiten" (KBE) die Zahl 100 überschreitet, Sofortmaßnahmen sind bei mehr als 10 000 KBE vorgesehen. Immer wird eine Gefährdungsanalyse veranlasst, um Abhilfe zu schaffen. Außerdem sind Nachproben Pflicht. Der Leiter des Gesundheitsamts erklärt, dass seine Behörde manchmal mahnend nachhake. Direkt einschreiten musste das Gesundheitsamt im Kreis bisher nicht.

Auch für die Hausverwalter bedeutet das Thema Legionellenvorbeugung einen enormen Mehraufwand. Immanuel Enkelmann, Chef der gleichnamigen Göppinger Hausverwaltung, berichtet beispielsweise, dass es in zwei der 120 von ihm betreuten Mehrfamilienhäuser erhebliche Abweichungen gegeben habe. Dann wird "das volle Programm abgerufen", erklärt Enkelmann. Dazu gehört, dass das System mit sehr heißem Wasser desinfiziert wird, dass zusätzliche Ventile eingebaut oder Armaturen ausgetauscht werden müssen. Denn die bekannten Risikofaktoren sind neben zu geringer Temperatur in den Anlagen vor allem auch blind endende Leitungsteile oder nur unregelmäßig benutzte Wasserhähne.

Die Probenentnahmen und vor allem die Einbauten von Ventilen verursachen Kosten, die an der Gemeinschaft der Wohnungseigentümer hängen bleiben, was zu Diskussionen führen kann. Je älter und je komplexer die Warmwasseranlage aufgebaut ist und je weiter die Stichleitungen von den Heizkesseln entfernt liegen, desto größer sei die Legionellengefahr, sagen die Experten unisono. Unterschätzen wollen weder der Hausverwalter noch der Gesundheitsamtschef das Thema. Vor allem für Menschen mit reduziertem Immunsystem könne eine Legionelleninfektion eine ernsthafte Gefahr bedeuten, sagt Pöhler. Im Landkreis Göppingen sei in diesem Jahr aber noch kein Fall von Legionärskrankheit gemeldet worden, im vergangenen Jahr waren es acht.

In den 39 öffentlichen Gebäuden der Stadt Göppingen - von der Sporthalle bis zur Schule - die unter die Kontrollpflicht fallen, seien 30 untersucht worden. Ernste Probleme gebe es nicht, wie Pressesprecher Olaf Hinrichsen meldet.

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