Lebensmittel landen nach Stromausfall im Müll

Ein mehrstündiger Stromausfall in Teilen von Süßen und Salach hat am Donnerstagnachmittag bei Anwohnern und Geschäftsleuten für Aufregung und Ärger gesorgt. Lebensmittelgeschäfte waren gezwungen, große Mengen Lebensmittel zu vernichten.

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Wie das Energieunternehmen ENBW auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, hatte ein Bagger auf einer Baustelle in der Süßener Fabrikstraße um kurz vor 13 Uhr ein 10.000-Volt-Kabel beschädigt. Wie viele Haushalte, Läden und Firmen von dem Stromausfall betroffen waren, konnte ENBW-Sprecher Jörg Busse nicht sagen.

Betroffen waren jedoch mehrere Betriebe und Geschäfte, darunter auch „Gebauers Aktiv-Frischmarkt“ in der Süßener Brühlstraße. Inhaber Manfred Gebauer meldete sich bei der NWZ und sagte: „Das ist eine Katastrophe. So einen langen Stromausfall gab es noch nie.“ Um 12.57 Uhr war plötzlich der Saft weg. Kurz darauf wurde das Geschäft geschlossen. „Wir mussten unsere Kunden quasi aussperren“, meinte Gebauer. Mitarbeiter machten sich daran, die Kühltheken auszuräumen. Die Waren wurden mit einem Kühlwagen rasch in andere Filialen gebracht. Trotz sofortiger Reaktion sei dem Unternehmen ein Schaden von 15.000 bis 20.000 Euro entstanden, betonte Manfred Gebauer.

Lebensmittel landen im Müllcontainer

Das Problem: Ist die Kühlkette von verderblichen Lebensmitteln wie Butter, Joghurt, Sahne und Milch für längere Zeit unterbrochen, ist der Lebensmittelmarkt gesetzlich dazu verpflichtet, die Waren zu entsorgen. Die Entscheidung dazu fiel in der Süßener Gebauers Filiale am Donnerstagabend um 17.30 Uhr. "Zum Glück konnten uns die Entsorger nach nur 30 Minuten drei Container liefern", sagt Prokurist Guido Empen vor Ort. Die Mitarbeiter waren gegen 20 Uhr noch damit beschäftigt, vollbeladene Einkaufswagen mit Kühlprodukten palettenweise in den Container auf dem Kundenparkplatz zu entsorgen. In den beiden Containern auf der Rückseite des Marktes landeten die teureren Tiefkühlprodukte. 

Immer wieder sollen Kunden versucht haben, Waren mitzunehmen. "Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, das zu verhindern", erklärte Empen bedauernd. Als sich die Nachricht in Süßen verbreitete, fragten nach kurzer Zeit bereits Vertreter der Kirchen im Markt an, ob sie die Lebensmittel nicht auf eigene Verantwortung abholen dürften, berichtet der Prokurist. Aber das sei verboten. "Wenn wir hier fertig sind, werden die Container abgeschlossen", sagt Empen. Seine Mitarbeiter mussten sogar das schrittweise Befüllen des Containers mit Fotos dokumetieren. Denn laut  Gesetzgeber besteht sonst die Gefahr, dass Unternehmer die Container beispielsweise mit Pappe befüllen und nur oben drauf zum Schein ein Teil der Ware entsorgt werde.

Um sich vor diesem Verdacht zu schützen, muss alles lückenlos festgehalten werden. Bevor die Container am Freitagmorgen beim Entsorger geleert werden, kommen sie auf die Waage und es werden weitere Beweisfotos der Vernichtung gemacht, so Empen weiter. "Wenn jemand diese Produkte isst und davon gesundheitliche Probleme davonträgt, dann haftet der Lebensmittelmarkt." Deswegen gebe es keine andere Möglichkeit, als die Waren zu entsorgen. Immerhin bringen die Entsorger die vernichteten Lebensmittel aus den Containern zur Stromerzeugung in eine entsprechende Verwertungsanlage, so Empen. Am Freitagmorgen hieß es dann für die Mitarbeiter des Lebensmittelmarktes Aufstehen um 5 Uhr: "Wir müssen die Regale mit der neu bestellten Ware wieder befüllen", sagte eine der Mitarbeiterinnen.

Stromversorgung durch Umschaltung

Nach den Worten von ENBW-Sprecher Busse sei die Stromversorgung im Lauf des Nachmittags durch Umschaltungen schrittweise wiederhergestellt worden. Insgesamt seien zehn Umspannstationen betroffen gewesen. Man habe den vom Stromausfall besonders betroffenen Firmen am Nachmittag ein Notstromaggregat zur Verfügung gestellt, so Busse. Die Reparaturarbeiten am beschädigten Kabel in der Fabrikstraße sollten bis zum Abend abgeschlossen sein.

Nach Angaben der ENBW gilt bei Stromausfällen wie in Süßen und Salach das Verursacherprinzip. Das bedeute, dass in der Regel der Versicherer einer Baufirma, die bei Baggerarbeiten ein Kabel beschädige, für den Schaden aufkomme, der Dritten durch einen Stromausfall entstehe. 

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