Landwirte strikt gegen Baugebiet im Dittlau

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Noch sind es die Schlepper der Bauern, die das Bild im Faurndauer Dittlau bestimmen. Doch Flächenbesitzer und Pächter machen mobil. Sie sehen schwere Nachteile bei einer Bebauung.  Foto: 

Der Blick schweift über die weiten Ackerflächen hoch über Faurndau. Im Tal liegt der Stadtbezirk in den letzten Strahlen der Spätherbst-Sonne. Hier oben im Dittlau, gleich neben dem Sportplatz, haben sich einige Landwirte und Grundstücksbesitzer getroffen. Die Stimmung ist aufgeladen. Was die Versammelten, mit Ausnahme von Stadtrat Werner Ziegler, auf die Palme bringt, sind die Pläne der Stadt, auf dem Plateau zwischen Faurndau und Jebenhausen ein Wohngebiet für bis zu 2000 Menschen zu schaffen. Außer Ziegler fühlen sich die versammelten Landwirte und Flächeneigner übergangen. Niemand habe mit ihnen gesprochen, bevor der Oberbürgermeister die Absichten der Stadt präsentierte. Dabei geht es doch um ihren Grund und Boden, schimpfen sie.

Die allermeisten Bauern fürchten, dass ihre Zunft immer weiter ins Abseits rückt. Sie sehen Nachteile bei den Betriebsabläufen und glauben, dass die in Faurndau fein austarierte Balance zwischen Flächeninhabern und Pächtern zusammenbricht. Sie fürchten steigende Preise für Landwirtschaftsflächen und Unfrieden im Ort. Doch sie führen auch die Verantwortung für die Allgemeinheit und die Nahrungsmittelproduktion für die Bevölkerung ins Feld.

„Uns tut es weh, wenn eine so wunderbare Fläche zubetoniert wird“, sagt Edeltraud Zoller, die mit ihrem Mann  Albert zwar selber keine Landwirtschaft mehr betreibt, aber Flächen verpachtet. Und Richard Schurr fordert den nachhaltigen Umgang mit Flächen. Jahrhundertelang sei Faurn­dau in drei wertvolle Ackerbereiche aufgeteilt gewesen: den in den 60er und 70er Jahren bereits zugebauten Haier-Esch, den  Lengen-Esch, der für den Landschaftspark Filstal herhalten muss und den Dittlau-Esch, der nun in den Fokus der Baulandstrategen geraten ist. Es könne doch nicht sein, dass innerhalb einer Generation die ganzen Flächenreserven des Ortes vernichtet würden.

Dabei sind die Landwirte gar nicht dagegen, dass weiterer Wohnraum geschaffen wird, wie Martin Bareis betont, der Obmann der Landwirte im Ort ist. Doch es gehe darum, auch die Alternativen ins Kalkül zu ziehen. Allein in Faurndau gebe es an der Opelstraße, außerdem unterhalb des Haierwalds, an der Kesseltobelstraße und an der Teckstraße oberhalb des Friedhofs noch Baumöglichkeiten, sagt Bareis. „Und warum muss gerade Faurndau den Siedlungsdruck der Stadt Göppingen auffangen?“, fragt er.

Auch Ackerflächen seien schließlich ein landschaftskulturelles Gut, findet Bareis. Und wenn 40 Hektar überbaut werden, bleibe es dabei nicht, denn dann müssten Ausgleichsflächen her – zu Lasten der Landwirtschaft.

Sorgen haben die Betroffenen, dass die Neu-Faurndauer auch noch mehr Verkehr in die Ortsmitte bringen, wo ein Durchkommen heute schon schwierig ist. Immer wieder bezweifeln die Kritiker der Neubaugebietspläne, dass überhaupt viele Faurndauer dort siedeln werden. Das habe schon im angrenzenden Gebiet „Am Berg“ nicht funktioniert.

Hinter dem Verhalten der Rathausspitze stecke strategisches Kalkül, glaubt Reiner Blessing. Die Stadt habe die Pläne schnell publik gemacht, ohne mit den Anrainern zu reden. Nun werde jedem, der dagegen ist, der  Schwarze Peter zugeschoben.

Jedenfalls wollen die Faurndauer Bauern nun das Gespräch mit den Gemeinderatsfraktionen suchen. Und Martin Bareis hat sich vorgenommen, dem OB beim turnusmäßig geplanten Gespräch der Landwirtschafts-Obleute am morgigen Donnerstag die Nöte der Bauern zu verdeutlichen. Eines ist für die Faurndauer Landwirte und Flächenbesitzer klar, wie auch Walter Wagner, Friedrich Hummel und Albert Schwarz betonen: Sie werden vehement gegen das geplante Baugebiet auf den Äckern kämpfen. Und ihre eigenen Flächen werden sie bestimmt nicht hergeben, da sind die Versammelten sich weitgehend einig: „Dann kann die Stadt einen Flickenteppich hier oben entwickeln.“

Knappheit Von den 661 Hektar Faurn­dauer Fläche stünde nur noch die Hälfte der Landwirtschaft zur Verfügung, weniger als in den anderen Göppinger Stadtbezirken. „Wenn jetzt noch 40 Hektar der besten Flächen von diesem Kontingent entzogen werden, dann hat das ganz massive Auswirkungen auf den Flächenmarkt“.

Ein Beispiel ist Martin Dengler: Dem Landwirt gehören von den 14 Hektar, die er auf der Dittlau bewirtschaftet, nur zweieinhalb Hektar. Den Rest muss er pachten. Falle die Fläche weg, müsse er weiter fahren, seine betriebliche Entwicklung werde gehemmt und Konflikte mit der neuen Wohnbevölkerung seien programmiert, wenn Gärten an Weiden grenzen.

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