Landrat Wolff zieht Zwischenbilanz

Ob es nach der zweiten Halbzeit in die Verlängerung gehen wird, lässt Landrat Edgar Wolff offen. Mit seinen ersten vier Jahren ist der Kreischef jedenfalls rundum zufrieden. Und die Arbeit wird nicht weniger.

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Edgar Wolff ist immer am Ball: Am Donnerstag legte der Landrat eine Zwischenbilanz vor, die zeigt, was er in den vergangenen vier Jahren angestoßen hat. Müde ist der 54-Jährige nicht: Ohne Halbzeitpause nimmt er die zweite Hälfte seiner "Spielzeit" in Angriff.  Foto: 

Wäre Landrat Edgar Wolff Fußballspieler, würde er wohl auf allen Positionen zu Hause sein. Einerseits spürt er - wie ein Stürmer - den Drang zum Tor, andererseits muss er immer wieder Angriffe abwehren. Am Donnerstag schlüpfte der Chef der Kreisbehörde in die Rolle des Trainers und hielt eine gut 60 Minuten lange Halbzeitansprache. "Man sollte mal innehalten nach vier Jahren und sich Gedanken machen", meinte der 54-Jährige. Wohl wissend, dass Pausen nicht wirklich sein Ding sind: "Ich bin lieber ein Landrat, den man mal bremsen muss, als wenn irgendwann jemand sagen würde: Da hätte man etwas tun müssen", antwortete Wolff auf die Frage, ob er in kurzer Zeit nicht zu viel wolle.

Der Landrat spannte in seiner Präsentation einen weiten Bogen von der Finanzsituation über die Gesundheitsversorgung und die Verkehrsinfrastruktur bis zur Wirtschafts- und Tourismusförderung. Er sprach die Müllentsorgung und den Klimaschutz an und sah das Landratsamt auf einem guten Weg hin zu einer dienstleistungsorientierten Behörde. Wolff wollte seine Zwischenbilanz "nicht als Personality-Show" verstanden wissen, vielmehr seien die Erfolge der vergangenen vier Jahre "ein Gemeinschaftswerk aller Beteiligten". Es mache ihn zufrieden, dass er sowohl mit dem Kreistag als auch mit der Verwaltung sowie den Städten und Gemeinden gut zusammenarbeite. Bei seinen Begegnungen vor Ort habe er bisher "relativ wenig Kritik mitgenommen", teilte Wolff mit.

Auch die dunkelgrauen Wolken am Finanzhimmel haben sich verzogen: "Diese Krise ist Gott sei Dank vorbei", blickte der Landrat auf das Jahr 2010 zurück, als im Kreishaushalt ein tiefes 20-Millionen-Loch klaffte. Die Verschuldung sei konsequent zurückgefahren worden - eine Situation, die sich mit dem Mammutprojekt Klinik-Neubau natürlich schlagartig ändern werde, unterstrich der Verwaltungschef.

Gesundheitsversorgung oben auf der Agenda

Die Gesundheitsversorgung stehe auch in der zweiten Halbzeit ganz oben auf der Agenda. Klares Ziel sei nach wie vor, beide Krankenhaus-Standorte in kommunaler Trägerschaft zu erhalten und die Defizite weiter zu reduzieren. 2015 soll die Bilanz eine schwarze Null zieren - "leicht wird das nicht", räumte Wolff ein. In wenigen Monaten wird ein neuer Geschäftsführer die Geschicke der Kliniken lenken. "Der Aufsichtsrat hat eine Entscheidung getroffen. Einen Namen kann ich aber noch nicht nennen, weil derzeit letzte Vertragsverhandlungen laufen", gab der Landrat eine Wasserstandsmeldung. Nur so viel: "Wir sind sehr zufrieden mit der Wahl." Die Marschroute sei auch mit dem künftigen Chef unumstößlich: "Ein Neubau ist der einzig richtige Weg. Jetzt sind wir natürlich gefordert, das ordentlich hinzukriegen."

Zufrieden ist der erste Mann im Landratsamt auch mit dem, was die Kreispolitiker in Sachen Verkehrsinfrastruktur und umweltgerechte Mobilität hinbekommen haben. In Anbetracht der Tatsache, dass die Mittel für den Straßenbau knapp beziehungsweise kaum vorhanden seien, "ist es nahezu das Optimum, was wir rausholen konnten", meinte Wolff und nannte die Fertigstellung des B-10-Abschnitts bis Süßen-Ost im Sommer 2011 sowie den Spatenstich für die Süßener B-466-Umfahrung, der am 25. Juli stattfindet.

Der Ausbau der A8 von Mühlhausen nach Hohenstadt habe nach wie vor Priorität, wann es jedoch so weit sein wird, vermochte der Landrat nicht zu sagen. In Sachen ÖPNV habe der Kreis einige Erfolge verbuchen können - zum Beispiel die Gründung des Filsland-Mobilitätsverbundes, die Einführung des Studitickets sowie jede Menge Vorarbeiten für den gewünschten S-Bahn-Anschluss in den Landkreis. "Wir können nicht schneller, denn wir sind fremdbestimmt", spielte Wolff auf den Einfluss der ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm an. Die Entscheidung soll Anfang kommenden Jahres fallen - "ich würde mich freuen, wenn sie positiv ausfällt".

In Sachen Bildung und Soziales und der Abfallwirtschaft könne sich der Landkreis ebenso sehen lassen wie in den Bemühungen, den Tourismus anzukurbeln. Allzu große Erwartungen wollte Edgar Wolff jedoch nicht wecken: "Der Landkreis Göppingen ist eben nicht der Bodensee und nicht der Schwarzwald", dennoch sei man auf einem guten Weg. In diesem Zusammenhang räumte der Landrat ein, dass das Aus für einen Baumwipfelpfad bei Wiesensteig "eine riesengroße Enttäuschung" gewesen sei. "Dem trauere ich immer noch nach."

Viel mehr Tiefschläge - oder Eigentore - fallen dem unermüdlichen Schaffer derzeit nicht ein. Nach einer Stunde holt Edgar Wolff Luft und guckt in beeindruckte Gesichter. Wenn er so viel losgetreten hat, was war dann vorher? "Ich bewerte die Zeit vor mir ausdrücklich nicht", betont der Landrat. Und was kommt nach der zweiten Halbzeit? Der Abpfiff oder Verlängerung? "Ich strebe an, gesund zu bleiben. Dann kann ich mir alles vorstellen. Über eine zweite Amtszeit denke ich aber momentan nicht nach." Kein Wunder: Eigentlich müsste Wolff schon seit einer halben Stunde beim nächsten Termin sein.

Die zweite Halbzeit ist schon angepfiffen
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