Landrat Wolff reagiert auf Kritik von OB Amann

"Mir fehlt für Ihre Kritik jegliches Verständnis." In ungewöhnlich scharfem Ton weist Landrat Wolff die Kritik von Geislingens OB Amann an Plänen für einen Klinikneubau und der VVS-Kooperation zurück.

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Da ist Musik drin: "Ihre Kritik ist nicht nur in der Sache nicht gerechtfertigt. Vielmehr führt sie dazu noch völlig unnötig zur Verunsicherung und zu Misstrauen." Das schreibt ein hörbar verärgerter Landrat Edgar Wolff dem Geislinger Oberbürgermeister Wolfgang Amann ins Stammbuch.

Der OB hatte, wie berichtet, seinerseits mit deutlichen Worten seine Bedenken formuliert gegen das Verfahren und die finanziellen Konsequenzen, die er beim erwogenen Abriss der Klinik am Eichert in Göppingen und einem Klinikneubau befürchtet. Dass die Kreisumlage noch weiter steigt, erwartet er auch für den Fall, dass der Kreis mit dem Stuttgarter Verkehrsverbund (VVS) mit einem S-Bahnverkehr kooperiert, zumal Geislingen daraus keinen Nutzen ziehe.

Wie sicher der Standort Helfenstein-Klinik nach der Kehrtwende hin zu einem Klinikneubau in Göppingen ist, hatte Amann zudem besorgt gefragt. Es müsse doch in beider Interesse liegen, das "sensible Thema der Zukunftssicherung unserer beiden Klinikstandorte gemeinsam zu stemmen", hält Wolff in einem Antwortschreiben nun Amann vor. Es sei "wahrlich schwer genug", unter immer schwierigeren Rahmenbedingungen den dauerhaften Erhalt beider Kliniken in kommunaler Trägerschaft zu gewährleisten. Nun eröffne ausgerechnet Amann eine unnötige Diskussion und liefere gleich Argumente gegen die Helfenstein-Klinik.

Amann hatte vorgebracht, das Ärztehaus, das dort derzeit entsteht, funktioniere auch ohne Klinik und sei kein Beweis für deren Zukunftssicherung. Der Landrat bestätigt, dass das erste und das aktuelle HWP-Gutachten zur Klinik am Eichert "unterschiedliche Aussagen" enthalten. Einmal pro Sanierung, einmal pro Abriss und Neubau - Amann hatte die Seriosität der Gutachten infrage gestellt. Wolff nimmt den Kreistag in Schutz, der, entgegen Amanns Eindruck, natürlich die HWP-Zahlen kritisch hinterfrage. "Sie prangern die Aussagen der Gutachter öffentlich an. Dabei wäre es besser, sich mit den Inhalten der Gutachten zu befassen", schreibt Wolff an Amann. Der OB misstraut den HWP-Aussagen - nachprüfen kann er sie in der Tat nicht, weil das Vollgutachten nur wenigen vorliegt. Dem Geislinger OB gingen vom Landratsamt bisher keinerlei Informationen zu.

Hinsichtlich des Nahverkehrs gen Stuttgart, legt der Landrat dar, sei keine teure VVS-Vollmitgliedschaft geplant, sondern nur eine Teilintegration. Dass die eine Kreisumlagenerhöhung von vier Punkten koste, wie sie Amann für die Vollmitgliedschaft nannte, sei "völlig unrealistisch". Der Landrat bestätigt, dass zeitgleich die Einbindung Geislingens in die Nahverkehrsgesellschaft Donau-Iller (Ding) vorbereitet wird. Seine Kritik am Geislinger OB: "Warum fordern Sie dies öffentlich, wo Sie doch wissen mussten, dass der Landkreis bereits dabei ist, dies vorzubereiten?" Anstatt in Gesprächen mit dem Kreis diese Entwicklungen konstruktiv zu begleiten, stelle Amann den Landkreis "einmal mehr auch hier an den Pranger".

Demgegenüber bemängelt der Geislinger OB, die Stadt habe trotz mehrfacher Nachfrage vom Landratsamt keine Auskunft erhalten. Wolff unmissverständlich: "Ich bitte Sie ausdrücklich und einmal mehr, unsere Arbeit durch Ihre immer wieder öffentlich geäußerte Kritik nicht unnötig zu erschweren. Bevor Sie Kritik üben, sollten Sie das Gespräch mit uns suchen bzw. sich umfassend informieren."

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Kommentare

21.09.2012 12:11 Uhr

Ist ja klar...

dass Kritik an solch einem (fragwürdigen?) Prestigeprojekt unerwünscht ist. Kann man sich doch gegenüber der Außenwelt wieder profilieren. Natürlich ist es legitim und gegenüber den Bürgern auch die Pflicht, zu hinterfragen, ob ein Neubau wirklich notwendig ist. Vor allem mit den Informationen, dass ein früheres Gutachten derselben Beraterfirma nur ca. 80 (statt jetzt 450) Millionen Euro für eine Sanierung veranschlagt hatte. Ob diese Information richtig ist, kann und will ich nicht nachprüfen. Es wäre doch schön, wenn Politiker den nötigen Respekt gegenüber den Bürgern an den Tag legen würden, um EHRLICH zu sein und VERANTWORTUNGSVOLL mit den Steuergeldern umgehen würden.

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