Landkreis hat Hochwasserschutz im Blick

Immer wieder kommt es zu sintflutartigen Regenfällen mit Überschwemmungen. Grund für die Kreisräte, sich mit dem Hochwasserschutz zu befassen. Fazit: Es ist schon viel passiert, muss aber noch besser werden.

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Ein starkes Hochwasser hat sich Ende Mai, Anfang Juni 2013 im Filtal ausgebreitet. An vielen Stellen trat die Fils, wie hier zwischen Gingen und Kuchen, übers Ufer. Der Hochwasserschutz hat Schlimmeres verhindert.  Foto: 

Überflutete Parkplätze, Sturzbäche auf Straßen, Mauern aus Sandsäcken: Das Hochwasser vom Frühjahr vergangenen Jahres ist vielen Kreisbewohnern noch in guter Erinnerung. Die ergiebigen Niederschläge und deren Folgen hielten Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni 2013 etwa 1500 Einsatzkräfte in Atem, die meisten Schäden entstanden im oberen Filstal, vor allem in den Orten Wiesensteig, Mühlhausen, Gosbach, Hausen und Bad Überkingen.

Die Fraktionen von CDU und SPD im Kreistag hatten bei den jüngsten Haushaltsplanberatungen den Antrag gestellt, über den Stand der Dinge in Sachen Hochwasserschutz im Landkreis informiert zu werden und das Unwetter von vor einem Jahr aufzuarbeiten. Die Kreisverwaltung klärte am Dienstagnachmittag im Ausschuss für Umwelt und Verkehr auf: In den vergangenen zehn Jahren seien 16,3 Millionen Euro in 35 Hochwasserschutzprojekte investiert worden, teilte Joachim Eberlein vom Umweltschutzamt des Landratsamts mit. So sei an manchen Stellen das Flussbett der Fils aufgeweitet worden. Auch die Renaturierung sorge nun mancherorts dafür, dass der Fluss mehr Platz hat. "Die Maßnahmen haben sich bewährt", betonte Eberlein. "Dort, wo in den Hochwasserschutz investiert wurde, waren keine nennenswerten Schäden zu verzeichnen."

Probleme habe es jedoch in Bad Überkingen und Wiesensteig gegeben. Von den 50.000 Sandsäcken, die bei diesem Hochwasser "verbaut" worden, habe die Feuerwehr rund 37.000 allein in Überkingen gebraucht, verdeutlichte Eberlein. Die Gemeinde schätzt den Gesamtschaden auf rund drei Millionen Euro. Alles in allem sei der Landkreis - gemessen an den sintflutartigen Regenfällen - noch mit einem blauen Auge davon gekommen, waren sich der Verwaltungsmitarbeiter und Kreisbrandmeister Michael Reik einig. Dass die Nachbarlandkreise mit Sandsäcken aushelfen konnten, sei "Glück im Unglück" gewesen.

Was wird nun getan, um die Schäden künftig im Rahmen zu halten? Kurzfristig sei Abhilfe geschaffen worden - indem man Abflüsse von Hindernissen befreit oder den Damm in Bad Überkingen provisorisch verstärkt hat, nannte Eberlein Beispiele. Derzeit arbeite ein Fachbüro ein Hochwasserschutzkonzept für Überkingen beziehungsweise einen Gewässerentwicklungsplan für Wiesensteig aus, Teile der beiden Papiere sollen noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Eberlein warnte aber die Kreisräte, sich nicht allzu große Hoffnungen zu machen - vor allem was Bad Überkingen betrifft: Ein umfangreicher Hochwasserschutz sei "schwierig, sehr teuer und daher langwierig".

Während konkrete Investitionen, um den Wassermassen Herr zu werden, Sache der Kommunen seien, greife der Landkreis eher koordinierend ein, erklärte der Experte vom Göppinger Umweltamt. Die Hochwasserpartnerschaft, die Fils-Anrainer-Gemeinden 2008 gegründet haben, tauschen sich regelmäßig aus. Themenschwerpunkte seien beispielsweise hochwasserangepasstes, bewusstes Bauen, eine Bewertung der Risiken und die Ausarbeitung von Alarm- und Einsatzplänen für den Ernstfall.

Ein weiterer Baustein sei der sogenannte Hochwasserrisikomanagementplan für den Bereich Mittlerer Neckar, der im Juni vergangenen Jahres fertiggestellt wurde. Ziel ist es, den Schaden im Falle eines Unwetters zu minimieren. Wie dieser Plan konkret umgesetzt werden soll, damit wollen sich die Mitglieder der Hochwasserpartnerschaft Fils voraussichtlich im Herbst beschäftigen. SPD-Kreisrat Arnulf Wein ist überzeugt: "Hätte man Hochwasserschutzmaßnahmen in Bad Überkingen rechtzeitig umgesetzt, hätte man im vergangenen Jahr nicht diese Schäden gehabt."

Gelder für Flutopfer - Hilfe von Land und Bund

Die Landesregierung hat für die vom Hochwasser betroffenen privaten Haushalte eine Soforthilfe von zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Auszahlung übernahm das Landratsamt. Im Kreis Göppingen wurden 22 Anträge auf Soforthilfe gestellt, 21 davon wurden mit einer Förderung von insgesamt knapp 74 000 Euro bewilligt. Ein Antrag musste wegen eines zu hohen Einkommens abgelehnt werden.

Bund und Länder haben für die vom Hochwasser im Mai und Juni 2013 betroffenen Länder eine Aufbauhilfe bereit gestellt. Baden-Württemberg erhält aus diesen Mitteln einen Anteil von rund 74 Millionen Euro. Das Landratsamt Göppingen ist dabei für die Hilfen an private Haushalte und Wohnungsunternehmen zuständig, für alle anderen Antragsteller, wie zum Beispiel Firmen oder Kommunen, ist das Regierungspräsidium Stuttgart die zuständige Stelle. Die Anträge auf Aufbauhilfe können noch bis 30. Juni 2015 eingereicht werden. Bis heute sind beim Göppinger Landratsamt zwölf Anträge von Privatpersonen auf Soforthilfe eingegangen. Davon sind vier mit einer Förderung von insgesamt rund 6500 Euro bewilligt und ausgezahlt worden. Bei drei Anträgen steht die Auszahlung noch aus, über fünf weitere wurde noch nicht endgültig entschieden.

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